3 Weeks after Paradise:
Eine Stimme aus New York City
(pr).
„Es ist weg. Solange ich New Yorker bin, war es da, aber jetzt ist
es weg.“ Mit diesen Worten versucht Israel Horovitz in „3 Weeks
after Paradise“ das Gefühl der Ohnmacht zu beschreiben, das die Hauptfigur
seines Hörspiels nach dem Anschlag auf das New Yorker World Trade Center
am 11. September 2001 immer wieder befällt. Zunächst aus Angst um
seinen Sohn, der eine Schule nahe dem World Trade Center besucht, dann aufgrund
der unzähligen „Noch vermisst-Fotos“, die überall hängen,
der anhaltenden Albträume, der Angst vor Milzbrand und der großen
Stille, die sich auf die Umgebung von Ground Zero gelegt hat.
Drei Wochen nach dem Attentat herrscht im Leben des New Yorker Familienvaters,
der das Einstürzen der Türme von Fester seiner Wohnung in Lower Manhatten
aus beobachten konnte, alles andere als Normalität. Seine Gedanken kommen
nicht von dem Thema los und er beobachtet genau die Veränderungen seit
dem „Verlust des Paradieses“, in dem die New Yorker seiner
Meinung nach vor dem 11. September gelebt haben: Der 15-jährige Sohn, der
plötzlich im Elternschlafzimmer übernachtet, die verstärkte Polizeipräsenz,
die ständige Gegenwart des Todes und der Angst. Aber auch die eher banalen
Folgen finden Erwähnung, wie etwa die langsam eintretende Langeweile, die
bei weiter entfernt lebenden Freunden die Erwähnung der Anschläge
auslöst, und die Tatsache, dass einige Jogger die amerikanische Flagge
zu Trainingsanzügen, Stirn- und Schweißbändern umfunktioniert
haben. Dann und wann wird die sonst sehr düstere Stimmung des Hörspiels
etwas aufgelockert, zum Beispiel wenn die Hauptfigur einen Witz wiedergibt,
wo eine Gruppe verängstigter Taliban sich von den Amerikanern anhören
muss: „Wenn Ihr Bin Laden nicht ausliefert, schicken wir Eure Frauen
in die Schule“.
Zu der beklemmenden Atmosphäre des von Inge Greiffenhagen und Bettina von
Leoprechting aus dem Amerikanischen übersetzten Hörspiels trägt
neben den spärlich eingesetzten, dafür aber umso bedrohlicheren Soundeffekten,
vor allem die eindringliche Stimme Christian Brückners bei, den man als
deutsche Synchronstimme von Robert de Niro kennt. Besonders der Wechsel zwischen
der normalen Stimme des Hörspielmonologs und einer für besonders intime
Gedanken reservierten, leiseren und melancholischeren Modulation erzielt Betroffenheit
beim Hörer.
„3 Weeks after Paradise“ ist nicht unbedingt etwas für sensible
Gemüter: Durch die zeitliche Nähe zu den Ereignissen des 11. September
2001 und den Blickwinkel eines Mannes, der von seinem Fenster aus täglich
auf Ground Zero schaut, erhält der Hörer eine persönliche und
realitätsnahe Perspektive, die tief ergreift und zum Nachdenken anregt!
Autorenportrait:
Israel Horovitz, geboren 1939 in Massachusetts, ist einer der erfolgreichsten
und produktivsten Stücke-Schreiber der USA und in Frankreich gegenwärtig
der meistgespielte amerikanische Dramatiker. Er wurde mit zahlreichen internationalen
Auszeichnungen geehrt, darunter ein „Emmy“ und der Preis der Jury
in Cannes. Er ist Gründer und Künstlerischer Direktor des Off-Theaters
„The Gloucester Stage“ sowie des „New York Playwrights Lab“,
das der Förderung neuer amerikanischer Dramatiker dient.
Erzählerportrait:
Christian Brückner, geboren 1943, studierte Theaterwissenschaft, Soziologie
und Germanistik. Er spielte in diversen Theaterstücken, Fernsehserien und
Kinofilmen mit. Seine Stimme ist besonders durch die Synchronisation von Robert
De Niro, Harvey Keitel und Robert Redford bekannt geworden. Daneben hat er in
über 25 Jahre lang als Sprecher und Literaturinterpret für fast alle
Rundfunkanstalten gearbeitet. Außerdem spricht er Reportagen, Dokumentationen,
gibt Literaturlesungen, in denen er unter anderem Gedichte Hölderlins,
Celan und Novalis vor Publikum liest. Er hat in zahlreichen Hörspielen
und Hörbüchern mitgewirkt.
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