Unter Wasser
Abenteuer in einer anderen Welt
(bhs).
Mit seinem ersten Buch „Unter Wasser“ hat Tim Ecott nicht nur
ein Buch für wahre Unterwasser-Liebhaber geschaffen, sondern auch für
Forscher und Idealisten oder solche, die es werden wollen. Und nebenbei
auch für jeden, der sich durch Worte faszinieren lässt. Es ist die
gelungene Gratwanderung zwischen Tauchbuch und Belletristik, Information und
sensiblem Bewusstsein nicht nur für die Unterwasserwelt, sondern
für das Leben an sich.
Doch nicht nur die einfühlsame und fesselnde Sprache hebt das Buch des Irländers, übersetzt von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck, aus den Tauchbüchern hervor: Schon die persönliche Einleitung, ein Rückblick auf seinen ersten Tauchgang und den Verlust der eigenen Mutter, der ihn dazu treibt, lässt den Leser in die Nähe des Autors rücken. Es folgen spannende Erlebnisse mit anderen Tauchern, mit Meeressäugern; sensible Geschichten, die unter die Haut gehen und „Unter Wasser“ spielen, zeigen eine tiefe Liebe zu den Ozeanen und ihren Bewohnern, aber auch zu dem Menschen, der damit umzugehen weiß, wohingegen das unbedachte Fehlverhalten anderer gegenüber des Ökosystems Ozean mit kritischen Worten bedacht wird.
Tim Ecott widmet sich den Helden der Geschichte des Tauchens, den berühmtesten Revieren der Welt und ihren Geheimnissen, eigenwillig und liebevoll erzählend. Ohne in Schwärmereien zu verfallen, beschreibt er eine Welt, die noch pure Natur ist, geheimnisvoller und zum Glück schwer erreichbarer Teil der Schöpfung und die weitaus mehr birgt, als den Touristen-Trip zum örtlichen Korallenriff. Sprachliche Feinheiten bestechen in zweideutigen Überschriften, die „Tiefenrausch“ oder „Unter Druck“ heißen und doch ganz anderes bergen, als die Bewusstlosigkeit beim Tauchgang oder den schnellsten Weg zur Dekompressionskammer.
Tim Ecotts Begegnungen gehen von der gelähmten Taucherin, die ihre Lähmungen beim Tauchen vergisst, dem Gefühl zu fliegen bis hin zu einem gebrochenen Herzen, welches durch das Tauchen zu heilen beginnt oder der Erkenntnis, dass eigentlich nur in der Tiefe des Meeres die Schöpfung Gottes allgegenwärtig sein könne. Dabei nicht ins kitschige abzugleiten, noch den Sinn für die Realität zu verlieren, zeigt nur, dass Tom Ecott die Unterwasserwelt nicht allein als Passion erlebt, sondern vor allem mit offenen Augen und nicht minder offenem Herzen betrachtet. So kritisiert er in weiteren Geschichten die Auswirkungen des Tauch-Tourismus auf das Ökosystem oder das Kriegsverhalten diverser Großmächte innerhalb des Zweiten Weltkrieges historisch bewandert und biologisch durchdacht. Dabei führen Tim Ecotts Geschichten den Leser an faszinierende Tauchplätze, von den Fidschis bis zu den Bahamas, von Irland bis hin zu Kalifornien oder den Seychellen.
Eine Danksagung an alle Beteiligten und die Bibliographie im Anhang runden das Werk endgültig ab. Einzig als fehlend empfunden werden könnten Bebilderungen, die den Rausch der Tiefe, in Worten so begeisternd dargestellt, noch unterstützen. Dafür sind Illustrationen zu der Geschichte des Tauchens, Abbildungen alter Poster oder Zeichnungen waghalsiger „Tauchfässer“ von historischer Faszination.
„Ein Kultbuch“, urteilte Times Literary Supplement über „Unter Wasser“ und wahrlich, es stimmt. Tom Ecotts schreiberischen Fähigkeiten gepaart mit Einfühlungsvermögen und Wertigkeiten lassen auch den Nicht-Taucher unersättlich weiter lesen, bis man ans Ende von „Unter Wasser“ gelangt und doch nicht gesättigt ist. Tim Ecott hat ein Buch geschaffen, was nicht nur in Bezug auf die Weltmeere in die Tiefe geht und zu fesseln vermag, sondern Aufgeschlossenen die Faszination Tauchen näher bringen kann und auch das Bewusstsein gegenüber der Natur ob Mensch, Tier oder die Umwelt, auch „Unter Wasser“.
Autorenportrait:
Tim Ecott, Jahrgang 1963, wuchs in Irland, dem Nahen Osten und in Afrika auf. Er arbeitet als BBC-Sonderkorrespondent für Südafrika und den Indischen Ozean. „Unter Wasser“ ist sein erstes Buch.
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