Wie Adam den Apfel verschluckte
Die Ungarische Bauernbibel
(ts). Wie sind die Ungarn entstanden? „Gott stieß mit dem Fuß nach einem Klecks Pferdemist, und heraus sprang, den Hut aufs Ohr geschoben, ein Ungar, stieß einen Fluch aus und fragte Gott nach seinem Ausweis“. Wer kennt sie nicht, die Geschichten um die Erschaffung der Welt oder all die Anekdoten um Petrus an der Himmelspforte. Doch auch viele andere biblische Stoffe haben sich verselbständigt und sind schon lange in der Volksliteratur zu finden. Die beiden Ungarinnen Annamaria Lammel und Ilona Nagy haben sich auf die Suche nach diesen Geschichten gemacht und sind bei alten Ungarn fündig geworden. Die Geschichten, die sie erzählten, sind erstmals in dem Buch „Wie Adam den Apfel verschluckte“ zusammengetragen, von Hans Skirecki ins Deutsche übersetzt. In Ungarn hat „Die Ungarische Bauernbibel“ bereits zahlreiche Leser gefunden.
Freilich gibt es Schwänke, die mit viel Humor die biblischen Texte weiterspinnen, nicht nur in Ungarn. Auch bei den Gebrüdern Grimm kann man sie entdecken, wie der Freiburger Volkskundler Lutz Röhrich in seinem Nachwort zeigt. Bereits in den frühchristlichen Kindheitsevangelien Jesu wirken viele Erzählungen über den Lausbuben Jesus schwankhaft. Im Mittelalter waren die oft derb-groben Schwänke vom Volk ebenso beliebt wie von der Kirche verübelt. Rasch verbreiteten sie sich. Heute lässt sich kaum noch feststellen, wann und wo einzelne Geschichten entstanden sind.
Auf humorvolle Weise wird in dem Buch „Wie Adam den Apfel verschluckte“ erklärt, wie Mann und Frau entstanden sind, warum es Berge gibt, was es mit dem Adamsapfel auf sich hat und warum der Mann einen Bart hat. Daneben wurden aber auch Legenden, Märchen und kurze Nacherzählungen biblischer Geschichten aufgenommen, die freilich auch nicht immer todernst sind. Aufgeführt sind die menschelnden Geschichten in der Reihenfolge der biblischen Vorlage von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht. Die Sammlung der amüsanten Volksschwänke hat den Titel „Bauernbibel“ drum auch verdient.
Autorenportrait:
Annamaria Lammel, ungarische Anthropologin mit psychologischem und erkenntnistheoretischem Schwerpunkt, lehrt als Professorin in Paris, wo sie seit 1987 lebt.
Ilona Nagy, geboren 1944, Wissenschaftlerin am ethnographischen Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.
![]() |
Annamaria Lammel und Ilona Nagy |
© Copyright by: Public Dialog Hamburg