Das Inselmeer der Griechen
Landschaft und Menschen der Ägäis
(ini).
Das „Fußballwunder“, die Olympischen Spiele – Griechenland
ist in aller Munde. Wer abseits aller sportlichen Schlagzeilen mehr über
dieses schöne Land und seine Bewohner erfahren möchte, hat jetzt Gelegenheit,
zu Johannes Gaitanides’ Buch „Das Inselmeer der Griechen“
zu greifen.
Johannes Gaitanides, 1909 als Grieche in Deutschland geboren, emigrierte 1933
aus politischen Gründen nach Griechenland, kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg
aber nach Deutschland zurück und verfasste seitdem zahlreiche Bücher
über seine zweite Heimat. Seine Reise ins „Inselmeer“ hat er
bereits vor 25 Jahren unternommen. Seitdem hat ihn seine Leidenschaft für
die Landschaft und die Menschen der mehr als 3.000 griechischen Inseln nicht
mehr losgelassen. Mehr als zehn Jahre nach seinem Tod im Jahre 1988 ist jetzt
sein sympathisches Porträt der Ägäis in der Reihe „Reisen
– Menschen – Abenteuer“ überarbeitet erschienen. Herausgegeben
hat es Gaitanides’ Sohn Thomas, der auch das statistische Zahlenmaterial
aktualisiert und einen kurzen Abriss der griechischen Politik seit 1974 hinzugefügt
hat.
„Das Inselmeer der Griechen“ ist ein Reisebuch der anderen Art.
Johannes Gaitanides lässt seine Leser zum einen an seinem profunden Wissen
über Geschichte, Wirtschaft und Geografie der Inseln teilhaben, zum anderen
aber erzählt er kleine Geschichten über deren Bewohner. Für ihn
ist jede Insel „ein kleiner Kosmos im Westentaschenformat“,
unverwechselbar und eigenständig. Um dieser Eigenständigkeit gerecht
zu werden, hat er sich nur einige Inseln herausgegriffen, die er ausführlich
porträtiert: Unter ihnen natürlich Mykonos, Naxos und Kreta, aber
auch die kleinen „Dodekanesen“, die Sporaden oder die Kykladen.
Allen gemeinsam sind nur „Esel, Schaf und Ölbaum“ und das Kafenion,
das Kaffeehaus. Hier werden Nachrichten ausgetauscht, Geschäfte gemacht
und der auf über 60 verschiedene Arten zubereitete Kaffee genossen. Wer
bislang meinte, Italien sei das Land der Kaffeetrinker, wird hier eines besseren
belehrt: Die griechische Kaffeepalette ist um einiges reicher als die der Italiener,
und ein griechischer Barmann muss die hohe Kunst des Kaffeekochens so beherrschen,
dass er auf die individuellen Wünsche jedes Gastes eingehen kann.
Auch die griechische Küche hat viel mehr zu bieten als Gyros und Souflaki:
Johannes Gaitanides erzählt von unbekannten, aber äußerst schmackhaften
Fischen, von herrlichen Beilagen und guten Weinen, die den Genießer die
Kargheit und die Armut der Inseln (und die Tristesse mancher Speisekarte eines
griechischen Restaurants in Deutschland) vergessen lassen.
Neben den vielen Fakten kommt auch die mythologische Dimension der griechischen
Inselwelt nicht zu kurz. Ein schönes Beispiel ist die Geschichte des Ölbaums,
das Ergebnis einer göttlichen Liebschaft zwischen Apollon und Kyrene, die
eine poetische Erklärung für den hohen Stellenwert des Olivenöls
in der Mittelmeerküche liefert.
Trotz der teilweise etwas antiquierten Sprache weiß Johannes Gaitanides
zu begeistern. Sein Buch ist tatsächlich eine „Liebeserklärung
an die Ägäis“, wie sein Sohn im Vorwort schreibt. Einige
schöne Farbfotos von Reiner Harscher sorgen für die optische Untermalung.
Wer wirklich gut informiert nach Griechenland reisen will oder nach einem gelungenen
Urlaub noch mehr über Land und Leute erfahren möchte – mit dem
Buch „Das Inselmeer der Griechen“ liegt er richtig!
Autorenportrait:
Johannes Gaitanides, geboren 1909 in Dresden, übersiedelte 1933 aus politischen
Gründen nach Griechenland. In die Bundesrepublik zurückgekehrt, war
er im Verlagswesen und in der Historischen Kommission der Bayerischen Akademie
der Wissenschaften tätig und machte sich schließlich als Schriftsteller
selbstständig. Er hat mehrere Bücher, vor allem über Griechenland,
veröffentlicht und für Presse und Rundfunk zahlreiche Arbeiten verfasst.
1963 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis. Johannes Gaitanides starb 1988 in seinem
Heimatort Schondorf am Ammersee.
„Das Inselmeer der Griechen“ erschien 1962 und wurde seitdem mehrfach überarbeitet. Die neue Ausgabe hat sein Sohn Thomas Gaitanides betreut: Er ist Redakteur und Moderator beim Bayerischen Rundfunk und bleibt dem Thema des Vaters insofern treu, da er mehrere Filme über Kreta, Santorin und die Peleponnes für das Bayerische Fernsehen gedreht hat.
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