Mord im Vatikan
Ermittlungen gegen die katholische Kirche
(jf). Eigentlich ist es der Stoff, aus dem düstere Verschwörungs-Romane sind: Finstere Intrigen, dubiose Machenschaften um Geld und Macht, und am Ende schließlich ein geheimnisvoller Dreifachmord – mit ihrem jüngsten Werk „Mord im Vatikan – Ermittlungen gegen die katholische Kirche“ begibt sich Autorin Valeska von Roques auf das weitläufige Terrain zwischen Kirche und Kriminalität.
Worum geht es? Eines Nachts werden in der Wohnung des Kommandanten der Schweizer Garde, Alois Estermann, drei Tote gefunden: Estermann selbst, seine Frau und der junge Schweizergardist Cédric Tornay. Als Mörder kommt, so heißt es in einer nur drei Stunden der Entdeckung der Toten verlesenen Erklärung des Heiligen Stuhls, eigentlich nur einer in Frage: Tornay. Nachdem ihm eine Medaille verweigert worden ist, habe er in einem „Anfall von Wahnsinn“ seinen Vorgesetzten samt Frau umgebracht.
Doch etwas stimmt nicht: Ermittlungen der italienischen Polizei werden verhindert, der aufgefundene Abschiedsbrief ist augenscheinlich gefälscht, es gibt eine Reihe von Widersprüchen – unterschiedliche Zeugenaussagen über Kleidung des toten Cédric Tornay und die Anzahl der Gläser auf dem Tisch, dazu fehlte gänzlich die Blutlache um den jungen Schweizergardisten, obwohl sich dieser mit einem Schuss in den Schädel gerichtet haben soll. Der Vatikan mauert ob des Vorfalls – es riecht nach Lügen und Vertuschung. Und alles ist anders als es auf den offiziellen ersten Blick hin scheint... .
Das besondere an dieser Geschichte, die eigentlich so sehr nach haarsträubendem Kintopp riecht: Alles ist echt! „Mord im Vatikan“ ist ein aufregendes Rechercheprotokoll, in dem Autorin und Vatikan-Insiderin Valeska von Roques akribisch Schritt für Schritt die wahre Geschichte eines dreifachen Mordes aufzurollen beginnt. Sie erforscht die Lebensumstände des gerade einmal 23 Jahre alten angeblichen Mörders Cédric Tornays, spricht mit seiner Verlobten, seiner Mutter, spürt Freunde und Kollegen auf. Sie begibt sich auf Spurensuche im Umfeld der Estermanns und konfrontiert den Leser mit einem wildwüchsigen Abgrund aus Ungereimtheiten und Vertuschungen.
Eines ist am Ende klar: So, wie es der Vatikan schildert, kann sich der Vorfall nicht ereignet haben! Dass die kirchlichen Machthaber trotz aller guten Argumente alle weiteren Ermittlungen behindern, den Anwälten (darunter der Franzose Vergès, der den SS-Mann Klaus Barbie und Slobodan Milosevic zu seinen Mandanten zählte) von Tornays Mutter weder Unterlagen über die erste Obduktion noch Rechte, im Vatikan weiter tätig zu sein, verweigert, erhärtet die üblen Verdächtigungen nur noch.
Die Authentizität, die den unbedingten Reiz des Buches „Mord im Vatikan“ ausmacht, birgt allerdings bei Valeska von Roques auch die Gefahr, zu einer Generalabrechnung mit Verfehlungen der Kurie zu geraten, die bei den ersten antisemitischen Gesetzen Kaiser Theodosius’ des Zweiten im vierten Nachchristlichen Jahrhundert beginnt, natürlich die Inquisition streift, vor der Rückratlosigkeit im Nationalsozialismus nicht halt macht und bei der Nichtunterzeichnung des Europäischen Menschenrechtskonvention durch den Vatikanstaat endet. Gespickt mit allerlei Informationen über Machenschaften des undurchsichtigen Geheimbundes „Opus Die“, bösartigen Intrigen innerhalb der Schweizergarde und allerlei finanzkriminellen Aktivitäten der Vatikanbank, gerät „Mord im Vatikan“ stellenweise zum Kompendium für all jene Hobby-Verschwörungstheoretiker, die schon immer gewusst zu haben meinen, dass es hinter den hohen Kirchenmauern eben nicht mit rechten Dingen zugehen kann.
Mit Sicherheit ist das Buch „Mord im Vatikan“ also ein überaus kritisches Werk und damit nichts für treue Autoritätenanhänger. Doch trotz allem ist es überaus informativ – es gibt beispielsweise solide Ausführungen zur Geschichte der Schweizer Garde – , sachkundig, hochgradig kompetent und glaubwürdig geschrieben – die spannendsten Geschichten muss man sich also gar nicht erst ausdenken, das Leben selber führt Regie.
„Mord im Vatikan“ – Reality Crime at ist best!
Autorenportrait:
Valeska von Roques studierte evangelische Theologie und Geschichte. 23 Jahre arbeitete sie für den „Spiegel“, hauptsächlich als Korrespondentin in New York, Washington und Rom. Zahlreiche Veröffentlichungen und Bücher. Sie lebt in Hamburg.
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Valeska von Roques |
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