Tuor und seine Ankunft in Gondolin
Die Suche nach dem verborgenen Königreich
(pr).
Eine weitere Geschichte aus dem mythologischen Umfeld des Mittelerdekomplexes
stellt „Tuor und seine Ankunft in Gondolin“ dar. Die beiden Texte
des Buches sind Auszüge aus „Das Silmarillion“ beziehungsweise
aus „Nachrichten aus Mittelerde“, in dem die vorgeschichtlichen
Sagen und Legenden Mittelerdes fragmentarisch aufgezeichnet sind. J. R. R. Tolkien
kam zu Lebzeiten nicht mehr dazu, den Mittelerde-Mythenkomplex als zusammenhängendes
Ganzes zu veröffentlichen.
Tuor, ein Mensch und Abkömmling Adliger, wächst als Waise bei den Elben auf. Der böse Gott Morgoth jedoch überzieht das Land mit Krieg. Tuor wird verschleppt und zur Sklavenarbeit gezwungen, entkommt aber und durchstreift das Land als Geächteter. Am Meer, zu dem er sich hingezogen fühlt, erscheint ihm der Gott Ulmos, der ihn mit dem Auftrag versieht, eine Botschaft zum Elbenkönig Turgor in das verborgene Königreich Gondolin zu bringen, das immer noch von den Truppen Morgoths unentdeckt geblieben ist. Doch aufgrund eines Fluches sind die Werke der Elben dem Untergang geweiht. Um Turgor zu warnen, macht Tuor sich auf den Weg. Als Führer gesellt sich der Elb Voronwe an seine Seite, mit dem er viele Abenteuer besteht, bis sie schließlich die sieben Tore Gondolins durchschreiten. Tuor kann Turgon seine Botschaft überbringen. Gondolin jedoch fällt trotz der Warnung, weil seine Position an Morgoth verraten wird, und die Elben müssen fliehen. Sie werden ein neues Leben an den Ufern des Meeres beginnen, und der heldenhafte Tuor, der einen Sohn mit einer Elbin hinterlässt, darf als einziger Mensch das Meer überqueren, um in Aman, dem paradiesischen Kontinent der Elben und Götter, aufgenommen zu werden.
Die beiden Kapitel des Buches, „Von Tuor und seiner Ankunft in Gondolin“ sowie „Von Tuor und dem Fall von Gondolin“, sind mit Begriffserklärungen und einigen Karten versehen, die das Verständnis der Zusammenhänge und der Ortsbezeichnungen erleichtern. Zum Glück ist die Zahl der handelnden Personen in „Tuor und seine Ankunft in Gondolin“ im Vergleich zu anderen Sagen J. R. R. Tolkiens überschaubar. Auch Menschen, die mit der Mythologie Mittelerdes nicht allzu vertraut sind, können die Zusammenhänge verstehen, ohne sich in Detailfragen zu verlieren. Das eigentlich Beeindruckende ist auch hier der hohe Sprachstil J. R. R. Tolkiens, der von Hans J. Schütz und Wolfgang Krege aus dem Englischen übersetzt wurde. J. R. R. Tolkien schafft ein Heldenepos in einer fiktiven Welt, das sich auch im Sprachstil eng an die Epen und Sagen verschiedener europäischer Kulturen anlehnt. Die Handlung kann es zwar mit der Spannung eines auskonstruierten Romans nicht aufnehmen, der Klang der Sprache hat jedoch etwas Reizvolles.
„Tuor und seine Ankunft in Gondolin“ ist natürlich empfehlenswert für die Liebhaber von J. R. R. Tolkiens Erzählungen, und aufgrund der überschaubaren Handlung auch als Einstieg in die Beschäftigung mit der Mythologie Mittelerdes gut geeignet. Aber auch Menschen, die sich gerne mit Sagen und Mythen beschäftigen, werden an diesem Buch viel Freude haben.
Autorenportrait:
John Ronald Reuel Tolkien wurde am 3. Januar 1892 in Bloemfontein/Südafrika
geboren und lebte seit 1896 in England. Er war Professor für germanische
Philologie in Oxford und starb am 2. September 1973 in Bournemouth.
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