Sylt
Literarische Reisewege
(ag). Ob alt oder jung – Sylterinnen ziehen der charakterlosen Pariser Mode ihre eigene Tracht vor: Ihre Köpfe verhüllen sie mit einem blütenweißen Tuch, das ihre Stirn bis zu den großen hellblauen Augen verdeckt und man vom Mund nur die Oberlippe sehen kann. Die Tracht hat etwas geheimnisvoll Reizendes an sich, besonders in schimmernder Nachthelle und der großen Stille, die fast immer die Ortschaften der Insel Sylt umgibt... . Seit Ernst Willkomm 1849 seine Reisebeschreibungen über die wohl beliebteste deutsche Nordseeinsel verfasste, hat sich offensichtlich einiges geändert. Von der Kleidung der Inseleinwohner bis zur großen Stille ist dort fast nichts mehr so, wie es noch im 19. Jahrhundert wohlwollend beschrieben wurde. Doch trotz zahlreicher Wandlungen hat Sylt bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt.
In dem von Winfried Hörning herausgegebenen Werk „Sylt – Literarische Reisewege“ halten berühmte Autoren von Theodor Fontane bis zu Thomas Mann und Max Frisch ihre Eindrücke von Sylt fest – und lassen ihrer Fantasie dabei freien Lauf. Mit ihren Novellen und Kurzgeschichten knüpfen sie dabei fabelhaft an die überlieferten Sylter Sagen an, in denen Hexen und Geister ihr Unwesen treiben und die Inseleinwohner damit in Angst und Schrecken versetzen. Nur gut, dass die Sylter im Allgemeinen als starke Nordfriesen bekannt sind und sich demnach zur Wehr setzen können!
Natürlich darf in einem literarischen Reisebegleiter über Sylt auch die Geschichte nicht fehlen, wie die Insel ihren Namen bekam. Eine der schönsten Erklärungen ist sicherlich die, dass die Insel die Form einer Fußsohle besitzt. Und zwar die des rechten Fußes eines Riesen. Wegen dieser Ähnlichkeit hat die Insel den friesischen Namen „Sööd“ erhalten, was auf Hochdeutsch „Sohle“ heißt. Von „Sööd“ zu „Sylt“ ist es nicht mehr weit – nur, dass viele sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden geben und andere sprachwissenschaftliche Ergebnisse zu Rate ziehen, die selbstverständlich längst nicht so phantasievoll sind. Doch ob Sylt nun seinen Ursprung in Riesenfußabdrücken oder in „Silt“, „Söld“ oder „Sööl“ hat, ist am Ende einerlei. Fest steht, dass diese Nordseeinsel schon seit Hunderten von Jahren eine der beliebtesten deutschen Inseln ist und Generationen von Literaten zu wundervollen Novellen inspiriert hat.
Von nüchternen Reisebeschreibungen bis zu fabelhaften Geschichten aus der Sylter Vergangenheit, untermalt von zahlreichen schönen Farbfotos, stellt das Buch „Sylt – Literarische Reisewege“ einen ganz besonderen Reisebegleiter dar: Statt von außen die Touristenorte zu beschreiben, lässt er von innen die Geschichte dieser ganz besonderen Insel wieder aufleben – und macht damit garantiert jeden Syltaufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis!
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Winfried Hörning (Hrsg.) |
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