Furcht erregende Darbietungen
Zweites Buch der Eddie-Dickens-Trilogie
(akg).
Eddie Dickens ist zurück! Ungebrochen und voller Pläne versucht er
in gewohnter Weise, sein Leben als jugendlicher Gentleman zu meistern –
was seine mehr oder minder Wahnsinnigen Verwandten natürlich zu verhindern
wissen.
Wie schon bei „Schlimmes Ende“ nehmen auch „Furcht erregende Darbietungen“ mit dem Wahnsinnigen Onkel Jack ihren Lauf: In aller Frühe weckt der dünnste aller Herren mit der schnabelhaftesten aller Schnabelnasen Eddie, um ihn auf einen Leichenwagen in der Einfahrt des Hauses hinzuweisen. Was macht ein Leichenwagen in der Einfahrt von Schlimmes Ende? Und warum wird er von zwei pechschwarzen Pferden gezogen? Eine Frage, der auch Autor Philip Ardagh nachgeht. Nur, dass ihn dabei die Herkunft des Wortes „pechschwarz“ interessiert, was nach seiner Erklärung eine Art pappiger Teer ist, der sehr schwarz ist, weshalb „man ‚pechschwarz’ sagen kann, wenn man ‚sehr, sehr schwarz’ mit weniger Buchstaben ausdrücken will…“
Hierbei zeigt sich der besondere Charme von Autor Philip Ardagh: Immer wieder unterbricht er „Furcht erregende Darbietungen“ mit kleinen spitzen Zwischenhieben und Kommentaren, die so gar keine Rolle für das Handlungsgeschehen spielen, und dafür umso mehr dazu beitragen. In unverwechselbarer Weise gelingt es ihm, in einen persönlichen Dialog mit seinem jungendlichen Leser zu treten, in dem er ihm etwa fünfzeiligen Applaus für eine richtige Vermutung spendet. Nur fünf Zeilen versteht sich. Schließlich möchte er ja nicht, dass dem Leser seine Intelligenz zu Kopf steigt!
Doch nun, um mit Philip Ardaghs Worten zu sprechen, zurück zur Handlung: Mit größter Mühe gelingt es Eddie, die pechschwarzen Pferde in der Einfahrt des Anwesens zu bändigen, wobei ihm der Inhalt seiner Hosentaschen sehr zu Gute kommt: Eine Mohrrübe, die Eddies Vater ihm zu seinem persönlichem Schutz gegeben hat, sowie eine Handvoll Zuckerstückchen. Zuckerstückchen sah seine Mutter nämlich immer noch als aufregende Neuerung, obwohl es sie schon seit 1790 gibt. Eine Explosion macht jedoch seine Versuche, die Pferde zu beruhigen, endgültig zunichte. Stattdessen schießt ein Sarg durch die Luft und öffnet sich. Heraus steigt Der Große Zucchini, Eskamoteur und Eskapologe, kurz: Entfesselungskünstler! Durch ihn macht Eddie Bekanntschaft mit seiner italienischen Assistentin Daniella – und bemerkt zum ersten Mal, dass Frauen auch Hälse und Beine haben. Kein Wunder, dass ihn das sehr aus der Fassung bringt… .
Das Buch „Furcht erregende Darbietungen“ für Kinder ab 10 Jahre wird durch zahlreiche Schwarzweiß-Illustrationen von David Roberts auf äußerst amüsante Weise abgerundet. Und wer könnte den englischen Humor wohl besser übersetzen als Harry Rowohlt, der schon bei „Schlimmes Ende“ eine Glanzleistung vollbracht hat? Alle, die Lust auf den puren Wahnsinn haben, werden „Furcht erregende Darbietungen“ lieben. Alleine schon aus dem Grund, weil es manchmal gut tut, einfach nur loszulachen!
Autorenportrait:
Philip Ardagh hat auch mehr als 50 Bücher für Kinder jeden Alters
geschrieben. Er arbeitete unter anderem als Werbetexter, als Reinigungskraft
in einer Klinik, als (höchst untauglicher) Bibliothekar und als Vorleser
für Blinde. Derzeit ist er Vollzeit-Schriftsteller. Seine Bücher,
die er unter verschiedenen Namen veröffentlicht, wurden bislang in neun
Sprachen übersetzt. Er lebt mit seiner Frau und zwei Katzen in einem kleinen
Küstenort in England. „Schlimmes
Ende“ wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2003 ausgezeichnet.
Illustratorenportrait:
David Roberts, geboren in Liverpool, studierte Modedesign, bevor er nach Hongkong
zog, wo er als Modezeichner arbeitete. Er hat acht Bücher illustriert und
einen Preis für Kinderbuchillustration erhalten. Heute lebt er in London,
zeichnet und macht gelegentlich Hüte.
© Copyright by: Public Dialog Hamburg