Alexis Sorbas
Der Romanklassiker über den Sinn des Lebens
(gjk).
Nikos Kazantzakis’ berühmter Roman „Alexis Sorbas“ handelt
von der ewigen Suche nach dem wahrhaftigen Sinn des Lebens und einer besonderen
Freundschaft.
In einer Kneipe im Piräus lernen sie sich kennen, wie sie gegensätzlicher
nicht sein könnten: Der Ich-Erzähler, ein gelehrter und ehrgeiziger
Schriftsteller, und Alexis Sorbas, ein einfacher Mann mit einer eigenen Lebensphilosophie,
der sich in ein Abenteuer nach dem anderen stürzt, um sein Dasein auszukosten.
Gemeinsam fahren Sorbas und sein „Chef“, wie dieser von da an genannt
wird, nach Kreta, wo sie ein altes Bergwerk wieder in Betrieb nehmen möchten.
Während der „Chef“ viel Zeit damit verbringt, über seinen
Papieren gebeugt ein literarisches Werk zu schaffen, staunt Sorbas jeden Morgen
aufs Neue über das Wunder dieser Welt. „Was ist nur geschehen,
Chef?“ ruft er beim Betrachten des Frühlings aus. „Bei
Gott, ich sehe die Welt zum erstenmal.“
Im Gegensatz zu seinem Chef hat er keine Bücher studiert, um sich dem Sinn
des Lebens zu nähern, sondern lernte die Natur des Menschen besser kennen
als jeder gelehrte Philosoph, indem er selbst einfach lebte. Nach Unmengen von
Liebesbeziehungen, einigen Ehen, unzähligen Reisen und verschiedensten
Berufen, ist der Schelm immer noch Mensch geblieben und stürzt sich auch
im Alter von 65 Jahren in neue Liebschaften. Sein Chef betrachtet dieses wundersame
Schauspiel, das Sorbas ihm tagtäglich bietet, mit wachsender Anerkennung
und schließt diesen einfachen Mann immer mehr in sein Herz. „Alle
Probleme, die ich in meiner Einsamkeit, an den Stuhl gefesselt, Knoten für
Knoten zu lösen suchte, hatte dieser Mann in den Bergen, in freier Luft,
schon längst mit seinem Säbel gelöst.“
Was Sorbas in Worten nicht auszudrücken vermag, das offenbart er durch
seine Tänze und durch das Spiel auf seinem Santuri, einem griechischen
Saiteninstrument. So wird dem Chef die Zeit an der Seite von Sorbas „zu
feinkörnigem, warmem Sand, der mir sanft prickelnd durch die Finger rann.“
In Gesellschaft des lebenslustigen Schelms beginnt der Ich-Erzähler, sich
von seinem strengen Denken langsam zu lösen und die Arbeit an seinem schriftstellerischen
Werk gerät ebenso wie das Bergwerk immer stärker in den Hintergrund
des Geschehens. „Solange wir ein Glück erleben, sind wir uns
dessen nie so recht bewusst. Erst wenn es vorüber ist und wir Rückschau
halten, merken wir plötzlich – und zuweilen mit Erstaunen –
, wie glücklich wir waren.“ Auf Kreta erkennt er hingegen: „Ich
war glücklich und wusste das.“ Doch das Glück ist dem Menschen
nicht treu und, auch in einem idyllischen Paradies können die Zustände
beengend und vielleicht sogar ausweglos werden, für den „Tintenkleckser“
ebenso wie für einen durch und durch freien Sorbas.
Nikos Kazantzakis’ Roman „Alexis Sorbas“, aus dem Griechischen
von Alexander Steinmetz übersetzt und überarbeitet von Isidora Rosenthal-Kamarinea,
besticht durch die Subtilität, mit welcher der Autor seine Figuren aufeinandertreffen
lässt: Er spielt die Philosophie eines beschwingten Schelms gegen die künstlerische
Ambition eines Schulmeisters aus. Diese gegensätzlichen Kräfte verleihen
dem Buch einerseits eine leise Spannung und andererseits eine belebende Leichtigkeit,
die den Leser Seite um Seite in ihren Bann ziehen.
Mit „Alexis Sorbas“ schuf Nikos Kazantzakis ein tiefgründiges,
philosophisches und zugleich wunderbar erfrischendes Werk, das zu Recht zu einem
Klassiker der modernen Literatur geworden ist!
Autorenportrait:
Nikos Kazantzakis wurde am 18. Februar 1883 in Heraklion geboren. Er studierte
zunächst Jura in Athen, dann Staatswissenschaften in Paris. Neben seiner
Professur an der juristischen Fakultät von Athen übersetzte er und
schrieb Romane. Mit dem autobiographischen Roman „Alexis Sorbas“,
1946 erschienen und unvergesslich mit Anthony Quinn verfilmt, erlangte er Weltruf.
Nikos Kazantzakis starb am 26. Oktober 1957 in Freiburg.
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