Chaos ist ein griechisches Wort

Heilige und unheilige Geschichten aus dem Land der Götter

Chaos ist ein griechisches Wort(ini). „Was Sie schon immer über die Griechen wissen wollten“ – auch so könnte ein treffender Untertitel für Melitta Kessaris’ Buch „Chaos ist ein griechisches Wort“ lauten. Die österreichische Autorin, die seit 1973 in Athen lebt, beobachtet die Einwohner ihrer Wahlheimat mit einem ebenso scharfen wie liebevollen Blick. Dabei ist der Titel ihres Werkes Programm. In 24 Geschichten erzählt sie vom griechischen Chaos. So geht es zum Beispiel in „Odyssee 2000“ um die Tücken der Bürokratie: Selbst eine „Fast-Griechin“ scheint an den hochkomplizierten griechischen Amtswegen fast zu verzweifeln.


Aber das Chaos funktioniert. Nicht zuletzt, weil im griechischen Alltag auch immer eine gehörige Portion Magie enthalten ist. Ärzte können vom „bösen Blick“ heilen, Schutzpatrone werden in Konflikten um Hilfe ersucht, und eine Kindstaufe kann durch den Aberglauben der Mutter zu einer harten Prüfung für alle Beteiligten werden... .
Der Autorin gelingt es aber auch, Traditionen und Bräuche einzufangen, den anderen Pol des griechischen Lebens. Egal, ob Begrüßungszeremonien, Feste im Jahreslauf, Festessen oder Namensgebung, Melitta Kessaris klärt kompetent und zumeist kurzweilig auf. Leider wirkt ihre Sprache stellenweise etwas hölzern und auch die Fülle an Fußnoten, die erst am Ende des Buches erklärt werden, schmälern den Lesegenuss ein wenig. Hier wären Erläuterungen nach jedem Kapitel lesefreundlicher gewesen. Außerdem unterschätzt die Autorin an einigen Stellen die Allgemeinbildung des Lesers: Ein Griechenlandfan weiß durchaus, wer Melina Merkouri war.


Nicht wirklich überzeugen können auch die Bleistiftillustrationen von Christine Thum, die bieder, fast schulmädchenhaft daherkommen. Doch wer sich an diesen Kleinigkeiten nicht stört, der findet in „Chaos ist ein griechisches Wort“ fundierte Informationen über Griechenland und die Griechen, die man nicht nur zur Vorbereitung seines nächsten Urlaubs gewinnbringend lesen kann.


„Chaos ist ein griechisches Wort“ ist ein gelungenes Porträt eines zwar chaotischen, aber charmanten Volkes, das gerade dieses Jahr im Blickpunkt des Interesses steht; Europäer wie wir und gerade durch ihre Andersartigkeit so spannend.


Autorenportrait:
Melitta Kessaris ist Österreicherin und wuchs in Wien auf. Ihre Vorfahren kamen in der zeit des Spätbarocks aus Griechenland, was vielleicht ihr Interesse für die klassisch-hellenische Kultur schon während ihrer Zeit am Gymnasium erklärt. Nach einer turbulenten Schulzeit arbeitete sie in einem multinationalen Konzern. 1973 heiratete sie einen griechischen Augenarzt und lebt seitdem in Athen. Sie hat einen Sohn und eine Tochter, arbeitet in der Arztpraxis mit und ist in verschiedenen Vereinen und Institutionen gesellschaftlich und sozial engagiert.

Chaos ist ein griechisches Wort

Melitta Kessaris
Chaos ist ein griechisches Wort
Heilige und unheilige Geschichten aus dem Land der Götter
Mit Illustrationen von Christine Thum
Larimar Verlag, Hockenheim
ISBN 3-931569-23-3
1. Auflage 2003, 158 Seiten, mit zahlreichen s/w-Zeichnungen, Broschur.
Unverbindliche Preisangabe: € 10,50 (D) / € 10,80 (A) / sFr 16,40

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