Toskana 360°
Eine Panorama-Reise durch Kunst und Natur der Region am Arno
(jf). Der Titel ist Programm: Mit „Toskana 360°“ laden der Kunsthistoriker Antonio Paolucci und der Fotograf Ghigo Roli zu einer faszinierenden Panorama-Reise durch das wunderschöne Hügelland im Herzen Italiens ein. Zypressenbewachsene Hänge, dazu Kulturschätze aus Malerei und Architektur im Überfluss es ist die Symbiose aus Natur und Kunst, die die Toskana so reizvoll macht. „Es gibt zwei wesentliche Schlüssel zum Verständnis des ‚schönen Landes am Arno’“, sagt Antonio Paolucci in seiner Einführung, „der erste sind die Kunstwerk der Toskana, die größtenteils bis heute erhalten blieben und über Jahrhunderte von Baumeistern, Steinmetzen, Pächtern, Waldarbeitern und Gärtnern mit viel Geduld erschaffen wurden. Der andere Schlüssel ist das Zusammenspiel zwischen den Formen und Farben der Kunst und der Natur“.
Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich damit auch das Buch: Sonnenbeschienene Olivenhaine liegen schläfrig in der Morgensonne, Nebel steigt über den Schwefelwasserfällen bei Saturnia auf, Sonnenblumen strahlen auf den Feldern der Marennen, sumpfig-geheimnisvoll warten die moosigen Küstenwälder am Tyrrhenischen Meer auf Besucher. Eingebettet in die manchmal liebliche, mitunter auch spröde Landschaft: Orte und Städte, bis zum Rand angefüllt mit herrlichen Bauwerken, wunderschönen Marmor-Skulpturen, bis heute unerreichten Gemälden. Botticelli und Michelangelo, Piero della Francesca, Donatello und Pontormo wirkten in den Städten, deren Namen heute Jahr für Jahr Tausende von Besuchern anlocken: Florenz mit seinen prächtigen Palazzi und der alles überragenden Kuppel von Santa Maria del Fiore, Lucca, die Marmorstadt Carrara im hügeligen Bergland, die Hafenstadt Livorno mit seinen schweren Mauern, der Campo Santo in Pisa. Weiße Kirchen, herrliche Plätze, sanfter Sonnenschein die Fotos schüren die Urlaubssehnsucht. Sie zeigen bekannte Motive aus ungewöhnlichem Blickwinkel, schenken selbst unbekannten aber wunderschönen Orten Beachtung und vermögen damit, den Reiz der Region eindringlich zu erfassen.
Ein gewöhnungsbedürftiger, allerdings bei näherer Betrachtung durchaus sinnvoller Schachzug der Buchmacher: Kunsthistorische Erklärungen werden erst am Ende (mit verkleinerten schwarz-weiß Miniaturen der Großaufnahmen) gegeben, beschweren somit allerdings nicht die eindrucksvollen, großformatigen und teilweise ausklappbaren Panorama-Fotografien. Als ein kleiner Nachteil des Buches fällt die Beschriftung auf. Mitunter erweist sich die Zuordnung der Ortsnamen als schwer, da eindeutige Bildnummern häufig fehlen und mehrfaches Zurückblättern notwendig ist. Doch vor den prachtvollen Bildern, die mit künstlerischen schwarz-weißen Zeichnungen von Luisa Romussi abgerundet werden, verschwimmt diese Lappalie.
Wer den Bildband „Toskana 360°“ in sich aufgesogen hat, die Luft der freien Landschaft geatmet und ihre Herrlichkeit genossen hat, der kann Antonio Paolucci nur Recht geben, wenn er sagt: „Am Ende unserer Reise angekommen, werden Sie verstanden haben, dass das Geheimnis dieser Region in dem seltenen Gleichgewicht zwischen Eleganz, Grazie und Maß liegt; Sie werden festgestellt haben, dass die von Botticelli, Michelangelo, Donatello und Pontormo belegte Schönheit nichts anderes ist als der Ruhmesgipfel der landschaftlichen Schönheit, der herrlichen Plätze und Straßen, einer Schönheit, die von den Farben, den Worten der Menschen und vom Duft der Speisen widergespiegelt wird.“
Autorenportrait:
Antonio Paolucci wurde am 29. September 1939 in Rimini geboren. Bei Roberto Longhi, einem bedeutendem Gelehrten für Geschichte und Kunstkritik, schloss er in Florenz sein Studium der Kunstgeschichte ab. Er spezialisierte sich anschließend auf diesem Gebiet bei Francesco Arcangeli in Bologna. 1969 gewann er den Wettbewerb als Ispettore alle Belle Arti und begann seine Laufbahn bei der Soprintendenza ai Beni Artistici e Storici in Florenz. Von 1980 bis 1986 war er Soprintendente in Venedig, Verona und Mantua und Direttore dell’Opificio delle Pietre Dure in Florenz. 1988 wurde er zum Soprintendenza ai Beni Artistici e Storici in Florenz, Prato und Pistoia ernannt. Dieses Amt bekleidet er noch heute. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Essays in Katalogen und Fachmagazinen. Außerdem veröffentlichte er Bücher über die italienische Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts. Er betreute zahlreiche Kataloge toskanischer Museen und ist Mitarbeiter bei den Tageszeitungen „Il Sole 24 Ore“, „Avvenire“ und „La Voce“ sowie bei Fachzeitschriften. Darüber hinaus ist er Redakteur des „Paragone e Arte“ und des „Bollettino dell’Arte“, einem staatlichen Magazin.
Fotografenportrait:
Ghigo Roli wurde am 14. Januar 1956 in Modena geboren. Nach dem Studium der Humanistik und Architektur wurde er Berufsfotograf. Seine Arbeit begann er als Theaterfotograf und kam über die Industrie- und Werbefotografie schließlich zu seinem wahren Spezialgebiet, der Landschaftsfotografie. 1983 schloss er sich dem Team Atlante an, arbeitete für das Archiv De Agostini und reiste auf der Suche nach Anregungen um die Welt. Er widmete sich der Architektur, der Kunst, der ethnographischen Reportage, der Natur- und Sportfotografie und den Luftbildern, um später in seinen Panorama-Bildern eine neue Herausforderung zu finden. 1988 begann er seine Zusammenarbeit mit dem italienischen Touring-Club (TCI). Seine Fotos sind fester Bestandteil in vielen Reiseführern und Büchern. 1993 wurde er Berufsjournalist, seit 1994 ist er Mitarbeiter der Gruppo Italiano Stampa Turistica. Bisher veröffentlichte er fünf Fotobände. Außerdem war er Mitarbeiter bei den größten italienischen Magazinen für Tourismus und Ethnographie.
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Antonio Paolucci |
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