Wörterbuch der europäischen Gartenkunst

Die Welt der Gartenarchitektur von der Antike bis zur Gegenwart in 550 Stichworten

Wörterbuch der europäischen Gartenkunst(jf). Selbst von der Wissenschaft wird erst seit wenigen Jahrzehnten wahrgenommen, dass die Gartenkunst eigentlich eine Disziplin der Kunstgeschichte ist. Dass sich quer durch die Epochen der europäischen Geschichte hindurch eigene Gartenstile mit prägnantem Äußerem entwickelten, davon berichtet der in bewährter Manier klein, fein, verständlich und überaus sachlich-kompetent gehaltene und in diesem Jahr zum zweiten Mal aufgelegte Reclam-Führer „Wörterbuch der europäischen Gartenkunst“ von Gabriele Uerscheln und Michaela Kalusok.

Der Band beginnt mit einer informativen Einleitung über Geschichte und Wandel des künstlerisch gestalteten Gartens vom Klassischen Altertum bis zur Gegenwart. Von den Heiligen Hainen der griechischen Antike über den mittelalterlichen Kräuter- und Arzneigarten, den der Symmetrie verpflichteten Renaissance-Garten, den Barock-Garten bis zum Jugendstil-Garten und der Konzeption eines postmodernen Gartens mit wetterfesten Brötchen-Skulpturen, geben Gabriele Uerscheln und Michaela Kalusok einen detaillierten Überblick darüber, wie aus Garten Kunst wurde.

Im Anschluss folgt das eigentliche Wörterbuch mit seinen 550 Stichworten. Gartenarchitekten haben hierin ebenso ihren Platz wie mythische Gestalten, biblische Begebenheiten, ikonographische Grundlagen oder gartenbauliche Fachbegriffe. Fundiert recherchiert, lassen sich grundlegende Informationen darüber welche Arten von Gewächshäusern und Lustgärten es gibt ebenso finden, wie ausgefallene Details – beispielsweise die Tatsache, dass die Kaiserliche Hofmanufaktur Wien zwischen 1744 und 1750 die Blüte ihrer Gartenzwergproduktion erfuhr, und dass es das architektonische Konzept von Dachgärten bereits seit den Hängenden Gärten von Babylon gibt.

Anhand von zahlreichen schwarzweiß Abbildungen werden zudem 60 europäische Gärten rund um Schlösser, Villen, Herrenhäuser oder Friedhöfe vorgestellt, die übersichtlich im Anhang noch einmal nach Ländern geordnet, aufgelistet sind. Das einzige, was dem Band überraschend fehlt, sind generelle Anmerkungen zum Zusammenhang von Garten und Kunst sowie Antworten auf die Frage, weshalb die Menschen Natur künstlich zu bearbeiten suchen; dennoch: Das „Wörterbuch der europäischen Gartenkunst“ ist ein überlegt gestaltetes, aufschlussreiches Lexikon für den Bücherschrank all derer, die den grünen Daumen für die schöne Kunst des Gartenbaus heben.

Autorenportrait:
Gabriele Uerscheln, geboren 1948 in Meerbusch bei Düsseldorf, studierte Kunstgeschichte, Philosophie, Pädagogik und Psychologie in Köln. Studienabschluss mit einer Arbeit über das Thema Klassische und moderne Legitimationsprobleme der Ästhetik. 1980-2000 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Clemens-Sels-Museum in Neuss und kunstwissenschaftliche Leiterin der Städtischen Kunstsammlungen. 1998 Konzept für das Gartenkunstmuseum im Ostflügel von Schloss Benrath, seit 2000 Leiterin von Schloss Benrath (Corps de logis) und dem Museum für Europäische Gartenkunst. Seit 1999 Lehrauftrag an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Themen- und Arbeitsschwerpunkte: englischer und französischer Symbolismus des 19. Jahrhunderts; zeitgenössische Malerei; Mythologie; Naturästhetik und Gartenkunst.
Michaela Kalusok, geboren 1961 in Burghausen/Bayern, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie in Würzburg mit Promotion über das Thema Tabernakel und Statue. Die Figurennische in der italienischen Kunst des Mittelalters und der Renaissance. 1990 Mitarbeiterin beim „Census of the Works of Art and Architecture Known to the Renaissance” in Rom, Bibliotheca Hertziana. 1992/93 Lehraufträge an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. 1993-95 Volontariat bei den Staatlichen Museen in Kassel. 2001-2002 Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Aufbau des Gartenkunstmuseums Schloss Benrath in Düsseldorf. Themen- und Arbeitsschwerpunkte: europäische Skulptur und Architektur vom 12. bis zum 18.Jahrhundert; Gartenkunst.

Wörterbuch der europäischen Gartenkunst

Gabriele Uerscheln und Michaela Kalusok
Wörterbuch der europäischen Gartenkunst
Phillip Reclam jun. Verlag, Stuttgart
ISBN 3-15-010523-4
2. Auflage 2003, 288 Seiten, mit 30 s/w-Abbildungen, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Kleinformat.
Unverbindliche Preisangabe: € 12,90 (D) / € 13,30 (A) / sFr 22,60

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