Franz Schubert
Fremd bin ich eingezogen
(sgr).
Franz Schubert verstarb 1828 im Alter von nur 51 Jahren – und hinterließ
ein Werk, das uns noch heute begeistert. Oftmals sind es gerade diese kurzen,
hell leuchtenden Künstler, die uns faszinieren. Sie erscheinen wie ein
Phoenix, schaffen Werke außerordentlicher Schönheit, um dann schnell
wieder zu vergehen, nur noch in ihrem Schaffen weiter zu leben. Dieses Bild
von Künstlern, von stürmischen Genies, die unsere Welt bereichern,
dann plötzlich erlöschen, trifft auf Franz Schubert zu – und
andererseits doch wieder nicht.
Diese Ambivalenz trifft Autorin Veronika Beci in „Franz Schubert – Fremd bin ich eingezogen“ äußerst feinsinnig. Sie zeichnet kein idealisiertes Bild, auch kein vereinfachtes. Franz Schuberts Leben ist vielschichtig und nicht in wenigen Prädikaten zu schematisieren. Und so widersteht Veronika Beci der Versuchung, eine banalisierte Darstellung von einem träumenden Komponisten zu vermitteln, der sich vor den Problemen mit seinem Vater in die Welt der Musik flüchtet. Stattdessen wird Schuberts Leben in verschiedenen Etappen vermittelt, die seine vielen Wandlungen unterstreichen.
Veronika Becis Biographie gelingt es nicht nur, Franz Schuberts Leben plastisch und differenziert nachzuerzählen, sondern gleichzeitig auch, den Leser anspruchsvoll zu unterrichten. Ambitionierte Interpretationen der verschiedenen Werke Schuberts, seine Bekanntschaften zu anderen Größen der Zeit, letztlich eine gelungene historische Verortung im Wien des 19. Jahrhunderts machen diese Biographie zu einem ausgezeichneten Werk ihrer Gattung. Ein Zeittafel, viele Abbildungen und Fotografien, die Stationen und Begleiter aus Schuberts Leben darstellen, sorgen für eine gelungene optische Präsentation. Dazu kommen ein Verzeichnis weiterführender Literatur, eine Diskografie und die Auflistung wichtiger Museen und Gedenkstätten.
Veronika Beci belegt eindrucksvoll, dass sie das Handwerk versteht, populäre mit wissenschaftlicher Literatur zu verschmelzen. Eine angenehme Schreibweise verbindet sich hier mit einer sehr ambitionierten Anspruchshaltung. „Prodesse et delectare“ – „Nutzen und Erfreuen“ finden sich hier verwirklicht: „Franz Schubert – Fremd bin ich eingezogen“ ist eine angenehme Lektüre, die dennoch den Leser weiterbildet!
Autorenportrait:
Veronika Beci, aus Düsseldorf stammend, ist Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin
und promovierte Musikologin. Ihr wichtigstes Aufgabenfeld ist die Untersuchung
des Verhältnisses von Kunst und Literatur zur politischen Macht. 2002 schrieb
sie die beachtenswerte Biografie „Émile
Zola“. Sie lebt in Münster.
![]() |
Veronika Beci |
© Copyright by: Public Dialog Hamburg