Die Wichtelkinder
Elsa Beskows berühmtestes Bilderbuch von Wichteln, Elfen und Trollen
(tik).
„Die Wichtelkinder“, das wohl bekannteste und beliebteste Bilderbuch
der berühmten schwedischen Autorin und Illustratorin Elsa Beskow für
Kinder ab vier Jahren, erschien bereits 1910 zum ersten Mal. Es erzählt
von den Wichtelkindern, die mit ihren Eltern unter den knorrigen Wurzeln einer
alten Kiefer mitten im Wald wohnen.
Im Sommer spielen sie im ganzen Wald, klettern mit Eichhörnchen hoch oben in den Bäumen und lernen die Frösche am Waldsee kennen. Jedoch zeigt sich den vier kleinen Abenteurern das Leben nicht nur von seiner paradiesischen Seite, zwischen Bäumen und Sträuchern lauern auch dunkle Gefahren, mit denen es umzugehen gilt. An solchen Stellen merkt man dem Bilderbuch sein hohes Alter an. Wenn der Wichtelvater sich, wie er es manchmal tut, in seine Tannenzapfenrüstung wirft, den Speer zur Hand nimmt und den Wald auf der Suche nach der bösen Kreuzotter durchstreift, dann scheinen aus heutiger Sicht Erzählton und Bilder nicht mehr ganz mit der Geschichte zusammenzupassen. Die Stimmung bleibt heiter und abenteuerlich, auch als die Kreuzotter schließlich getötet wird und die zwei Söhne das vom Vater Abgeschaute an kleinen Ameisen erproben.
Die Welt der Wichtelkinder ist noch eine heile Welt mit fest gefügter Ordnung, in der Gutes und Böses seinen Platz und seine Richtigkeit hat. Gerade das macht aber auch den großen Reiz des Bilderbuches aus. In einer Welt, in der jeder seinen Platz kennt und diesen auch selbstverständlich einnimmt, ist kein Raum für den heute verbreiteten moralischen Zeigefinger und so bleibt es dem Kind selbst überlassen, von der heilen auf die eigene Welt zu schließen. Mit soviel Vertrauen in die Kinder von heute, ist das Buch ein großer Genuss, der durch sein Alter nicht geschmälert werden muss. So kann anhand detailgenauer farbiger Illustrationen mit kurzen, kindgerecht geschriebenen Textabschnitten der ganze Jahreszyklus der kleinen Wichtel nachvollzogen werden und bis hin zur Einschulung in der Eulenschule für fast jeden Abschnitt eine Entsprechung im realen Leben gefunden werden.
In der neuen Übersetzung von Arnica Esterl, die gekonnt den historischen Charme bewahrt, bildet das Buch den Auftakt zu einer Reihe deutschsprachiger Neuauflagen heute vergriffener Werke Elsa Beskows. Der Gedanke an erwachsene Nostalgiker, die „Die Wichtelkinder“ schon von ihren Großeltern vorgelesen bekommen haben, der sicher auch Antrieb zur Neuauflage war, muss also nicht davor zurückschrecken lassen, das Kinderbuch auch wirklich Kindern zugänglich zu machen – eine große Freude und Bereicherung wird es sicherlich sein. Wenn, wie auf einem Bild der Fall, die ganze Familie im Winter um ein wärmendes Feuer sitzt und der Vater Geschichten seines Vaters und Großvaters erzählt, dann wirft das auch das richtige Licht auf den Wert alter Bücher: Man darf sich geborgen fühlen und der Geschichte aus längst vergangenen Zeiten lauschen.
Autorenportrait:
Elsa Beskow wurde 1873 als ältestes von sechs Kindern in Stockholm geboren.
Schon als Kind war sie als Geschichtenerzählerin beliebt. Nach dem Studium
an der Kunstakademie in Stockholm arbeitete sie als Kunstlehrerin und veröffentlichte
ihr erstes Bilderbuch 1897 „Sagan om den lilla lilla gumman“ („Geschichten
von der kleinen, alten Frau“). Weitere folgten in kurzen Abständen,
was sie zu dem Ausspruch brachte, sie bekomme „pro Jahr abwechselnd
entweder ein Kind oder ein Buch“. Reisen u. a. nach Palästina
und ans Mittelmeer beeinflussten ihre Arbeiten ebenso wie der englische Jugendstil,
den sie um 1900 kennen lernte. Sie selbst wurde zu einer einflussreichen Künstlerin,
die vielen Jüngeren zum Vorbild diente, als Bekanntestem Carl Larsson.
In ihren Büchern erscheinen neben der realen Welt immer wieder wie selbstverständlich
Fabelwesen wie Elfen und Trolle. Sie schrieb und illustrierte rund 50 Bücher,
ehe sie 1953 an einem Krebsleiden starb. Die meisten ihrer Bücher sind
seit vielen Jahren vergriffen. „Die Wichtelkinder“ erschien erstmals
1910 unter dem Titel „Tomtebobarnen“ und ist einer ihrer größten
Erfolge, zu denen auch „Pelles
neue Kleider“ gehört.
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