Licht und Schatten
ABBA – Die wahre Geschichte
(ts).
„Licht und Schatten“ heißt die ABBA-Biographie von Carl Magnus
Palm. Wie sehr beides zu ABBA gehörte, kann man jetzt auf über 600
Seiten nachlesen. Der Biograph und ABBA-Kenner Carl Magnus Palm legt seinen
Schwerpunkt auf die Vorgeschichten der ABBA-Mitglieder, ganze 250 Seiten der
ABBA-Biographie sind der Zeit vor ABBA gewidmet. So berichtet Carl Magnus Palm
nicht nur von den „Hootenanny Singers“ und den „Hep Stars“,
in denen die beiden ABBA-Mitglieder Björn und Benny aktiv waren, sondern
auch von Gruppen wie den „West Bay Singers“ oder „Bengt Sandlunds
Bigband“.
Nun mag manch einer aufstöhnen ob der Ausführlichkeit und Detailverliebtheit, mit der Carl Magnus Palm die Vorgeschichten der Bandmitglieder ausbreitet, übersetzt von Helmut Müller. Doch warum sollten all die Details für einen echten ABBA-Fan nicht interessant sein? Dem Autor gelingt es, in den einleitenden Kapiteln zudem, die unterschiedlichen Charaktere der vier ABBA-Mitglieder Björn, Benny, Agnetha und Anni-Frid aufzuzeigen. Da das Buch zu großen Teilen auf Interviews basiert, die Carl Magnus Palm mit den ABBA-Mitgliedern und vielen anderen gemacht hat, kommen Björn, Benny, Agnetha und Anni-Frid oft selbst zu Wort. Dabei überrascht es doch etwas, wie selbstkritisch die vier vieles an ihrer ABBA-Zeit im Rückblick sehen.
Der Durchbruch gelangt ABBA, als die Band 1974 den Grand Prix d’Eurovision gewann. Dennoch gingen die schwedischen Feuilletons mit der Band hart ins Gericht. Trotz der Häme, welche die schwedische Musikkritik auf die Band ausschüttete, sang sich ABBA mit eingängigen Melodien in die Herzen der Schweden. Die Texte allerdings ließen noch einiges zu wünschen übrig. Die Gruppe hat ihre Komposition erst nachträglich mit einem Text versehen, ihre Texte nahm ABBA zu Anfang bei weitem nicht so ernst wie ihre Musik. Die Zusammenarbeit von Björn und Benny beschränkte sich in der Anfangszeit auf die Musik, die Texte streute Stig Anderson bei – zumeist schrieb er sie an einem Nachmittag herunter. Stig Andersson hat in Carl Magnus Palms Biographie eine hervorgehobene Stellung – zurecht: Stig Andersson, oft als fünftes ABBA-Mitglied bezeichnet, war zunächst der treibende Motor von ABBA. Der Gründer von „Polar Musik“ kümmerte sich nicht nur als Manager um die Gruppe, sondern gab ihr auch ihren Namen. Dieser passte den vier, die sich selbst den Zungenbrecher „Björn & Benny, Agnetha & Anni-Frid“ gegeben hatten, zunächst gar nicht. Anderson war auch einer der Gründe, warum sich ABBA später trennte: Er fädelte undurchsichtige Finanzaktionen ein, die in der Presse ABBA selbst zugeschrieben wurden und war an sich keine allzu einfache Persönlichkeit.
Carl Magnus Palm gelingt es in seiner Biographie, die Probleme der Gruppe klar darzustellen, ohne sie voyeuristisch ausschlachten zu wollen oder sie zu verharmlosen. Besonders bei der Trennung der beiden Paare gelingt ihm dies, indem er sie selbst zu Wort kommen lässt. Carl Magnus Palm legt zugleich großen Wert darauf, immer wiederkehrende Fehlinformationen zu korrigieren. So belegt er schlüssig, dass von einer Rivalität zwischen den beiden Frauen nur bedingt die Rede sein kann.
Jeder wahre ABBA-Fan wird die Biographie „Licht und Schatten“, die mit zahlreichen Bildern versehen ist, mit Genuss lesen. Für den gelegentlichen ABBA-Hörer dürften viele Details dieser Biographie überflüssig wirken. Doch: Es gibt keine bessere Wahl!
Autorenportrait:
Carl Magnus Palm ist als ABBA-Historiker weltweit anerkannt. Der in Stockholm ansässige Schriftsteller verfasste bereits mehrere Werke über die Pop-Gruppe, darunter auch Booklets zu einer Reihe von ABBA-CDs.
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