Die Geschichte der Kinder Húrins
Großes Epos um Liebe und Tod
(pr).
„Die Geschichte der Kinder Húrins“ ist eine der ersten von
J. R. R. Tolkien entworfenen Sagen des Mittelerdekomplexes. Das tragische Schicksal
von Túrin, dem Sohn des Herrschers Húrin, wurde von ihm mehrfach
überarbeitet. In diesem Band ist die umfangreiche Geschichte aus zwei Texten
aus „Nachrichten aus Mittelerde“ zusammengestellt, eine Sammlung
fragmentarischer Mythen im Zusammenhang mit Mittelerde.
Auf Túrin, dem Protagonisten der Sage, lastet ein furchtbarer Fluch, den sich sein Vater Húrin einhandelte, als er den bösen Gott Melkor beleidigte. Alles was die Nachkommen Húrins unternehmen, sei es auch mit guten Absichten, wendet sich zum Bösen. Túrin, ein starrsinniger, stolzer und jähzorniger Junge wird von seiner Mutter, als der Vater Húrin aus dem Krieg nicht wieder heimkehrt, zur Ausbildung und zu seinem Schutz in das Elbenreich Doriath geschickt. Als er älter wird, wird er hier aufgrund seiner aufbrausenden Art Opfer einer Intrige und muss das Königreich verlassen, da er eines Mordes beschuldigt wird. Er wird zum Anführer einer Gruppe von Räubern und Geächteten, jedoch nicht ohne viel Blut vergießen zu müssen.
Auf der Suche nach seiner Mutter und seiner Schwester, die er aus den Augen verloren hatte, lässt er sich später im Landstrich Brethil nieder und lebt bei den Waldmenschen. Hierhin verirrt sich auch seine Schwester, die auf der Suche nach ihm war, nun aber dem Bann des Drachen Glaurung unterliegt, der sie vergessen ließ, wer sie ist. Sie erkennen sich nicht, und so wird das Unheil bis zum Ende der Tragödie seinen Lauf nehmen. Der Fluch des Gottes Melkor wird sein Ziel erreichen, wenn Túrin selbst sich dem Drachen stellt, der jetzt sein Land bedroht.
Túrin ist eine der tragischsten Figuren J. R. R. Tolkiens. Seine Geschichte, die in „Die Geschichte der Kinder Húrins“ erzählt wird, ist ein großes, umfangreiches Epos im Stil der klassischen Sagen. Wie die großen Epen, ist auch „Die Geschichte der Kinder Húrins“, aus dem Englischen von Hans J. Schütz übersetzt, sehr verwickelt. Es treten eine Fülle von Personen auf, deren Herkunft zwar in einem Glossar und in Anmerkungen erklärt wird, über deren Verhältnisse und Aufgaben man aber schnell den Überblick verliert. Ein weiteres Problem ist, dass sich die Sage aus zwei Textbruchstücken zusammensetzt. Über den Werdegang Túrins zwischen seiner Zeit als Geächteter und der Suche nach seiner Schwester und seiner Mutter erfährt der Leser nur aus zusätzlichen vereinzelten Bruchstücken, die im Anhang zu finden sind. Diese hängen aber in sich nicht zusammen und liefern keinen flüssigen Handlungsablauf der Geschichte im fehlenden Zeitraum. Leser, die sich mit der Geschichte Mittelerdes nicht auskennen, sehen sich hier vor einige Verständnisprobleme gestellt.
Was dieses Buch attraktiv macht, ist sein Sprachstil und vor allem die Kreativität, mit der J. R. R. Tolkien Motive der großen griechischen und mittelalterlichen Sagen aufgreift und in eine neue Form umsetzt. Der hohe Sprachstil ist zwar weniger eingängig, doch durch ihn und die Konstruktion und Komplexität der Sage erweist sich J. R. R. Tolkien als virtuoser Autor und Sprachwissenschaftler.
„Die Geschichte der Kinder Húrins“ ist keine leichte Lektüre. Auch zum Einstieg in die mythologische Welt Tolkiens ist dieses Buch weniger geeignet. Tolkien-Fans aber, die schon erste Schritte in der Sagenwelt Mittelerdes gemacht haben, sollten dieses Buch lesen, genau so wie Liebhaber klassischer Sagen und Mythen.
Autorenportrait:
John Ronald Reuel Tolkien wurde am 3. Januar 1892 in Bloemfontein/Südafrika
geboren und lebte seit 1896 in England. Er war Professor für germanische
Philologie in Oxford und starb am 2. September 1973 in Bournemouth.
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