Die Englischen Rosen

Madonnas erstes Kinderbuch

Die Englischen Rosen(sl). Eines ist sicher: Madonna ist bestimmt nicht unter die Autoren gegangen, um mit ihrem ersten von fünf geplanten Kinderbüchern Geld zu verdienen, im Gegenteil: „Die Einkünfte aus diesem Buch stellt die Autorin Kinderhilfsinstituten zur Verfügung.“, ist auf der letzten Seite zu lesen. Was aber war dann ihre Intention? Darüber werden sich Journalisten in über 40 Ländern, in denen das Bilderbuch zeitgleich erscheint, den Kopf zerbrechen, spekulieren, jedes geschriebene Wort interpretieren, Vergleiche suchen, Parallelen entdecken und noch ein wenig hinzudichten, um der Klatschpresse wieder Futter zu geben. Vielleicht ist Madonna aber auch einfach nur eine Mutter, wie es so viele gibt, die sich den stillen Wunsch erfüllt hat, für ihre Kinder ein Buch zu schreiben – zugegeben, in ihrer Position dürfte die Veröffentlichung nicht schwer gefallen sein.

Um ehrlich zu sein: Ich war ziemlich kritisch, was Madonnas Kinderbuch „Die Englischen Rosen“ angeht. Ich bin kein Fan ihrer Musik und ihre Schauspielkünste ließen mich schlimmstes befürchten – doch ich wurde überrascht und zwar mehr als positiv! Königlich amüsiert hab ich mich, laut losgelacht, geschmunzelt, mich an den witzig-ausgefallenen und poppig-bunten Bildern von Jeffrey Fulvimari erfreut, es genossen, mal ein so ganz anderes Bilderbuch – von der Aufmachung her – in den Händen zu halten. Und es hat mich auch ein wenig nachdenklich gemacht – was will man mehr?!

Der Tenor der Geschichte ist nicht neu, aber sie ist trotzdem wirklich gelungen, was mit Sicherheit auch der überaus brillanten Übersetzung aus dem Amerikanischen von Anu Stohner zu verdanken ist. Madonna erzählt von vier Mädchen, den Englischen Rosen. Nicole, Amy, Charlotte und Grace sind hübsch und nett, nicht dumm und beliebt, und haben ein Problem: Das heißt Binah und ist ein noch hübscheres, noch gescheiteres und noch beliebteres Mädchen – meinen jedenfalls Nicole, Amy, Charlotte und Grace und sind schon ganz grün und gelb vor Neid. Deswegen lassen sie Binah einfach links liegen. So lange, bis ihnen eines Tages eine pummelige Fee begegnet. Die gute Fee öffnet Nicole, Amy, Charlotte und Grace die Augen – doch wie die Geschichte ausgeht, sei hier nicht verraten.

Madonna hat ihr Buch in einem witzigen Plauderton geschrieben. Es liest sich, als säße sie neben einem auf der Bank im Garten, würde Nicole, Amy, Charlotte und Grace kennen und von ihnen erzählen. Immer wieder spricht sie den Leser – wahrscheinlich mehr Madonna-Fans als Kinder – direkt an. Und ihr Buch hat tatsächlich eine moralische Botschaft, ohne dabei den erzieherischen Zeigefinger zu heben – was insbesondere die Kritiker der als unmoralisch verrufenen Künstlerin überraschen dürfte.

Madonnas Kinderbuchdebüt ist wirklich gelungen und „Die Englischen Rosen“ dürfte ein Erfolg werden – warten wir gespannt auf die Bücher, die noch folgen sollen!

Autorenportrait:
Madonna, eigentlich Madonna Louise Ciccone, geboren am 16. August 1958 in Bay City, stilisierte sich in unzähligen Rollen und Verkleidungen als charismatische Persönlichkeit der Pop-Musik. Sie lebt mit ihrem Mann, Filmregisseur Guy Ritschie, und ihren beiden Kindern in London und Los Angeles. „Die Englischen Rosen“ ist ihr erstes Kinderbuch und erscheint zeitgleich in über 40 Ländern.

Illustratorenportrait:
Jeffrey Fulvimari hat am Institute of Art in Cleveland, Ohio, studiert. Er ist Fotograf, Video- und Konzeptkünstler und arbeitete für verschiedene Fernsehsender, die Musikbranche und Werbefilmproduktionen.

Die Englischen Rosen

Madonna
Die Englischen Rosen
Mit Illustrationen von Jeffrey Fulvimari
Carl Hanser Verlag, München
ISBN 3-446-20412-1
Seiten, durchgehend farbig illustriert, Hardcover gebunden, Format 21 x 26 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 12,90 (D) / € 13,30 (A) / sFr 22,80

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