Das Jahrtausend der Orkane und Fluten
Entfesselte Stürme bedrohen unsere Zukunft
(jaf).
Ganz klar: Bei diesem Buch dürfte dem an Umweltphänomenen interessierten
Leser eindeutig die Luft wegbleiben. Denn mit seinem jüngsten Werk "Das
Jahrtausend der Orkane und Fluten" verschreibt sich Autor Joachim Feyerabend
den gewaltigsten, gefährlichsten und beeindruckendsten Wettererscheinungen
dieser Welt: Hurrikane der Karibik, Zyklone und Taifune, Tornados, Wüstenstürme
und Überflutungen.
Hinter seiner persönlichen Leidenschaft für dieses Thema steht für Joachim Feyerabend eine imponierende Erfahrung am eigenen Leib: Auf der pazifischen Insel Samoa begegnete er einem "Wirbelorkan schlimmster Sorte (...) mit dem Nord-Süd-Durchmesser der Bundesrepublik, ein entfesselter Gigant aus dem Inneren der Hölle, dessen Böen mit sicher 280 Stundenkilometern mich wie eine riesige Keule mit voller Wucht trafen, mich wie einen ausgespuckten Kirschkern durch die Gegend gepustet hatten", erzählt er - und macht sich daran, die persönliche Faszination an seine Leser weiterzugeben. Unverkrampft plaudert Joachim Feyerabend mit einem schier unerschöpflichen Wissen über die ungestümen Urgewalten wie die europäischen Düsenwinde oder die Wiili-waws, die die Magellan-Straße im wahrsten Sinne des Wortes zum sprudelnden Kochen bringen, widmet sich der Oder-Flut ebenso wie apokalyptischen Ereignissen in den USA oder China, erklärt, warum tropische Wirbelstürme nur zwischen dem 5. und 30. Breitengrad zuhause sind und widmet sich ausführlich der Klimaerwärmung durch das so genannte "El Niño"-Phänomen, das weltweit die Gemüter von Wissenschaftlern und Umweltaktivisten erregte.
Es ist in diesem Zusammenhang von hohem Sympathiewert, dass Joachim Feyerabend keine blind-aktionistische "Rettet-die-Welt"-Heißluft aus seiner Feder wirbeln lässt, sondern einfühlsam für ein wenig mehr Verständnis für das, was uns umgibt, wirbt: "Haben wir vielleicht nicht doch strafbar ins Gleichgewicht des blauen Planeten eingegriffen und in zwei Menschenaltern sage und schreibe die Energie von Jahrmillionen in die Luft geblasen?", fragt der Autor vorsichtig in Hinblick auf die wissenschaftlich nicht belegte Annahme, die Menschen verursachen Treibhauseffekt und Klimaveränderung und plädiert im Interesse nachfolgender Generationen: "Wenn auch nur der leiseste Verdacht besteht, dass wir das Weltklima dramatisch verändern, den schützenden Ozonschild über uns vernichten, müssten wir da nicht längst alle vehement umsteuern?"
Als außerordentlich lobenswert erweisen sich neben einem faszinierenden Farbbildteil zudem Joachim Feyerabends Kenntnisse über das Segeln - viele Passagen sind mit stürmischen Erlebnissen von Seefahrern gespickt, die dem Buch in jedem Fall Aufwind geben. Lesenswert - und in dieser leicht konsumierbaren Form bestimmt selten - ist das statistisch angehauchte Kapitel "Rechnen mit dem Risiko. Die Pläne der Versicherer", in dem Autor Joachim Feyerabend sauber recherchiert mit Schadensbilanzen rechnet: Tote, volkswirtschaftlicher Schaden und Versicherungsleistungen - angereichert durch übersichtliche Tabellen zu den seit den 1950er Jahren explodierenden Schadenskurven.
Kenntnisreich, kurzweilig und bewusstseinsbildend - das ausgesprochen lobenswerte Buch "Das Jahrtausend der Orkane und Fluten" erobert die Herzen der Leser im Sturm!
Autorenportrait:
Joachim Feyerabend, geboren 1940 in Berlin, arbeitete als Journalist unter anderem für "Spiegel", "Welt", "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche", bevor er sich ganz seiner zweiten Leidenschaft widmete: dem Segeln. Seit 1994 lebt er auf den Philippinen.
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