Die Weihnachtsfee

Weihnachtsgeschichten aus Frankreich

Die Weihnachtsfee(akg). Weihnachten im Elsass: Eine Holzhauerfrau ist zu arm, um ihren Kindern Kleider, geschweige denn Spielzeug zu kaufen. Nichts wünscht sie sich sehnlicher, als ihrer Familie ein einziges Mal ein wunderschönes Weihnachtsfest bescheren zu können, mit bunt geschmücktem Weihnachtsbaum, liebevollen Geschenken, sowie Kerzen, Äpfel und Nüssen. Da belauscht sie zufällig zwei flüsternde Bäume: Hinter den schwarzen Felsen würde „Die Weihnachtsfee“ wohnen, die für ihre guten Taten bekannt und deren Höhle mit dem schönsten Spielzeug gefüllt ist... .

Weihnachten in Lothringen: Eine Mutter verkauft ihr neugeborenes Kind ahnungslos an den Teufel. Nur mit List und festem Glauben gelingt es dem heranwachsenden Heiligen Stephan, sich der Macht des Satans zu entziehen.

Weihnachten im Languedoc, in der Bretagne, in Paris, in der Normandie, in Burgund, am rauen Atlantik oder am genussfreudigen Mittelmeer – in jeder Region Frankreichs wird ein ganz besonderes Weihnachten gefeiert. Trotz dieser Vielzahl an weihnachtlichen Bräuchen und Traditionen brauchte Herausgeber Tilmann Kleinau viel Geduld, als er sich auf die Suche nach französischen Weihnachtsgeschichten machte. Scheinbar sind unsere Nachbarn jenseits des Rheins weniger sentimental, sodass ihre Weihnachtsmärchen einen anderen Charakter als unsere tragen: Familienszenen am trauten Herd sucht man in „Die Weihnachtsfee“ vergebens, stattdessen wird der Leser von Ironie, Moral und Witz überrascht, die weit von der gewohnten Nostalgie entfernt sind.

Tilmann Kleinaus Beharrlichkeit hat sich demnach gelohnt. Berühmte Autoren wie Émile Zola, Colette und Guy de Maupassant feiern in der mit 13 Schwarzweiß-Illustrationen versehenen Anthologie ein literarisches Fest. Von Gefängnismotiven bis zum Atheismus, von Elementen der französischen Barockkomödie bis zum Bibelstoff aus der Tierperspektive – „Die Weihnachtsfee“ schreckt bei ihren Weihnachtsgeschichten vor keiner Verbindung zurück.

Selbst wenn bei Émile Zola von einem Haus im Format eines Totenkopfschädels die Rede ist und Geister von Stöhnen begleitet an einem vorüber ziehen, sind diese Spukelemente in Verbindung mit Weihnachten nur für uns Deutsche ungewöhnlich. In Frankreich hat sich bei der Heiligen Nacht keltisches Erbe mit christlich-volkstümlicher Legendenbildung verbunden, in der Teufel und Dämonen mit aller Wut gegen die Geburt des Erlösers rebellieren.

Für jeden, der sich nach all den sentimentalen Geschichten einmal auf ganz andere Weihnachten einlassen möchte, ist „Die Weihnachtsfee“ der optimale Lesestoff für kalte Winterabende. Und wer weiß: Vielleicht hört man nach aufmerksamer Lektüre in der Heiligen Nacht tatsächlich auch einmal jene Kirchenglocken läuten, die längst verschwunden und vom Feind begraben sind… .

Herausgeberportrait:
Tillmann Kleinau, geboren 1961 in München-Gräfelfing, hat in Regensburg Anglistik und Romanistik studiert. Er lebt seit 1990 als freier Lektor, Redakteur und Übersetzer in Stuttgart und hat bereits mehrere Weihnachtsanthologien wie „Die Weihnachtshexe – Weihnachtliche Geschichten aus Italien“ herausgegeben.

Die Weihnachtsfee

Tilmann Kleinau (Hrsg.)
Die Weihnachtsfee
Weihnachtsgeschichten aus Frankreich
Deutscher Taschenbuch Verlag, München
ISBN 3-423-20665-9
Originalausgabe, 2. Auflage, 286 Seiten, mit 13 s/w-Abbildungen, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 8,50 (D) / € 8,80 (A) / sFr 15,20

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