Schlimmes Ende
Ein unglaublicher Roman voller törichter Abenteuer
(emk).
„Schlimmes Ende“ nimmt gar kein schlimmes Ende. „Schlimmes
Ende“ heißt nur das Haus, in das Eddie oder Jonathan oder Simon
(seine Mutter kann sich manchmal nicht so genau an seinen Namen erinnern) mit
der Kutsche fahren soll, weil seine Eltern von einer ansteckende Krankheit,
die sie gelb und wellig an den Rändern werden lässt, befallen sind.
In der Kutsche trifft er auf die Wahnsinnige Tante Maud: „„
Du musst Malcolm sein“, sagte die alte Frau mit einer Stimme wie eine
Käsereibe. „Nein, gnä’Frau, ich heiße Edmund“
sagte Eddie. „Ich habe mit dem Wiesel gesprochen!“ raspelte die
Frau... „Also“, fragte sie und starrte das Tier an. Das Wiesel
sagte nichts. Es machte keinerlei Mucks. Die Frau ergriff es am Schwanz und
hielt es empor (was in der Damals-Sprache so viel heißt wie „in
die Luft“). Es war steif wie ein Brett. „Bist du Malcolm?“,
wollte sie wissen. Etwa zu diesem Zeitpunkt wurde Eddie Dickens klar, dass die
Frau komplett verrückt sein musste und das Tier komplett ausgestopft.“
Die Kutsche kann nicht starten, weil der ebenfalls Wahnsinnige Onkel Jack das Pferd auf dem Klo vergessen hat. ... Und so geht es weiter. Atemlos verfolgt man Eddies Reise, auf der er auch noch eine Bande streunender Theaterleute und der Frau Direktor des Sankt-Fürchterlich- Heims für dankbare Waisen mit dem Namen Grausam-Unsäglich begegnet, bis seine Eltern gar nicht mehr gelb im Gesicht und an den Rändern wellig sind. Aber mehr soll hier nicht verraten werden.
Philip Ardaghs Kinderbuch „Schlimmes Ende“ strotzt nur so von Komik, schwarzem Humor, Nonsens, grotesken Situationen und Ideen aus einer „komplett verrückten“ Welt. Dazu gibt es herrlich komische karikaturähnliche Schwarzweiß-Zeichnungen von David Roberts. Zwischen all den wahnsinnigen Ereignissen unterbricht der Autor immer wieder, um sich in direkter Ansprache an die Kinder zu wenden: „Merkt Euch diesen Namen“, ... ihr werdet ihm wieder begegnen, und das wahrscheinlich zwischen den Deckeln dieses Buches“. Oder er erklärt ihnen, was ein Zoll ist. Oder er wundert sich nicht, „wenn die Vernünftigen unter Euch sich fragen werden...“
Wir fragen uns gar nichts mehr, sondern stimmen voll und ganz der Übersetzung von Harry Rowohlt zu. Sie ist urkomisch und wird dem „Schlimmen Ende“ gerecht. „Eher schlecht“, „oder so“, „egal“ sind lauter Wörter der Gegenwartssprache, die dem heutigen Leser ab zehn Jahren vertraut sind, obgleich die Handlung in einem nicht näher definierten (außer dem Hinweis, dass Briefmarken eine ziemlich neue Erfindung waren) „damals“ spielt. Wir schließen mit dem Hinweis, dass Philip Ardaghs „Schlimmes Ende“ dazu angetan ist, es in einem Rutsch sofort zu lesen, um dann sofort noch mal von vorne anzufangen.
Wer „Schlimmes Ende“ nun auch noch hören möchte, dem sei das kongeniale Hörbuch, gelesen von Harry Rowohlt, wärmstens empfohlen. Und wer von dem Wahnsinn immer noch nicht genug hat, dem seien die Fortsetzungen der Eddie-Dickens-Trilogie ans Herz gelegt: Band zwei „Furcht erregende Darbietungen“, Band drei „Schlechte Nachrichten“ und Band vier oder auch als „Buch Eins der Weiteren Abenteuer von Eddie Dickens“ bezeichnet „Unliebsame Überraschungen“.
„Schlimmes Ende“ hat das Zeug zum Kinderbuch-Klassiker den „Jahres-Luchs 2002“, die Auszeichnung für das beste Kinderbuch, und den „Deutschen Jugendliteraturpreis 2003“ hat es schon erhalten!
Autorenportrait:
Philip Ardagh hat auch mehr als 50 Bücher für Kinder jeden Alters geschrieben. Er arbeitete unter anderem als Werbetexter, als Reinigungskraft in einer Klinik, als (höchst untauglicher) Bibliothekar und als Vorleser für Blinde. Derzeit ist er Vollzeit-Schriftsteller. Seine Bücher, die er unter verschiedenen Namen veröffentlicht, wurden bislang in neun Sprachen übersetzt. Er lebt mit seiner Frau und zwei Katzen in einem kleinen Küstenort in England.
Illustratorenportrait:
David Roberts, geboren in Liverpool, studierte Modedesign, bevor er nach Hongkong zog, wo er als Modezeichner arbeitete. Er hat acht Bücher illustriert und einen Preis für Kinderbuchillustration erhalten. Heute lebt er in London, zeichnet und macht gelegentlich Hüte.
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