Napoleon

Roman zum TV-Vierteiler mit zahlreichen Fotos

Napoleon(tmj). Ein Film und seine literarische Vorlage harmonieren selten: Entweder ist ein Buch von sehr großer literarischer Qualität, dann gilt es als unverfilmbar und der Autor und viele Literaturliebhaber sind ob des Ergebnisses entsetzt. Ein schwaches Buch wiederum kann durch einen guten Produzenten so stark aufgewertet werden, dass der Film irgendwann Kraft seiner Bilder für sich alleine steht und kein Mensch mehr von der Literaturvorlage spricht.

Das vorliegende Buch „Napoleon“ hat den Vorteil, dass es ein riesiges historisches Thema möglichst realistisch erzählen möchte. Das gelingt dem Autor durchaus: Wo sich andere Autoren auf Teilaspekte von Napoleons Leben konzentrierten, wollte Max Gallo „diesen in tausend Teile zersprungenen Mann wieder zusammenfügen, … verstehen, wie man gleichzeitig den Code civil diktieren, eine Nacht mit einer Schauspielerin verbringen und den Plan für die Schlacht von Austerlitz entwerfen kann.“ Mit dieser unerschrockenen Begeisterung macht sich der Historiker Max Gallo ans Werk und vertieft sich in unzählige Texte, Briefe und Dokumente.

Heraus kam ein durch Fülle und Detailkenntnis beeindruckendes Werk: Wenn etwa am 19. Mai 1804 um 7 Uhr, es ist der Morgen nach der Ernennung Napoleons zum Kaiser, in Saint-Cloud schönes Wetter war, dann kann man getrost davon ausgehen, dass es der historischen Realität entspricht. Und wenn im Roman angesichts des Widerstandes der Deutschen 1813 in Berlin der Philosoph Fichte seine Vorlesungen abbricht und ausruft: „Die Kurse werden entweder in unserem freien Vaterland wiederaufgenommen oder wir werden sterben, um unsere Freiheit wiederzuerlangen“, dann kann dies wohl auch als ein authentisches Zitat genommen werden. Max Gallo versprach, dass er seinem Helden auf Schritt und Tritt verfolgen wollte. Dieses Versprechen löst er ein, vom Anfang bis zum bitteren Ende, und so steht man zunächst auch beeindruckt vor der monumentalen Größe dieser Arbeit.

Wenn der Regisseur Yves Simoneau vollmundig ankündigte, der Film „Napoleon“ werde so gut, dass sich in den nächsten 20 Jahren niemand mehr an dieses Thema heranwagen wird, setzte auch er auf die Wirkung des Gigantischen: Beide Werke, das Buch und der Film, werden ihre Ziele in diesem Sinne in gemeinsamer Allianz auch erreichen.

Es sei hier aber nicht verschwiegen, dass die literarische Qualität des Romans leider dürftig ist und der Funke beim Lesen deswegen oft auch nicht überspringt. Ob es nun an der Übersetzung aus dem Französischen von Manfred Flügge liegen mag, oder an einem zu nachsichtigen Lektorat, Passagen wie folgende finden sich immer wieder: „Er ruft Doktor Yvan zu sich, den Arzt der Garde, der seit vielen Jahren in seinen Diensten steht. Er durchbohrt ihn mit seinen Blicken. Er wünsche, sagt er, indem er Yvan den Rücken zukehrt, eine Ampulle mit einem starken Gift. Er wolle sie bei sich tragen. Er dürfe nicht riskieren, in Gefangenschaft zu geraten. Er schaut Yvan streng an, der nur noch stammelt. Er sagt noch einmal, es handele sich um einen Befehl, der umgehend auszuführen sei.“

Befremdlich bleibt letztlich auch die unverhohlene Begeisterung des Autors an der Lebensleistung seines Helden. Vielleicht muss man Franzose sein, um die zweifellos unglaubliche Energieleistung eines Mannes wie Napoleon zu bewundern und diese aber losgelöst von seinen Tätigkeitsfeldern, der bedingungslosen politischen Macht und des menschenverachtenden Krieges zu sehen.

Das Buch „Napoleon“ ist ein opulentes Werk, das auch mit seinen vierzig Farbfotos aus dem Film auf diesen vorbereitet oder zum späteren Nachlesen und –forschen einlädt.

Autorenportrait:
Max Gallo, geboren 1932, ist von Haus aus Historiker. Er war Verlagslektor, Redaktionsmitglied der Zeitung „l´Express“, Abgeordneter, Staatssekretär und Gründer der Bürgerbewegung „Le mouvement des citoyens“. Er schrieb zahlreiche Romane mit historischem Hintergrund sowie Essays und Biographien.

Napoleon

Max Gallo
Napoleon
Aufbau Verlag, Berlin
ISBN 3-7466-1888-6
2 Bände mit 1.236 Seiten und 40 Farbfotos, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 9,95 (D) / € k. A. (A) / sFr k. A.

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