Roverandom
Ein Hund auf Abenteuer
(akg).
Wäre Mischlingshund „Roverandom“ nicht so vertieft in seinen
gelben Ball gewesen, hätte er sicherlich die grüne Feder am Hut des
Fremden bemerkt. Er hätte auch nicht dessen Hose zerbissen und freche Antworten
gegeben. Doch zu seinem Pech bemerkt „Roverandom“ die Feder nicht.
Urplötzlich wird er deshalb aus seinem normalen Hundeleben herausgerissen
und in ein Spielzeug verwandelt. Um den Fluch rückgängig zu machen,
taucht er in zahlreiche Phantasiewelten ein, erlebt ein Abenteuer nach dem anderen
und macht obendrein sogar noch die Bekanntschaft mit dem Mann im Mond!
Schon in diesem frühen Werk gelingt es Fantasy-Autor J. R. R. Tolkien meisterhaft, Elemente aus Sagen, Mythen und biographischem Material zu verknüpfen. Die Geschichte über den frechen Hund „Roverandom“ erfand er 1927 zum Trost für seinen Sohn Michael, der seinen Spielzeughund am Strand verloren hatte. Doch ist es neben der phantastischen Handlung und den magischen Orten nicht zuletzt J. R. R. Tolkiens unverwechselbarer Humor, der die Abenteuer von „Roverandom“ zu einem Hörspaß für Groß und Klein macht. So sind die Charaktere alle herrlich unvollkommen, zanken miteinander, haben oft schlechte Laune – und sind gerade dadurch besonders liebenswert.
Da ist etwa der kleine Junge, dem sein Spielzeughund am Strand abhanden kommt. Wie J. R. R. Tolkiens Sohn ist er untröstlich über diesen Verlust und findet ihn trotz großer Suchaktion nicht wieder. Dafür hat aber der am Strand heimische Magier sofort Notiz von „Roverandom“ genommen. Zwar kann er ihm nicht seine ursprüngliche Größe wiedergeben, dafür aber seine Lebendigkeit. Um den bösen Zauberer mit der grünen Feder nicht zu verärgern, schickt er den kleinen Hund erst einmal zum Mond – und hier zeigt sich eine der großen literarischen Fähigkeiten des weltberühmten Fantasy-Autoren: die Landschaftsbeschreibungen. Poetisch klingt es, wenn „Roverandom“ auf seinem Flug zum Mond „... tief unten die weiße Gischt im Mondlicht erkennt, wo Wasserfälle über den Rand der Welt fielen und geradewegs in den Raum stürzten. (...) Als er sie (seine Augen, Anm. d. Red.) wieder öffnet, erstreckte sich unter ihnen der Mond, eine neue weiße Welt, schimmernd wie Schnee, mit weiten, freien Flächen von mattblau und grün, wo die hohen, spitzen Berge ihre langen Schatten auf den Boden warfen.“ Dies ist eine der wunderschönen Passagen, bei der die fesselnde Erzählstimme Ulrich Noethens dem Hörer wohlige Schauer über den Rücken fahren lässt.
Für Tolkien-Fans ist das Hörbuch „Roverandom“ ein ganz besonderer Leckerbissen, das sie durch phantasievolle Handlung und ein Feuerwerk an Wortspielen augenblicklich in seinen Bann zieht!
Autorenportrait:
John Ronald Reuel Tolkien wird am 3. Januar 1892 in Bloemfontein in Südafrika
geboren. Seit dem Tod des Vaters übersiedelt er 1894 mit seiner Mutter
und seinem Bruder nach England, wo er in Birmingham in bescheidenen Verhältnissen
aufwächst. Früh schon zeigt sich die Begabung, die später zu
seinem Weltruhm führen sollte: Seine Liebe zu Sprachen, seine Fähigkeit,
sich mit Begeisterung einem Thema lange Zeit, wenn nicht lebenslang, zu beschäftigen.
Er erhält ein Stipendium für das Exeter College in Oxford, wo er
Englische Sprache und Literatur studiert und 1913 seinen Abschluss mit Auszeichnung
besteht. In dieser Zeit lernt er Edith Bratt kennen, die er 1916 heiratet und
mit der er vier Kinder hat. Nach kurzem Kriegsdienst geht er als Lektor und
später als Professor für Englische Sprache nach Leeds. In den Jahren
zwischen 1925 und 1959 arbeitet er als Professor für Angelsächsisch
in Oxford. Die Schriftstellerei betreibt er stets nur als Nebenbeschäftigung.
1954/55 erscheint die Trilogie „Der Herr der Ringe“, ein über
1.000 Seiten umfassendes Romanwerk, dessen Erfolg bis heute ungebrochen ist.
1972 wird er von der Queen persönlich mit dem „Kommandeurs-Orden
des britischen Empire“ ausgezeichnet und im gleichen Jahr zum Ehrendoktor
der Universität Oxford ernannt. Am 2. September 1973 stirbt J. R. R. Tolkien
nach kurzer Krankheit in einem Krankenhaus in Bournemouth, England.
Erzählerportrait:
Ulrich Noethen wurde 1959 in München geboren. Er machte seine Ausbildung
an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart und begann
seine Theaterkarriere 1985 in Freiburg. Nach zwei Jahren im dortigen Ensemble
arbeitete er unter anderem auch am Schauspiel Köln der Staatlichen Schauspielbühne
Berlin und dem Staatstheater Stuttgart. Anfang der 90er Jahre wechselte er
zu Film und Fernsehen. Der große Durchbruch gelang ihm 1997 als Harry
Frommermann in Joseph Vilsmaiers „Comedian Harmonists“. Von da
ab war der vielseitige Schauspieler in bekannten und erfolgreichen Kinofilmen
vor der Kamera.
Er wurde für seine Arbeit mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, unter
anderem mit dem „Goldenen Löwen“, dem „Bayerischen Filmpreis“ und
dem „Bundesfilmpreis“.
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