Maria, ihm schmeckt’s nicht!
Geschichten von meiner italienischen Sippe
(bhs).
Bella Italia, so möchte man glauben, sei nur Strand und Lebensart, Urlaub
und Pasta. Irrtum. Bella Italia wie es leibt und lebt findet sich in „Maria,
im schmeckt’s nicht“ von Jan Weiler in einer solch grandiosen Art
wieder, dass man dieses Buch in die Hand nimmt und schon beim Vorwort zu lachen
beginnt. Nebenbei gesagt: Man hört damit auch nicht mehr auf!
Der Autor, in der Ich-Form erzählend, heiratet in eine italienische Familie ein. Nicht nur, dass sich das Leben durch eine Hochzeit ohnehin grundlegend ändert – mit einer italienischen Verwandtschaft ist dies noch zu steigern: „Es gibt einen riesenhaften Stammbaum, der sich in der Mitte in zwei etwas gleich starke Äste teilt,“ warnt Jan Weiler vor. „Man hat sich vor vielen Jahren endgültig zerstritten, aus Gründen, die keiner mehr so richtig kennt. Seitdem heißt es vom einen Zweig, er sei blöd (...) Die meisten Männer in der einen Familienhälfte heißen Mario (blöd), die meisten Männer der anderen heißen Antonio (geizig).“ Sein Schwiegervater, Antonio, sei allerdings nicht geizig – dafür lebt die Großfamilie „am A... der Welt“ und die erste Begegnung, zwei Jahre nach der Hochzeit, gerät zum Abenteuer, zur angewandten Psychologie und Charakterforschung einhergehend mit solch bestechendem Witz, dass die Bauchmuskulatur noch Tage davon zehren kann.
Auch Ethnologen hätten ihre Freude an den pikant-witzigen Erzählungen Jan Weilers, dessen Berichte fern vom Klischee und zugleich mitten drin spielen: „Italienische Männer, auch wenn sie keine Operntenöre sind, wissen stets, wie man sich akustisch in Szene setzte. Übertragen auf Spielzeug zu Weihnachten heißt das: Ein Geschenk, das keine Geräusche macht, ist etwas für Taubstumme oder Deutsche...“
Humorig-lustige Einblicke in den Clan, italienische Eigenarten, fesselnd und der Wahrheit vermutlich erschreckend nahe, zeigt Jan Weiler in „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ auch gesellschaftliche und kulturelle Besonderheiten auf – aber auch kulinarische Spezialitäten, wie etwas die Umschreibung eines Liköres „der nach Klostein riecht.“ Locker, umgangssprachlich der Höhepunkt seines Schreibstils: Man hört den Akzent nicht nur, man liest ihn auch. „Bringi dir bei, iste viel einfache, als du denkste...“ Sozialkritische Kommentare, wie der Blick auf die Heimatlosigkeit der Emigranten, unterstützen das Reale, Wirklichkeitsnahe dieses ansonsten so amüsanten Buches, welches chaotisch-liebenswert ohne weiteres zur neuen Lieblingslektüre aufsteigen kann – und sollte!
Autorenportrait:
Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, arbeitete als Texter in der Werbung,
absolvierte dann die Deutsche Journalistenschule in München. Er ist heute
Chefredakteur des „Süddeutsche Zeitung Magazin“ und lebt mit
seiner Frau und seinen zwei Kindern in Ambach. Die Geschichten der italienischen
Sippe finden in „Antonio
im Wunderland“ ihre Forsetzung.
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