Live aus Bagdad

Das Tagebuch einer Kriegs-Reporterin

Live aus Bagdad(twi). Wie frei ist die Presse, wie objektiv ist sie, und kann sie es überhaupt sein – dies gilt es zu klären, wenn Pressemitarbeiter in einen Krieg mit einbezogen werden und von dort sogar berichten sollen. Der Krieg ist ein schmutziges Geschäft, er ist grausam und seine Ergebnisse sind die eines Katalysators, der Ereignisse so schnell beschleunigt, dass viele dabei zugrunde gehen. Warum Kriege auf der Welt ausbrechen, und wie man damit klar kommt, Millionen von Menschen in diese Maschinerie zu stecken, ist immer noch rätselhaft. Wenn man also von solchen Personen oder Orten berichtet, kommt man unweigerlich in den Dunstkreis solcher Personen, und wer kann es ermessen, wie stark ihr tatsächlicher Einfluss ist. Wenn allerdings die Presse instrumentalisiert wird, ist höchste Vorsicht geboten.

Antonia Rados schreibt in ihrem Kriegstagebuch „Live aus Bagdad“ von einem Ort, der einer Vorhölle sehr nahe kommt und sie tut es als Frau und Journalistin. Sie berichtet über die täglichen Verschlechterungen, über die Demütigungen und die Profitgier, über das, was offiziell gesagt wurde, und das, was tatsächlich vor sich ging. Sie schrieb es als Tagebuch, und damit ist es ein sehr persönlicher Bericht, denn wenn man mittendrin steckt, kann man nicht von oben herab drauf blicken und bewerten.

Der Mut dieser Frau, sich dorthin zu begeben, um zu berichten und um zu erzählen, was tatsächlich dort vor sich geht, ist bemerkenswert. Doch es sei gestattet zu bemerken, das jahrzehntelang genau diese Regierung hofiert und mit allen Insignien der Macht ausgestattet wurde, und dass es keinem in den Sinn kam, von der „Achse des Bösen“ zu sprechen und den Irak mit einzubeziehen. Die Schnelligkeit, mit der Freunde zu Feinden, Berater zu Spionen und Verbündete zu Gegnern werden, entsetzt. Es wird berichtet und gesendet, was die Welt sehen soll, selbst die Journalisten bekommen nur das, was sie bekommen sollen und alles andere wird verschwiegen. Wir alle sind nicht mehr kritikfähig in dieser Welt, die darauf bedacht ist, uns zu umgarnen und uns einzuspinnen.

„Live aus Bagdad – Das Tagebuch einer Kriegs-Reporterin“ von Antonia Rados ist interessant unter dem Aspekt einer sehr persönlichen Wertung der Geschehnisse, und es ermöglicht ein sehr detailliertes Bild rund um ihren Arbeitsplatz. Ihre Welt ist eine Welt voller Gefahren, in der sich Journalisten mit dem Mut eines Löwen im Angesicht des Todes tummeln, doch die Dompteure bleiben außerhalb jeglicher Reichweite.

Autorenportrait:
Antonia Rados, geboren in Klagenfurt, studierte in Paris und Salzburg. Sie ist promovierte Politologin und arbeitet seit 1978 als Kriegsberichterstatterin, seit 1993 als „RTL“-Korrespondentin und Studioleiterin in Paris. Sie berichtete bereits aus vielen Krisenregionen, etwa aus Südafrika, Somalia, Iran und Afghanistan. Für ihre Berichterstattung aus Bagdad, bei der sie trotz der extremen Bedingungen ihre journalistische Unabhängigkeit unter Beweis stellte, wurde sie 2003 mit dem „Hanns-Joachim-Friedrich-Preis“ ausgezeichnet.

Live aus Bagdad

Antonia Rados
Live aus Bagdad
Das Tagebuch einer Kriegs-Reporterin
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 3-453-87724-1
2. Auflage, 255 Seiten, mit 14 Farbfotos, Klappenbroschur.
Unverbindliche Preisangabe: € 12.- (D) / € 12,40 (A) / sFr 21,10

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