Sylt in der Malerei

Mit Künstlern des 19. Jahrhunderts die Insel entdecken

Sylt in der Malerei(tik). Sylt war lange Zeit Ausland, egal, ob für die Politik oder die Malerei. Während Rügen, der übermächtige Konkurrent in der Ostsee, schon um 1900 beliebtes Motiv der von Caspar David Friedrich geprägten norddeutschen Romantik wurde, musste die bis dahin nahezu unbekannte Nordseeinsel noch etwa 50 Jahre auf ihre Entdeckung durch die deutsche Öffentlichkeit warten. Erst die Erhebung der schleswig-holsteinischen Herzogtümer gegen den dänischen Staat von 1848 machten die vermeintlich „nebelverdüsterten Sanddünen der Nordsee“ für das restliche Reich interessant. Man hatte ein Auge auf die geografischen Eigenheiten und die Mentalität der dort lebenden Menschen.

Und allmählich fanden auch Künstler Geschmack an dem flachen Land mit seinen rauen Küsten. „Am interessantesten war“, wie Wilhelm von Kügelgen, einer der ersten Maler, der die Insel zu Gesicht bekam, bemerkte, „das wüste Sylt mit seinem herrlichen Leuchtturm und den großartigen, fürchterlichen Dünen, welche den prachtvollsten Blick auf die majestätische Nordsee gewähren, die hier mit einer Wut anbrandet wie vielleicht nirgends sonst.“ Die entscheidenden Impulse zur künstlerischen Erschließung gingen etwas später von Kunstakademien in Düsseldorf und Berlin aus. Wohlhabende Kurgäste kamen zur Sommerfrische, und mit der verbesserten Verkehrsanbindung konnten auch Kunststudenten ihre Suche nach geeigneten Motiven bis in den hohen Norden ausdehnen.

In dem umfangreichen Bildband „Sylt in der Malerei“ hat Ulrich Schulte-Wülwer nun Gemälde zusammengestellt, die – bei diesen Gründertagen beginnend – einen anschaulichen Überblick zur von und auf Sylt inspirierten Malerei geben. Bei den Motiven handelt es sich zumeist um großflächige Landschaften, die die Eigenarten von Land und Küste einfangen und die Bewohner in romantischer Stimmung abbilden.

In einem ausführlichen Kapitel gibt der Autor vorweg eine informative Zusammenfassung der künstlerischen Entwicklung zwischen Wattenmeer und Reethäusern. Er zeigt an Beispielen die Werke der noch in der Romantik anzusiedelnden Maler und folgt dem Gang der Geschichte hin zu Künstlern wie Karl Arnold und Herbert Marxen, die sich in Karikaturen über die vornehme Gesellschaft an den Badestränden lustig machten. Auch Fotografen, die im 20. Jahrhundert begannen, das Leben auf Sylt abzulichten, finden Eingang in den ausführlichen Text. Schwerpunkt sind aber die großflächigen Abbildungen von Leinwandmalereien, die jeweils von umfangreichen Texten zur Entstehung des Werkes und der Lebensgeschichte des Malers begleitet werden.

„Sylt in der Malerei“ nimmt sich Zeit für seine Künstler. Von vielen finden sich zwei oder mehr Werke abgedruckt, denen im Zweifelsfall lieber zuviel statt zuwenig Platz zugestanden wird. Gemeinsam mit den Detail verliebten Textbausteinen ermöglicht der wunderschöne Bildband einen – im wahrsten Sinne des Wortes – malerischen Einblick in das Treiben der Künstler auf der Insel Sylt im 19. Jahrhundert!

Sylt in der Malerei

Ulrich Schulte-Wülwer
Sylt in der Malerei
Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens, Heide
ISBN 3-8042-0789-8
220 Seiten, mit 108 farbigen Abbildungen, Leinen gebunden mit Schutzumschlag, Großformat.
Unverbindliche Preisangabe: € 24,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 42.-

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