Die Frau des Piloten
Auf der Suche nach der Wahrheit
(mb). „Die Frau des Piloten“ hat im September 2001 an Aktualität
gewonnen. Spätestens mit dem Anschlag auf das Pentagon und das World Trade
Center sind die Sinne der Öffentlichkeit auf Katastrophen im Luftverkehr
jeglicher Art geschärft worden. So gewinnt der Roman um die Frau eines
Piloten, dessen Flug in einer Explosion ein dramatisches Ende findet, ganz
neue Bedeutung.
„Sie öffnete die Tür. „Mrs. Lyons?“ fragte er. Und da wusste sie es. Wie er ihren Namen gesagt hatte, die Tatsache, dass er ihren Namen überhaupt kannte. Es stand in seinen Augen, ein aufmerksamer, rascher Blick. Das schnelle Luftholen.“ Jack war tot, vom Himmel geholt. „„Wann?“ fragte sie. Er setzte den Fuß über die Schwelle und schloss die Tür. „Heute morgen“, sagte er. „Wo?“ „Etwa zehn Meilen vor der irischen Küste.“„Im Wasser?“„Nein. In der Luft.“„Oh...“ Sie bewegte eine Hand zum Mund.“
Wenn der Teufel im Paradies einkehrt: Den friedlichen Flug eines Passagierflugzeuges jäh beendet, 80 Menschen aus dem Leben gerissen und trauernde Angehörige ratlos zurückgelassen. Kathryns Mann Jack war der Todespilot! Die Medien zerren im Fettdruck erbarmungslos das Gerücht eines Selbstmordes in die Schlagzeilen und richten über einen Menschen, ohne ihn gekannt zu haben. Kathryn tritt den Gerüchten entgegen, schenkt ihnen keinen Glauben. Sie recherchiert auf eigene Faust, findet einen Lottoschein mit einer ominösen Telefonnummer, ein unscheinbares „M“ auf einen Fetzen Papier gekritzelt, ein Gedichtband, obgleich Jack keine Gedichte las.
Im Laufe ihrer Ermittlungen stößt Kathryn auf einen Fremden, mit dem sie zwanzig Jahre ihres Lebens verbracht hatte. Ihre glückliche Ehe wird zur Farce, während eine unvorstellbare Lebenslüge in den Vordergrund tritt. Schicht für Schicht eines Doppellebens wird abgetragen und wirft über Kathryn einen zusätzlichen Mantel der Trauer, konfrontierte sie mit einer Wahrheit, für die sie nun eine Erklärung suchte. „Wer kannte die innersten Beweggründe eines Menschen? Selbst wenn Jack jetzt leibhaftig neben ihr säße, könnte er das Warum erklären? Wer konnte das überhaupt? Auch das wusste sie nicht. Sie konnte nur wissen, was sie für wahr hielt. Was sie als Wahrheit ansah.“
Anita Shreve beschreibt, aus dem Amerikanischen von Christine Frick-Gerke übersetzt, mit dem Feingefühl einer Frau und dem schriftstellerischen Können einer Bestseller-Autorin die zusammenbrechende Welt einer Liebenden und Mutter, die mit dem Verlust ihres Mannes nicht nur ein Leben verliert, sondern auch die Vergangenheit. Das labile Kartenhaus einer großen Liebe bricht in sich zusammen und hinterlässt ein Haufen Nichts.
„Die Frau des Piloten“ ist ein packendes Drama, das einem beim Lesen durch Mark und Bein fährt!
Autorenportrait:
Anita Shreve gehört zu den erfolgreichen Schriftstellerinnen der USA.
Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Familie in Massachusetts und lehrt am Amherst
College. Ihre vielfach preisgekrönten Erzählungen erschienen unter
anderem in „New York Times“, „Cosmopolitan“ und „Esquire“.
![]() |
Anita Shreve
|
![]() |
Anita Shreve
|
![]() |
Anita Shreve |
© Copyright by: Public Dialog Hamburg