Feanors Fluch
Mythos aus der Vorzeit Mittelerdes
(pr).
Was sind eigentlich Elben? An welche Götter glauben die Protagonisten des
„Herrn der Ringe“? Warum sind Celeborn und Galadriel so alt? Antworten
auf diese Fragen kann man in „Feanors Fluch“ von J. R. R. Tolkien
finden, dem Schlüsselmythos zu den Ereignissen rund um Frodo und den Ring
der Macht. Schließlich steht auch „Der Herr der Ringe“ im
Zusammenhang eines großen mythologischen Werkes, bei dessen Ausarbeitung
der Sprachwissenschaftler Tolkien sich unter anderem auf alte keltische Sagen
und Schriften stützte. „Das Silmarillion“ von J. R. R. Tolkien
ist eine Sammlung von mythologischen und frühzeitlichen Fragmenten, die
die Entstehung Mittelerdes, die Taten der ersten Götter, Menschen und Elben
beschreiben. „Feanors Fluch“ stellt einen Auszug aus diesem Werk
dar.
Die Geschichte in „Feanors Fluch“ handelt wie eine klassische Sage von der Überheblichkeit der ersten Elben, die als nahezu unsterbliche Ebenbilder der Götter geschaffen wurden und neben ihnen auf einem Kontinent westlich des damaligen Mittelerdes leben. Einer von ihnen ist Feanor, ein begabter Elbenschmied, der, wie kein zweiter, magische Kunstwerke und Juwelen erschafft. Sein Meisterstück sind die Silmaril, in denen er das Licht der zwei heiligen Bäume der Götter und Elben einfängt. Der böse Gott Melkor jedoch streut Gerüchte und erzeugt so Angst und Habgier bei Feanor, der, besessen von dem Gedanken die Silmaril zu verlieren, das Schwert gegen seinen Halbruder zieht. Hierauf wird er verbannt und versteckt die Juwelen. Als er sich mit dem Bruder vor den Göttern, den Valar, bei einem Fest aussöhnt, vernichtet Melkor zusammen mit der Spinne Ungolianth die beiden lichtspendenden heiligen Bäume, und raubt die Silmaril, die als einzige die vergifteten Gewächse wiederherstellen könnten, aus Feanors Festung. Zornig schwört Feanor einen Eid, den Gott zu verfolgen und zu vernichten, und geht mit einem Teil des Volkes der Elben, den Noldor, gegen den Rat und den Befehl der Götter nach Mittelerde. Sein Halbbruder folgt ihm zusammen mit anderen Elben.
Was nun folgt, ist eine Kette von tragischen Ereignissen, bei denen Feanor sich immer wieder an seinem Volk und seinem Halbbruder aus persönlicher Habgier versündigt, bis er Mittelerde erreicht und in einer Schlacht gegen den Gott Melkor fällt. Die Elben, die mit ihm und seinem Halbbruder Fingolfin nach Mittelerde kamen, sind nun aus dem Paradies neben den Göttern vertrieben. Die beiden Familienlinien Feanors und Fingolfins söhnen sich aus und beginnen in Mittelerde zu leben. Ihr Leben ist nicht mehr idyllisch, denn unter dem Licht des nach der Vernichtung der Bäume neu erschaffenen Mondes und der Sonne, müssen sie sich weiterhin gegen Melkor behaupten, der immer wieder Böses im Schilde führt. Hier schließt die Erzählung von den ersten Elben auf Mittelerde, die auch in „Der Herr der Ringe“ noch über die Welt zerstreut sind und mit den Menschen Freundschaft halten.
„Feanors Fluch“, aus dem Englischen von Wolfgang Krege übersetzt, ist eine Sage und kein ausgearbeiteter Roman, so erklärt sich der „hohe“ sprachliche Stil des Buches, der nicht unbedingt leicht verdaulich ist. Ereignisse werden zuweilen stark gerafft wiedergegeben, und wer sich noch nie mit der Welt Mittelerdes befasst hat, wird Probleme bekommen, Zusammenhänge im Detail zu verstehen, obwohl ein Stichwortregister und einige Karten im Anhang das Verständnis deutlich erleichtern. Ohne Eigeninitiative und Kreativität lässt sich die Sagenwelt Mittelerdes nicht entschlüsseln. Irgendwann jedoch stehen die Anfänge von J. R. R. Tolkiens Universum vor einem, und man beginnt zu durchschauen, dass hier ein Autor am Werk war, der sich in den Sagenwelten aller Kulturen extrem gut auskannte. J. R. R. Tolkien stellt den gewachsenen Mythen der Völker einen von ihm konstruierten an die Seite, der genau wie die „echten“ Sagen menschliche Schwächen und Qualitäten durchblickt und sie dem Leser vorführt.
Wer sich auf diese Welt und ihren Sprachstil einlassen will, wird an „Feanors Fluch“ große Freude haben, auch weil diese Sage noch eine der leichter verständlichen aus dem „Silmarillion“ ist. Ein Buch für Tolkienfans, natürlich. Aber auch eines, das das Können und die Genialität J. R. R. Tolkiens als Sprachwissenschaftler und Schriftsteller jedem Menschen offenbart, der sich darauf einlässt. Man muss den „Herrn der Ringe“ nicht gelesen haben, um dieses Buch zu mögen.
Autorenportrait:
John Ronald Reuel Tolkien wurde am 3. Januar 1892 in Bloemfontein/Südafrika
geboren und lebte seit 1896 in England. Er war Professor für germanische
Philologie in Oxford und starb am 2. September 1973 in Bournemouth.
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