Im Rücken steckt das Messer
Geschichten aus der Gerichtsmedizin
(jaf).
Obwohl sie sich alle um das Thema Tod drehen, sind Hans Bankls Erzählungen
auf kuriose Weise springlebendig. „Im Rücken steckt das Messer“
ist ein Buch für alle, die spätestens seit dem Auftreten von „Quincy“
einen Mordsspaß an der Verbrechensaufklärung mit dem Skalpell haben.
Autor Hans Bankl unterscheidet sich von allen TV-Serien und Kathy Reichs-Romanen
allerdings darin, dass er mit medizinischem Wissen unterhält. Akribisch
hat er, der mit 31 Jahren einst jüngste Gerichtsmediziner-Dozent Österreichs,
Fakten aus Gegenwart und Historie zusammengetragen, die nicht durch künstliche
Dramatik angefüttert werden müssen, um spannend zu sein.
Eine gesunde Portion Sarkasmus gehört stets dazu zum Beispiel, wenn Hans Bankl „Tipps vom Experten“ für einen perfekten Mord gibt. Perfekt ist ein Mord nämlich genau dann, wenn er nicht aufgeklärt wird in der Bundesrepublik ist das in etwa 100 bis 1.000 Fällen so; allerdings meist immer dann, muss Hans Bankl auch ziemlich umgehend die Begeisterung bremsen, wenn die Totenschau „defekt“ ist ein guter Mörder bemisst sich am schlechten Gerichtsmediziner. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel: „Der perfekte Mord ist der von einem Gerichtsmediziner verübte, welcher dafür sorgt, dass er zur Obduktion der Leiche bestellt wird“.
Fast kommen sie als Plaudereien daher, die Geschichten vom Tod, leicht, unterhaltend mitunter auch dank der markaber-komischen Illustrationen von Dieter Zehentmayr und ungemein spannend: Hans Bankl erzählt, warum Ärztefehler die Weltgeschichte beeinflussten, weiß von „Kopfjägereien“ um Relikte berühmter Verstorbener, wie das Gehirn Albert Einsteins, den Finger Galileis oder das Gesicht von Kardinal Richelieu zu berichten, doziert darüber, weshalb Golfspielen sogar lebensgefährlich sein kann und klärt auf, dass das in geringsten Dosen als Faltenmittel angewendete Botulinus-Toxin in einer Menge von drei Gramm dazu ausreichen würde, eine Milliarde Menschen zu töten.
Fachmann Hans Bankl weiß, wie die Dinge wirklich sind: Er sagt, warum Nah-Todeserfahrungen weniger mit dem Übergang in eine andere Welt zu tun haben als mit Sauerstoffmangel im Hirn und warum Napoleon nicht ermordet wurde, sondern am Gift in seinen grünen Tapeten starb. Neben den kuriosen Details der Weltgeschichte hat Hans Bankl auch jede Menge Handfestes zu bieten: Er erläutert knapp und kurzweilig den Zusammenhang von Juristerei und Medizin, berichtet von den Anfängen seiner Zunft und den Grundlagen der fachmännischen Totenbeschau. Selbst Ausflugstipps hat er parat: Das Elektropathologischen Museum in Wien beispielsweise oder ein Kriminal-Wochenende mit der „Agentur Blutspur“, die Morde zum Selbstaufklären für Hobby-Detektive inszenieren, versprechen schwarzhumoriges Vergnügen.
Nichts im Leben, soviel ist klar, ist also so sicher wie der Tod abgesehen davon, dass Pathologie-Fans um „Im Rücken steckt das Messer“ nicht herum kommen!
Autorenportrait:
Hans Bankl, Jahrgang 1940, wurde mit 31 Jahren der jüngste Pathologie-Dozent Österreichs und gilt heute als international anerkannte Kapazität. An der Wiener Kunsthochschule unterrichtet er „Anatomie für Künstler“. Über seine 120 wissenschaftlichen Publikationen hinaus hat er sich mit Bestsellern einen Namen gemacht.
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