Requiem für ein Kind
Trauer und Trost berühmter Eltern
(emk).
„Wo es um unsere Kinder geht, sollte man vollständig von seinem
eigenen Glück absehen. Sie wurden nicht für unser eigenes Glück
geboren. Unser ganzes Glück besteht in ihrem Wohlergehen und in der Erfüllung
ihres Lebens.“, schrieb Tagore. – Aber was ist, wenn die Kinder
sterben, noch bevor sie ihr Leben erfüllt haben?
Wie berühmte Eltern mit diesem Verlust umgingen, wie sie ihre Trauer kompensierten, kann man in „Requiem für ein Kind“ von Joseph Groben nachlesen: Michael Haydn komponierte sein berühmtes Requiem, Else Lasker-Schüler schrieb in einem Gedicht 12 Jahre nach dem Tod ihres Sohnes „An mein Kind. / Immer wirst du mir / im scheidenden Jahr sterben, mein Kind / (...)“, Karl Marx sagte, „Erst jetzt weiß ich, was ein wirkliches Unglück ist.“, und Friedrich Rückert dichtete die „Kindertotenlieder“, die Gustav Mahler später – ebenfalls aus dem Anlass des Todes seines Kindes – vertonte.
Autor Joseph Groben erzählt sehr genau die Biografie des jeweils berühmteren Elternteils, darunter Käthe Kollwitz, Hugo von Hofmannsthal, Thomas Mann, Charles Dickes, Anton Dvorák, und Robert Schumann. Über das Kind, das gestorben ist, erfahren wir allerdings wenig, mit Ausnahme von Manon Gropius, der Tochter von Walter Gropius und Alma Mahler. Eingearbeitet in den Text sind Zitate aus Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Gedichten der Eltern sowie viele schwarzweiße Fotos.
Der Verfasser schreibt sachlich und betrachtet – wie er selber sagt – die tragischen Ereignisse um den Tod eines Kindes nüchtern. So macht er selbst in „Requiem für ein Kind“ keine Aussage über das Leid der Eltern, sondern ihre Trauer und ihr Trost ist aus den wiedergegebenen Literaturbeispielen oder referierten Musikstücken zu entnehmen. Über Gefühle zu schreiben gelingt Joseph Groben am besten, wenn er von Musikern berichtet, die ihre Trauer mit der Komposition eines Requiems oder eines Stabat mater verarbeiteten. Bei der Interpretation literarischer Werke kommt der Verfasser eher etwas behäbig und belehrend daher.
Die Kapitel sind chronologisch nach Lebensdaten geordnet, beginnend mit Cicero, endend mit Mascha Kaléko. Joseph Groben hat in seine Auswahl von 38 Lebensbildern vorwiegend Dichter und Komponisten, aber auch Staatsmänner und Wissenschaftler aufgenommen. Jedes Kapitel wird durch ein oder mehrere Portraits ergänzt, am Ende befindet sich eine kurze Quellenangabe.
Das Buch ist äußerlich aufwendig gestaltet mit Zwischentiteln und einem schönen Schutzumschlag. Im Anhang befindet sich ein Abbildungsverzeichnis, ein Personenregister – das leider nicht immer die richtigen Seiten nachweist – und eine ausführliche Danksagung.
„Requiem für ein Kind“ ist eine ungewöhnliche Sammlung von Biografien unter einem besonderen Aspekt, die neue Einblicke in das Leben berühmter Mütter und Väter gibt!
Autorenportrait:
Joseph Groben wurde 1935 in Luxemburg geboren. Nach dem Studium der Germanistik,
Romanistik und Slawistik war er zunächst Oberstudienrat, später Professor
an der Universität in Luxemburg. Seit 1974 ist er Hauptverantwortlicher
eines von ihm gegründeten Kammerorchesters in Luxemburg.
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