Ein Klang von weit her

Konflikt einer 13-Jährigen zwischen Ballett-Talent und Heiler-Begabung

Ein Klang von weit her(tik). Wir befinden uns irgendwann während der Herrschaft der Familie Meergeboren im Königreich Windward. Die Erde ist zum Großteil mit Wasser bedeckt. Um von einer Insel zur nächsten zu gelangen, benötigt man oft Monate, eine Reise die nur für ganz besondere Ereignisse in Kauf genommen wird. Das wohl größte Ereignis im Leben eines Windwarder Mädchens steht der 13-jährigen Cerinthe aus den nördlichen Provinzen bevor: Sie wurde von ihrer Tanzlehrerin für die Aufnahmeprüfung an der königlichen Ballettschule in Faranor vorgeschlagen und steht nun nach langer Schiffsfahrt vor den Toren zur Tanzschule, hinter denen sie die Erfüllung aller ihrer Wünsche erwartet. Nach einer anfänglichen Enttäuschung, die sich glücklicherweise als Missverständnis herausstellt, läuft schließlich auch alles nach Plan. Die Aufnahmeprüfung besteht Cerinthe mit Abstand am besten, und sie darf sogar gleich eine Klasse überspringen.

Doch das vermeintliche Paradies stellt sich mit der Zeit als bei weitem nicht so perfekt heraus, wie Cerinthe es sich vorgestellt hatte. Allmählich machen sich Zweifel breit. Schuld daran ist nicht nur die ältere Schülerin Elliana, die sich bald in ihrer unangefochtenen Rolle als Spitzenreiterin gefährdet sieht und einen zermürbenden Konkurrenzkampf anzettelt. Auch das Versprechen, eine große Tänzerin zu werden, das Cerinthe ihrer Mutter auf dem Sterbebett gegeben hatte, belastet das Mädchen. Und dann ist da auch noch Thordon, ein Junge, den sie auf der Überfahrt nach Faranor kennen gelernt hat, und der ebenfalls in die eigenen Vorstellungen vom Leben integriert werden will. All das trübt die Freude über den in Erfüllung gegangenen Traum und drängt Cerinthe die Frage auf, ob sie mit diesem Weg überhaupt die eigenen Wünsche verfolgt, oder ob sie nicht vielmehr aus Ehrgeiz und Schuldgefühl so gehandelt hat.

In dem Jugendbuch „Ein Klang von weit her“ für Kinder ab 12 Jahren verfolgt Autorin Dia Calhoun die Entwicklung eines kleinen Mädchens mit großen Träumen. Sie zeigt, wie mit Hartnäckigkeit und Standhaftigkeit auch fast Unmögliches erreicht werden kann, solange man sich nicht unterkriegen lässt. Doch bleibt das Buch nicht auf dieser Ebene stehen. Mit viel Einfühlungsvermögen spürt es den wahren Gründen, die hinter all dem Hoffen und Bangen liegen, nach und stellt die Frage, welche unserer Wünsche überhaupt die eigenen sind. Cerinthe entspricht nicht der typischen Heldin einer Aufsteigergeschichte. Als sie ihr Ziel erreicht hat, beginnt der eigentliche innere Konflikt erst.

„Ein Klang von weit her“ thematisiert nicht nur den Glauben an sich selbst, sondern auch den ehrlichen Umgang mit sich und anderen und stellt das sture hinter seinen Träumen herrennen in Frage.

Autorenportrait:
Dia Calhoun arbeitete einige Jahre als Grafikdesignerin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Als Kind wollte sie allerdings Balletttänzerin werden und trainierte bis zu ihrem 17. Lebensjahr intensiv für eine Karriere im klassischen Tanz. Die in den USA mehrfach ausgezeichnete Autorin lebt mit ihrem Mann in Tacoma, Washington.

Ein Klang von weit her

Dia Calhoun
Ein Klang von weit her
Carlsen Verlag, Hamburg
ISBN 3-551-35151-1
Deutsche Erstausgabe, 286 Seiten, Broschur, Format 13,5 x 18,7 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 8,50 (D) / € k. A. (A) / sFr 15,20

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