Cookys

Über den leidvollen Weg eines Spitzenkochs

Cookys(twi). Das Buch „Cookys“ von Werner Köhler verspricht viel: Wenn man sich den Rückseitentext so anschaut, dann vermutet man ein Buch über einen Koch, eben Cooky, so sein Spitzname, und seinen Weg zum Spitzenrestaurant, welches sogar die „FAZ“ lobte, und mit dem er in den Olymp der Spitzengastronomen aufstieg.


Doch das Buch ist anders, er schildert die „Reise“ von Cooky, als revoltierender Jungpubertärer in der 1968er Zeit, welche für ihn aus Sex, Drogen und konfusen kommunistischen Ideen bestand, bis zu seinen ersten Jobs als Aushilfe und Hilfskoch in europäischen Restaurants. Sein Talent des autodidaktischen Kochens und seine Begabung, wie in Trance die Gerichte fertig zu stellen, wird schnell erkannt, und man übergibt ihm mehr und mehr die Leitung der Küchen, in denen er tätig ist.


Mit der Zeit trifft er alle die Freunde, welche nachher im Spitzenrestaurant sein Team bilden sollen, und der Weg ist lang bis dort, lang und steinig. Wenn man den Kopf voll hat mit Ideologien und zudem weichen Drogen ausgesprochen gerne zuspricht, dann hat man es im Leben nicht besonders leicht, denn auch sein Freundeskreis hatte eben solche Probleme, und viele blieben dabei auf der Strecke. Dass man als junger Mann nur Sex im Kopf hat und dies durch die 68er Parolen der „freien Liebe“ auch noch gefördert wurde, ist dennoch nur allzu normal.


Ich persönlich konnte nicht gerade viel mit dem Buch „Cookys“ anfangen, obwohl es mich durchaus sehr belustigt hat. Ich glaube, dass insbesondere heutige Erwachsene, welche in der Zeit um 1968 gerade Jugendliche waren, gerne dieses Buch lesen werden, denn es erinnert sie an die „schöne alte Zeit“. Da ich selbst aber 1968 gerade geboren wurde, ist mir diese Zeit fremd. Die mittlerweile vielen guten Kritiken, die „Cookys“ erhalten hat, kamen freundlicherweise fast ausnahmslos von Personen, welche gerade in der 68er Zeit ihr „Erwachsenwerden“ erlebten.


Das Spitzenrestaurant hat mich selbst sehr fasziniert, und ich hätte gerne mehr darüber gelesen, doch „Cookys“ ist mehr die Beschreibung des Weges dorthin, als dass es darum geht, das Endziel zu beschreiben. „Cookys“ ist ein problematisches Buch, ein Buch welches gerade am Anfang mit dem Tod eines Kunden beginnt, welcher immer still und teilnahmslos im Restaurant saß und aß, und der doch ein Freund war. Es ist ein Buch über Teamarbeit und Freundschaft, ein Buch über einen Ausnahmekoch, welcher sein Ziel über Umwege und dennoch bravourös erreichte.


„Cookys“ ist ein Buch für die 1968er oder die, welche gerne dann erwachsen geworden wären. Allen anderen wird es verschlossen bleiben, wenn es auch ab und zu ein Schmunzeln entlockt.

Autorenportrait:
Werner Köhler, geboren 1956 in Trier. Der gelernte Buchhändler war 19 Jahre lang als Geschäftsführer eines großen Buchhandelsunternehmen tätig. Dann organisierte er sein Leben neu und lebt heute als selbstständiger Verleger in Köln. Außerdem ist er Geschäftsführer des Internationalen Literaturfestivals „lit.Cologne“, hat mit „Köhlers Kochpunkt“ eine eigene Fernsehserie im WDR, und ist Autor und Herausgeber zahlreicher Kochbücher.

Cookys

Werner Köhler
Cookys
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln
ISBN 3-462-03352-2
Originalausgabe, 2. Auflage, 329 Seiten, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 9,90 (D) / € 10,20 (A) / sFr 17,70

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