Paul Flora – Zeichnungen 1938-2001

Umfangreiche Werkschau mit über 200 Bildern aus sechs Jahrzehnten

Paul Flora(jaf). Er sei ein „Zeichen-, Wort- und Lebenskünstler“ mit „Monumentcharakter“, der es schaffte, seiner Zunft „Jahrhundertlösungen im zeichnerischen Feld“ vorzumachen – die ehrenden Worte, die Magdalena Hörmann in ihrer Rede zum 80. Geburtstag des großes Zeichners Paul Flora hervorbringt, könnten nicht reicher an Lob sein. Ein eigenes Bild über die „florale Meisterschaft“ können sich Betrachter nun mit dem Kunst-Bildband „Paul Flora – Zeichnungen 1938-2001“ machen, der auch anlässlich zur Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien erschienen ist.

Bekannt wurde Paul Flora in den 60er Jahren als Karikaturist der Wochenzeitung „Die Zeit“; darüber hinaus verfasste er zahlreiche Bücher, war Bühnenbildner am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und wurde sogar mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Sein Witz und geistiger Reichtum sind es, die den Kern seines vielfältigen, unkonventionellen und unnachahmlichen Werks ausmachen, vom dem ein repräsentativer Querschnitt in dem opulenten Bildband zusammen gestellt ist. Erste Zeichnungen aus den 1930er Jahren, die sehr an das Vorbild Paul Klee erinnern, sind hierin ebenso zu sehen wie Karikaturen aus den „Zeit“-Jahren 1957-71, künstlerische Farbfederzeichnungen oder skizzenhafte Spitzen.

Spöttelnd ist er, sarkastisch, jedoch ohne verbittert zu sein. „Wir haben es bei ihm also mit dem Sonderfall eines weltzugewandten Skeptikers, eines überwiegend menschenfreundlichen Pessimisten zu tun, der sich keine Illusionen um die edle Natur des Menschen macht, aber auch nicht aus Enttäuschung über den Verlust dieser Illusion zum Weltverächter wurde“, sagt Karl-Markus Gauß, der im Bildband ebenfalls zu Worte kommt, über Paul Flora.

Seine Zeichnungen mitsamt spitzer Bildunterschriften künden davon, augenzwinkernd, mitunter grotesk, mit ganz eigenem Reiz: Paul Flora schwenkt Stahlfeder und Bleistift in der typischen Schraffurund lässt einen pygmäischen Richard Wagner verstohlen am Dekollete einer überdimensionalen Walküre nesteln; surrealistisch mutet das eherne „Hotel des Alpes“ auf einem simsartigen Vorsprung inmitten eines modernen Wolkenkratzers an. Paul Flora zeigt „Priester im Mondenschein“, „Revolutionäre“, „Attentäter“, „Pioniere“, Dichter, Scharfrichter oder Staatsanwälte, kommentiert die „Abschaffung der Guillotine“ oder „Die hierarchische Ordnung des Heeres“.

Millionen von Buchstaben wuseln in den literarischen oder lyrischen Landschaften mit oder ohne Muse oder „vergrämten Dichter am Arme der Melancholie“. Die Faszination für diese Art von locus amoenus wird dabei höchstens noch von Floras so geschätztem Motiv Venedig überboten. Dort lässt er in dezenter Farbigkeit österreichische Garden auf dem Markusplatz paradieren, „verlarvte winterliche Figuren“ flanieren mysteriös, ein österreichischer Polizeispitzel belauscht die Unterhaltung einiger Carbonari auf der Piazza, geheimnisvolle Karnevalsfiguren marschieren auf, während das „Haus der Pestdoktoren“ im düsteren Grau dahinwabert. Edgar Allen Poe hat im Oeuvre des Paul Flora seinen Platz wie Napoleon Bonaparte, Claude Monet oder Jack the Ripper. Deutlich am Spanier Dalí und dessen Don Quichotterien sind Floras Schlachtenbilder wie „Zu Mantua in Banden“, die „Musikanten“ oder jene „verwurzelte Tirolerin mit Ziege“ orientiert.

Bei all seinen Zeichnungen arbeitet Paul Flora stets nach der Maxime: „Bilder sollten nicht nur schön sein. Schönheit allein führt zu Langeweile in der Kunst (und bei Damen). Eine Zutat des Grotesken, Regelwidrigen, Bizarren. (…) Ich denke, jede Form der Kunst ist erlaubt, außer einer langweiligen“. Seine Kunst funktioniert genau nach diesem Grundsatz. Der Bildband „Paul Flora – Zeichnungen 1938-2001“ legt mit über 200 Abbildungen darüber Zeugnis ab, mit ihm schlendert man auf einfallsreichen Pfaden durch Epochen, streift Ereignisse und große Köpfe. Kurzweilig, mit viel Charme und Esprit zeigt Paul Flora hierin scharfsinnig und schwarzhumorig seine phänomenale Eignung als bissiger Beobachter von Geschichte und Gesellschaft. Wer die Welt durch Paul Floras Augen sieht, sieht sie besser – vielleicht nicht positiver, aber schärfer allemal.

Illustratorenportrait:
Paul Flora wurde 1922 in Glurns, Vinschgau, Südtirol geboren. Zwischen 1944 und 1945 leistete er seinen Kriegsdienst in Italien, Ungarn und der Slowakei ab. Noch im selben Jahr fand seine erste Ausstellung im schweizerischen Bern statt. 1947 veröffentlichte er sein erstes Buch. Nach diversen Buchveröffentlichungen und internationalen Ausstellungen war Paul Flora von 1957-71 als Karikaturist der Wochenzeitung „Die Zeit“ tätig. Es folgten weitere Ausstellungen, Buchveröffentlichungen und Filme für den „ORF“. Er wurde zahlreich ausgezeichnet, darunter mit dem „Großen Verdienstkreuz“ der Bundesrepublik Deutschland, dem „Ehrenzeichen des Landes Tirol“ und dem „e.o. plauen-Preis“.

Paul Flora

Paul Flora
Paul Flora
Zeichnungen 1938-2001
Diogenes Verlag, Zürich
ISBN 978-3-257-02075-5
240 Seiten, mit über 200 s/w-Zeichnungen, Leinen gebunden mit Schutzumschlag, Format 25 x 28 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 24,90 (D) / € 25,60 (A) / sFr 42,90

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