Jazz

Eine Musik und ihre Geschichte

Jazz(pr). Wofür wird die amerikanische Kultur in 2.000 Jahren bekannt sein? „Für ihre Verfassung, Baseball und den Jazz“, wie Ken Burns in seinem Vorwort zu „Jazz“ den Essayisten Gerald Early zitiert. Nach einem Dokumentarfilm von Ken Burns entwirft Geoffrey C. Ward in dem opulent bebilderten Band eine Geschichte des amerikanischen Jazz’, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann zieht.

Die ausführlichen Texte, aus dem Amerikanischen von Franca Fritz und Heinrich Koop übersetzt, sind äußerst unterhaltsam und spannend zu lesen. Ken Burns möchte den Jazz als Einstellung, als amerikanisches Lebensgefühl verstanden wissen, und legt so neben den großen politischen Zeitgeschehnissen auch das Privatleben der Musiker offen, indem er eine Fülle von Geschichten und Geschichtchen um die herausragenden Künstler versammelt. Diese Anekdoten werden stimmungsvoll durch die Farb- und Schwarzweiß-Fotos unterstrichen und kommentiert. Es sind echte Perlen darunter: Bilder von Bands und Musikern, Aufnahmen der wichtigsten Orte, Geburtshäuser und Kneipen, oder echte Schnappschüsse, wie zum Beispiel der, auf dem man Duke Ellington und Benny Goodman gebannt, wie hypnotisiert der in einem Club singenden Ella Fitzgerald zuhören sieht.

Damit der Leser in den ausführlichen Darstellungen nicht den Überblick verliert, taucht als Fixpunkt immer wieder Louis Armstrong auf, dessen Geschichte besonders verfolgt wird. Die Texte werden durch ein Interview mit dem Musiker Wynton Marsalis, drei Essays der Musikkritiker Gerald Early, Gary Giddins und Stanley Crouch, sowie diverser kleinerer Einschübe, die Schlaglichter auf wichtige Persönlichkeiten oder geschichtliche Zusammenhänge werfen, ergänzt. Ein praktisches Register, die detaillierte Bibliographie und ein Quellen- und Bildnachweis im Anhang runden das hervorragende Werk ab.

Mit dem Bildband „Jazz“ schafft es Geoffrey C. Ward, die Distanz zur komplizierten Welt des Jazz’ für den Leser zu verringern, und schafft doch Mythen um die Musiker, setzt ihnen gewissermaßen Denkmäler für ihre Genialität. Plaudernd erzeugt er eine dichte Atmosphäre, und vermittelt dem Leser die Grundlagen der Musik, ohne ihn durch einen allzu fachlichen Stil abzuschrecken. Leider berücksichtigt er fast ausschließlich amerikanische Musiker und schenkt der jüngeren Entwicklung des Jazz’ kaum Beachtung. Europäische Musiker wie Django Reinhardt werden nur kurz behandelt. Dass kann man sicherlich als Versäumnis sehen, vor allem, da der Jazz eben von Anbeginn an offen für alles war und so mit der Zeit auch eine starke kulturverbindende Wirkung entfaltet hat. Andererseits lässt sich Musik auch nur durch Hören erschließen. Und wer anfängt, sich für Jazz zu interessieren, wird schnell seinen ganz eigenen Zugang zu dieser Musik entwickeln. Genau für solche Anfänger schafft „Jazz“ eine fundierte Grundlage, ohne dabei jemals langweilig zu werden. Der Bildband macht Lust auf Tonaufnahmen – eine dem Buch beigefügte CD wäre die Krönung dieses Werkes gewesen. Für längst schon Jazzbegeisterte lohnt sich die Anschaffung von „Jazz“ als repräsentatives Objekt mit vielen wunderschönen Aufnahmen, das eine lohnende Ergänzung zur eigenen Musikbibliothek darstellt.

„Jazz“ ist ein herrlicher Bilder-Lese-Rausch, der seinesgleichen sucht – das wahrscheinlich beste Buch zum Thema!

Autorenportrait:
Ken Burns, Regisseur, Produzent und Autor, macht seit über zwanzig Jahren Dokumentarfilme. Er erhielt zahlreiche der höchsten Auszeichnungen und Nominierungen, darunter den „Emmy“ und „Peabody Award“. Er lebt in New Hampshire, USA.
Geoffrey C. Ward hat sich durch seine Buchveröffentlichungen und Dokumentarfilmbeiträge einen Namen gemacht. Er begleitete zahlreiche Dokumentationen von Ken Burns und lebt in New York.

Jazz

Ken Burns und Geoffrey C. Ward
Jazz
Eine Musik und ihre Geschichte
Econ Verlag, München
ISBN 3-430-11609-0
2. Auflage, 482 Seiten, mit über 500 meist s/w-Abbildungen, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Format 23,5 x 27,5 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 65.- (D) / € 66,50 (A) / sFr 112.-

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