Die Tagebücher einer Nanny
Ein Kindermädchen in New York
(bs). Es geht um Kinder, um Kinder reicher und neurotischer Eltern. Und um Nan, eine junge Studentin, die sich ihr Studium als Kindermädchen finanziert. Ein schöner und ertragreicher Job, möchte man denken. Doch schnell erkennt sie, dass nicht nur das Wohl des kleinen Grayer, sondern auch das der übrigen Familienmitglieder auf sie übertragen wird: Bald muss sie den Alltag einer vollkommen durchgeknallten Mutter organisieren, nebenbei die Spitzenunterwäsche der Geliebten des Vaters entsorgen und zu allem Überfluss leidet der kleine Grayer unter dem Stress, den die ach so wohlmeinenden Eltern mit absurden Bildungsversuchen verursachen.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt, stellt Nan fest, als sie in die sorgsam nach außen verborgenen Abgründe aus Snobismus, Heuchelei und Schmierentheater gezogen wird. Wäre da nicht ein junger Harvard-Student, mit dem sie ihre immer knapper werdende Freizeit genießen könnte, dann... .
Fängt das Buch „Die Tagebücher einer Nanny“ der beiden Autorinnen Emma McLaughlin und Nicola Kraus noch harmlos und ein wenig ironisch an, so entwickelt es sich zu einer zynischen Betrachtung des neuen amerikanischen Alptraums man wünscht sich, nie als Kind reicher Amerikaner geboren zu sein. Unverblümt lässt Nan ihren Gedanken freien Lauf, stellt in Frage, sieht hinter die Fassade geheuchelter Fürsorge und Liebe. Von Seite zu Seite fesselt dieses Buch, macht neugierig auf die nächste Absurdität, die von Emma McLaughlin und Nicola Kraus aufs schärfste pointiert dargestellt und von Regina Rawlinson ins Deutsche übersetzt wurde. Die Autorinnen haben beide für über dreißig Familien gearbeitet als Kindermädchen. Dennoch ist dieses Buch reine Fiktion, zwar inspiriert durch ihre Erlebnisse und Erfahrungen, aber nicht portraitierend und sorgte doch für reichlich Wirbel in Manhattans besseren Kreisen.
Allein wegen seines erfrischend bösartigen Untertones, der dem amerikanischen Überheblichkeitsdenken den Spiegel vorhält, aber auch gleichzeitig betroffen macht über das Schicksal des kleinen Grayer, ist das Buch „Die Tagebücher einer Nanny“ ein herausragendes Werk, fernab jeder seichten Unterhaltungslektüre. In den USA schoss das Debüt der beiden Autorinnen gleich in die Top Ten der Bestsellerlisten ein ähnlicher Erfolg wird ihm auch hierzulande beschieden sein, denn es ist ein überspitztes Psychogramm einer Gesellschaft, menschenverachtend und zynisch oder ist es gar nicht überspitzt?
Autorenportrait:
Emma McLaughlin und Nicola Kraus haben beide als Nannies in New York gearbeitet. Gemeinsam können sie auf einen reichen Erfahrungsschatz aus ihrer Arbeit in etwa 30 Familien zurückblicken. Und obwohl sie keine Familie als Inspiration für ihren Roman nennen wollten, sorgte er doch für große Unruhe Manhattans besseren Kreisen.
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Emma McLaughlin und Nicola Kraus |
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