Tee
Kultur & Genuß
(tik).
Wir befinden uns etwa im Jahr 3.000 v. Chr. im alten China. Kaiser Shen-nung
sitzt unter einem Strauch und trinkt eine Tasse abgekochtes Wasser, wovon er
sich ein langes Leben verspricht. Plötzlich lösen sich einige Blätter
von dem seltsamen Strauch und fallen in die Tasse des gesundheitsbewussten Herrschers.
Ohne lang zu überlegen, nimmt dieser einen großen Schluck und –
siehe da – was aus einem ärgerlichen Zufall entstand, stellt sich
als wohlschmeckendes Getränk heraus.
So ließe sich eine der zahllosen Legenden, die sich um die Entstehung des Tees ranken, kurz zusammenfassen. Bei allen Unterschieden haben diese Mythen jedoch eines gemeinsam: Sie verweisen auf die große Bedeutung eines in seiner Einfachheit kaum zu überbietenden Kulturgetränks. Heute ist Tee, neben Wasser, das weltweit am meisten konsumierte Getränk.
Dessen Einfachheit darzustellen und gleichzeitig zu zeigen, wie aus dem Tee ein Genussmittel hervorgehen konnte, das Religionsstifter auf neue Wege brachte, zu Krisen und blutigen Kriegen führte, sowie große Schriftsteller in aller Welt inspirierte, haben sich Autorin Lessley Berry und Fotograf Karl Petzke in ihrem Buch „Tee“ zum Ziel gesetzt.
Schon die Covergestaltung, eine elegante Tasse Tee vor weißem Leintuchhintergrund, weist auf die gelungene Verbindung von Simplizität und Schönheit hin. Auch inhaltlich folgen Lessley Berry und Karl Petzke konsequent diesem Weg. „Entstehung“, „Wasser“ und „Zeremonie“ sind die einzigen Abschnitte, die das Buch gliedern. Der Reihenfolge nach behandeln sie die für den Teegenuss entscheidenden Faktoren: die Pflanze, das Brühwasser und die Art des Zu-sich-nehmens. Elegante Fotografien begleiten dabei den zurückhaltenden und sich auf den groben Überblick beschränkenden Text, aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet übersetzt. Das Pathetische bleibt den Schriftstellern vorbehalten, die mit Textpassagen zitiert werden, die alle dem Tee eine mehr oder minder bedeutende Stellung innerhalb des künstlerischen Schaffens beimessen. Dies geht soweit, dass etwa Marcel Proust sein monumentales Werk „Auf der Such nach der verlorenen Zeit“ ganz der Erinnerung und Inspiration zu verdanken glaubt, die eine Tasse Tee und eine Madeleine in ihm weckten.
Doch Tee bedeutet nicht nur Kunst und Kultur, er ist auch Lebensmittel. Dass er auf dem Gebiet des Genusses, trotz seiner Einfachheit, ebenfalls vielseitig verwendbar ist, beweisen die über den ganzen Bildband gestreuten Rezepte. Von Eis am Stiel bis gebratener und in Tee gedünsteter Ente – Tee lässt sich in nahezu jeden Speisentyp integrieren.
In elegantem Stil stellen Lessley Berry und Karl Petzke da, wie aus der Einfachheit des Tees große poetische Kraft und nicht zu unterschätzende Vielfalt in der Verwendbarkeit erwächst: „Tee“ ein Genuss für Augen, Geist und für die Sinne.
Autorenportrait:
Lessley Berry lebt abwechselnd in San Francisco und Südwestfrankreich. Zu ihren Spezialthemen Kochen und Getränke verfasst sie Broschüren, Kataloge und Werbetexte.
Fotografenportrait:
Karl Petzke ist Fotograf und Co-Autor von „Espresso
– Kultur und Küche“. Fotografien von ihm erschienen
schon in zahlreichen Büchern. Er lebt in San Francisco, wo er in der Werbung
und für Verlage tätig ist.
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