Die 10
Magier des Fußballs
(hpe).
Maradona, Netzer und Pelé: Begnadete Fußballer und jeder für
sich genommen ein Herrscher über die Emotionen ihrer Landsleute. Dass sie
oftmals ihren eigenen Gefühlen eher unterlegen waren als den Gegnern, ist
nur einer von vielen Aspekten, den das Autorenduo Rüdiger Barth und Giuseppe
Di Grazia in „Die 10“ aufgenommen hat. Das großartige Buch
besticht nicht nur durch die fundierte Beschreibung der fußballerischen
Fähigkeiten seiner Titelhelden. Vor allem das Gespür für ihr
Verhalten abseits des Platzes, hebt es von Werken mit ähnlichem Ansatz
ab.
Insgesamt elf große „Zehner“ der Fußballgeschichte finden
Erwähnung: Von Fritz Walter über Zico bis zu Zinedine Zidane fehlt
keiner der prägenden Spielgestalter der vergangenen 50 Jahre. Sogar zentrale
Figuren wie Johan Cruyff und Alfredo Di Stefano ist ein Kapitel gewidmet, obwohl
sie nie die Zehn getragen haben. Den Focus richten die Autoren aber auch auf
die deutschen Spieler. Neben Fritz Walter sind Günther Netzer, Wolfgang
Overath, Lothar Matthäus und Michael Ballack aufgeführt. Mit letzterem
haben die Autoren ein längeres und schönes Interview geführt.
Schade nur, dass die unter anderem thematisierte Diskussion, ob Michael Ballack
nun eine Sechs, Acht oder Zehn ist in der Zwischenzeit durch die Medien ging
und so etwas überholt wirkt.
Jedem Abschnitt in „Die 10“ ist eine Schwarzweiß-Abbildung
von meist ordentlicher Qualität und vielen eine sehr gute Auswahl von Zitaten
vorangestellt. Sehr gelungen sind die gegensätzlichen Aussagen der von
Experten als beste Fußballer aller Zeiten gesehenen Pelé und Diego
Maradona: Während sich Pelé mit Beethoven oder Michelangelo vergleicht,
wird Maradona mit dem schlichten Satz zitiert: „Pelé wird überschätzt.“
Dieser Größenwahn von Maradona gepaart mit einem mangelnden Gespür
für Menschen wurde dem Weltstar in seinem Leben nach dem Fußball
zum Verhängnis. In der exakten und nachvollziehbaren Beschreibung seines
Niedergangs laufen Rüdiger Barth und Giuseppe Di Grazia zur Hochform auf.
Das größte Plus des Buches „Die 10“ sind die sprachlichen
Fähigkeiten seiner Autoren. Satzfragmente wie: „Wenn Pelé
Italien ein Tor zufügte, obwohl er es nicht schoss...“ zeugen
von der Liebe zum Wort. Durch den künstlerischen Umgang mit seinen Hauptdarstellern
erheben Rüdiger Barth und Giuseppe Di Grazia auch den Sport selbst zur
Kunst.
Der Leser merkt in jeder Zeile, dass es Rüdiger Barth und Giuseppe Di Grazia
ein Bedürfnis war, „Die 10“ zu schreiben. Und das ist der wohl
beste Grund für ein Buch, das wirklich lesenswert ist!
Autorenportrait:
Rüdiger Barth, 31, begann als Rechtsaußen und endete als Stopper,
trotzdem trägt er die 10 – beim Volleyball. Seit 1978 ist er Fan
des ruhmreichen „Karlsruher SC“.
Giuseppe Di Grazia, 35, wuchs in Sizilien auf und ist Fan von „Juventus
Turin“, gefürchtet als Flügelflitzer und Chancentod. Durfte
nie die 10 anziehen.
Beide arbeiten als Sportredakteure beim „Stern“ in Hamburg.
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