Vorne fallen die Tore
Fußball-Geschichte(n) von Sokrates bis Rudi Völler
(hpe).
Es ist nicht immer einfach, Geschichte in leicht konsumierbarer Form zu beschreiben.
Diese Erkenntnis gewinnt man zumindest, wenn man diverse staubtrockene Bücher
über die Fußballhistorie in Augenschein nimmt. Dass es auch anders
geht, zeigt „Vorne fallen die Tore“. Herausgeber Rainer Moritz
hat darin vieles von dem zusammengetragen, was in den letzten knapp 5.000 Jahren
zu diesem Thema veröffentlicht wurde. Von Sokrates bis Giovanni Trapattoni
kommt fast jeder zu Wort, der sich je der Faszination Fußball in lyrischer
Form gewidmet hat. Schnell wird klar, dass es hier in erster Linie um den Spaß
am Spiel geht und nicht um eine durch und durch fundierte Abhandlung. Und genau
das ist es, womit sich „Vorne fallen die Tore“ so wohltuend vom
Rest der Fußballsachbücher abhebt. Bei aller historischen Genauigkeit
fehlt nie das Augenzwinkern.
Stellvertretend für eine ganze Reihe herrlicher Fundstellen sei hier aus dem Brief eines erbosten Zuschauers des Vorrundenspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn (eine 3:8-Niederlage) bei der WM 1954 an Bundestrainer Sepp Herberger zitiert: „Ein Glück, dass Sie sich gestern, unmittelbar nach dem Spiel nirgends blicken ließen, sonst hätten Ihre Nächsten heute Gelegenheit, Sie ausstopfen zu lassen.“ Es fehlt aber auch nicht die Entschuldigung desselben Zuschauers, nachdem er einige Wochen später die Voreiligkeit seines Tuns erkennen musste. Neben abgedruckten Briefen greift Rainer Moritz, der immer wieder gekonnt zum nächsten Auszug überleitet, vor allem auf Bücher, Fernsehsendungen, Gedichte, Schwarzweißfotos und Zeichnungen zurück.
„Vorne fallen die Tore“ wird nie langweilig und erinnert dabei an ungemein viele unvergessliche Momente. Sie sollten es nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln lesen es kann sein, dass sie Ihre Haltestelle verpassen!
Herausgeberportrait:
Rainer Moritz wurde 1958 in Heilbronn geboren. Er amtierte acht Jahre lang als Schieds- und Linienrichter, ist Vizepräsident der Marcel Proust Gesellschaft, Köln, leitet den Hoffmann und Campe Verlag in Hamburg und hat zahlreiche Publikationen vorgelegt.
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