Inselgespräche

Was Prominente über Sylt denken

Inselgespräche(tik). Sylt ist geprägt von rauer Landschaft und bekannt für dramatische Naturschauspiele. Das Wind gepeitschte Meer mit seinen schäumenden Sturmfluten, melancholische Sonnenuntergänge und vereinzelte archaische Felsbauten aus grauer Vorzeit – so kennt man die Insel. Dieses Bild ist nicht zuletzt den vielen Künstlern und Autoren zu verdanken, die sich immer wieder gern der erhabenen Schönheit norddeutscher Landschaften gewidmet haben. Im Laufe der Jahre sind so unzählige Bücher und Bildbande zusammengekommen, die sich der wilden Seite Sylts annehmen.

Doch war es nicht allein die Motivjagd der Maler und Fotografen, der das eher kleine Fleckchen Land in der Nordsee seinen enormen Bekanntheitsgrad zu verdanken hat. Schon seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert war Sylt immer auch die Ferieninsel der Reichen und Schönen. Hier konnte man den Müßiggang pflegen, Sport treiben und den neuesten Klatsch über die oberen 10.000 der Republik austauschen. Mit dem Buch „Inselgespräche“ haben Autor Werner Langmaack und Fotograf Jörg Brockstedt nun auch dieser Seite Sylts einen angemessenen Ausdruck gegeben.

„Inselgespräche“ ist eine Sammlung jeweils einige Seiten langer Interviews, die einige der prominenten Syltfans zu Wort kommen lassen. Die Interviewpartner wurden dabei, wie der Autor betont, „nicht nach der Häufigkeit ihrer Erwähnung in „Bild“ und „Bunte“ ausgewählt“, sondern danach, „wer mit seinen Antworten die Substanz des Inhalts würde steigern können.“ Treu dieser Devise, wurden in „Inselgespräche“ auch nur solche Prominente ausgewählt, deren Geschichte mit Sylt verknüpft ist. So spricht etwa der Keitumer Pfarrer Traugott Giesen über die Religiosität der friesischen Ureinwohner und über Touristen, die auch mal zum Beten in seiner Kirche vorbeischauen. Udo Lindenbergs Verhältnis zu Sylt beruht dagegen auf deutlich weniger spirituellen Erlebnissen: „Als ich am FKK-Strand von ausgerasteten Triebtäterinnen sexuell angefallen wurde und mit erigiertem Glied in die Brandung flüchten musste? Das war doch nicht ungewöhnlich.“ Doch auch er zählt sich zu den überzeugten Nordlichtern. So hat jeder Prominente seine eigenen Syltgeschichten. Für manche bedeutet die Insel das halbe Leben, andere, wie der TV-Moderator Reinhold Beckmann, sind zwar wirklich keine Sylt-Freaks, aber doch aufrichtige Sympathisanten.

Die 24 Interviews in „Inselgespräche“ zeigen „Was Prominente über Sylt denken“ und werfen ein interessantes neues Licht auf die Insel. Sie sind teils lustig, teils nachdenklich und sparen, was sie vor vielen anderen Syltgeschichten auszeichnet, auch die negativen Seiten der Inselromantik nicht aus. Zahlreiche private Fotos der Promis, leider alle schwarzweiß, laden zum vergnüglichen Betrachten ein. Die Farbfotografien von Jörg Brockstedt, die ebenfalls gekonnt die Gegensätze zwischen Natur, Kultur und Tourismus festhalten und nie ins Pathetische abgleiten, ergänzen elegant diese etwas andere Sicht auf die Insel Sylt.

„Inselgespräche“ dürfte für Gesprächsstoff sorgen!

Autorenportrait:
Werner Langmaack wurde 1946 in Hamburg geboren und wohnt seit 1990 zeitweise im Süden Westerlands. Seit 1983 arbeitet er als freier Journalist und Autor schwerpunktmäßig in den Bereichen Sport und Kultur. Aktuell schreibt er für die „Financial Times Deutschland“, für das Bahnmagazin „DB mobil“ und für „Die Welt“, außerdem arbeitet er in der Nachrichtenredaktion der TV-Sendung „DAS!“.

Inselgespräche

Werner Langmaack
Inselgespräche
Was Prominente über Sylt denken
Mit Fotos von Jörg Brockstedt
MillerntorMagazinVerlag, Hamburg
ISBN 3-00-011549-8
188 Seiten, mit zahlreichen meist schwarzweißen Fotos, Hardcover gebunden.
Unverbindliche Preisangabe: € 19,80 (D) / € k. A. (A) / sFr k. A.

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