Die Bibel für Eilige

Eine Einführung für Gläubige

Die Bibel für Eilige(ts). Eigentlich, schreibt Friedrich Schorlemmer in seinem Buch „Die Bibel für Eilige“, reichen drei oder vier biblische Geschichten zum Glauben aus. Wer nur auf die Fakten schaut, wird die Bibel nicht verstehen, egal wie viele Texte er aus ihr liest. Für den, der an Gott glaubt, reichen drei oder vier Geschichten: Die vom barmherzigen Samariter zum Beispiel, die vom reichen Kornbauern oder die vom Scherflein der Witwe und natürlich die Seligpreisungen der Bergpredigt. Diese wenigen Geschichten können zum „Brot des Lebens“ werden.

Friedrich Schorlemmer zitiert freilich in seinem Buch „Die Bibel für Eilige“ weitaus mehr biblische Texte. Er möchte den Leser nicht bevormunden, sondern die Texte der Bibel selbst sprechen lassen. Dabei nimmt er die biblischen Texte nicht von Kritik aus. Psalmen etwa, in denen aus den Feinden des Menschen die Feinde Gottes werden, kann der Wittenberger Theologe nicht gutheißen. Das klingt ihm zu sehr nach George W. Bush und zu wenig nach biblischer Weisheit. Die nämlich beschränke sich nicht auf ein Gut-Böse-Schema.

Was können uns biblische Texte heute noch sagen?, fragt Friedrich Schorlemmer. Wenn man sie richtig liest, jede Menge. Friedrich Schorlemmer beginnt seine Einführung in die Bibel mit der Frage, wie man sie lesen soll und stellt dann ausgewählte zentrale biblische Bücher vor, große biblische Gestalten und wichtige Texte der Bibel, wie etwa das Vaterunser. Immer wieder prüft er dabei die Texte auf ihre Aktualität hin.

Freilich merkt man dem Buch an, dass Friedrich Schorlemmer von Hause aus Theologe ist. Die Sprache wirkt streckenweise eher einer Predigt entnommen als einer Einführung in die Bibel. Wer sich aber an den Sprachstil des Buches gewöhnt hat, der allzu häufig auf Verben verzichtet, wird belohnt. Das Buch ist in der Tat ein reichhaltiger Zugangsweg zur Heiligen Schrift. Friedrich Schorlemmer spricht zudem seine Leser immer wieder direkt an, etwas irritierend ist dabei, dass er sie gelegentlich duzt und gelegentlich siezt. Eine Predigt sei ohne künstlerische Durchdringung peinlich und hohl, schreibt Friedrich Schorlemmer an einer Stelle. Seinem Buch hätte freilich etwas weniger an künstlerischer Durchdringung gut getan.

Angenehm ist, dass Friedrich Schorlemmer seinen eigenen Glauben nicht außen vor lässt. Er sagt klar und deutlich, dass er mit dem Bild des triumphierenden Christus nichts anzufangen weiß und berichtet, wie wichtig ihm das Bild des leidenden, am Kreuz hängenden Christus in seiner Kirche geworden ist. Auch verweist er darauf, dass er die Auferstehung als eine Vision betrachtet. So ist das Buch „Die Bibel für Eilige“ neben einer gelungenen Einführung in die Bibel für Laien auch ein Stück persönliches Glaubenszeugnis.

Autorenportrait:
Friedrich Schorlemmer, 1944 in Wittenberge/Elbe geboren, aufgewachsen in der Altmark. Studium der Theologie, 1978-1992 Dozent am Evangelischen Predigerseminar und Prediger an der Schlosskirche in Wittenberg, seit 1992 Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in der Lutherstadt Wittenberg. 1989 erhielt er für sein Wirken die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte und 1993 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Die Bibel für Eilige

Friedrich Schorlemmer
Die Bibel für Eilige
Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin
ISBN 3-7466-1920-3
1. Auflage 2003, 264 Seiten, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 8,50 (D) / € k. A. (A) / sFr 15,20

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