zeilenweise
Gedichte über die vielen Seiten des Buches
(jaf).
Hans Magnus Enzensberger, Arthur Rimbaud, Ernst Jandl, Gotthold Ephraim Lessing,
Jorge Luis Borges, Peter Rühmkorf, Günter Grass, Paul Celan, Ulla
Hahn, Christian Morgenstern, Bertold Brecht, Reiner Kunze, Kurt Schwitters,
Johann Wolfgang Goethe sie alle und noch viele mehr sind vertreten, um
in der Anthologie „zeilenweise Gedichte über die vielen Seiten
des Buches“ von ihren Begegnungen und Erfahrungen im Umgang mit dem Buch
zu berichten.
Die beiden literaturerfahrenen Herausgeber Hiltrud Herbst und Hermann Wallmann nehmen den Leser an die Hand und führen ihn durch den Vers-Dschungel zu gegliederten Themenbereichen: Der „Sprachwarenhandel“ befasst sich dezidiert mit der Zunft der Buchhändler, „In der Bibliothek ist es ganz still“ bietet eine poetische Besichtigung von Hof- und Staatsbibliotheken, von Bücher-Zimmern oder auch Buchstützen an, „was kannst du mit 26 buchstaben schon falsch machen?“ lässt die Lettern tanzen, „Ob ich Biblio- was bin?“ richtet sich unmissverständlich an schwärmerische Bücherfreunde, „ein faulsein / ist nicht lesen kein buch“ behandelt die eher durchschnittlichere Erscheinung des Lesenden, „Diese Brennessel / könnte von Proust sein“ hält unkonventionelle Anleihen bei Vorgängern parat. Als letztes Kapitel, das war das Buch seinem Anlass schuldig, berichtet „Die Bücher ließ er sammeln und vernichten“ über Verstörung, Wut und Trauer von Dichtern über Schreibverbote bis zur Bücherverbrennung.
Bei all dem wird schnell klar: Die Form des Gedichtes bietet sich für das Hohelied des Buches durchaus an: Leidenschaftliche Hymnen wechseln sich ab mit kecken Kurzgedichten, amüsante Wortakrobaten turnen dem Leser eine schillernde Kür vor, kitzeln Nachdenken hervor und machen mit poetischer Dringlichkeit klar: Menschen brauchen Bücher!
„zeilenweise“ ermöglicht deshalb seine Konzeption als Anthologie nicht nur das Finden, so Herausgeber Hermann Wallmann, sondern auch das Suchen. Nie fertig, nie unvollendet sei die Grundeigenschaft einer Anthologie, sie machen den Leser „zugleich lesehungrig und satt“.
„zeilenweise“ taugt deshalb für so vieles: zum Stöbern und Blättern, zum Verschlingen, zum Lachen und Trauern, zum Schwärmen, Nachdenken, Lesen und Leben. Es lebe das Wort, das Gedicht, das Buch der Welt würde sonst das Menschliche fehlen!
Herausgeberportrait:
Hiltrud Herbst ist Mitherausgeberin des Literaturkalenders „Fliegende
Wörter“ und der „BücherTage“.
Hermann Wallmann ist freier Literaturkritiker und Redakteur der Zeitschrift
„Schreibheft“. Beide leben in Münster.
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