Der rote Wolf

Die melancholische Lebensgeschichte eines Hundes

Der rote Wolf(ag). Es ist Weihnachten, als „Der rote Wolf“ geboren wird und in einem Pferdewagen durch die Wildnis Russlands fährt. Während der Fahrt fällt er aus dem wohlig warmen Wagen in den eisigen Winter und stirbt fast in der grausamen Kälte. Gerettet wird er durch eine Wölfin, die ihn zusammen mit ihren Welpen aufzieht. Er wächst als ein vom ganzen Rudel geachteter Wolf auf, und zieht mit ihnen durch die endlosen Wälder der Sonne entgegen.

Mit überaus ausdrucksstarken Bilder und einer poetischen Sprache beschreibt F. K. Waechter das Wolfsleben des kleinen Hundes in der weiten russischen Steppe. Dem wird jedoch brutal ein Ende gesetzt, als die geliebte Wölfin erschossen und „Der rote Wolf“ von Menschen adoptiert wird. Nur durch seine starke Liebe zu dem Mädchen Olga überwindet er den Schmerz, nie mehr mit seinen Brüdern und Schwestern Hirsche zu hetzen. Bis zu seinem Lebensende verbringt er die Zeit mit Olga. Nach seinem Tod kehrt er jedoch durch die Schlucht zum Vater aller Wölfe.

F. K. Waechter konzentriert sich mit seinem Kinderbuch „Der rote Wolf“ nicht nur auf die Beschreibung des von den Wölfen aufgezogenen Hundes. In einfühlsamen Worten stellt er auch die endlos erscheinende Wildnis Russlands dar, die dunklen Wälder und die grenzenlose Steppe. „Der rote Wolf“ besticht gerade durch seine realistische Lebendigkeit, die nichts beschönigt und vereinfacht. Diskret schildert F. K. Waechter die Schrecken des zweiten Weltkrieges: „Graue Soldaten humpelten nach Westen. Grüne Soldaten folgten, liefen der bleichen Wintersonne nach nach Westen.“ Die Wölfe jedoch ziehen nach Osten auf die Sonne zu und lassen das Grauen des Krieges damit hinter sich.

Selbst der Tod spielt in F. K. Waechters Buch ein zentrales Thema: Während „Der rote Wolf“ zum Vater aller Wölfe durch die Schlucht fliegt, zieht in Bildern noch einmal sein ganzes Leben an ihm vorbei. Damit macht der Autor auf zurückhaltende Weise deutlich, dass auch der Tod zum Leben dazu gehört und auf durchaus positive Weise erlebt werden kann. Kurz vor dem Tod des Hundes schreibt das Mädchen Olga dessen abenteuerliche Lebensgeschichte auf. Noch lange nach seinem Tod, verspricht sie ihm, „wird es immer noch Menschenkinder geben, die dein Buch lesen und dich lieben werden.“ Eine Aussage, die sich als wahr erweist.

Dem Reiz des mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Kinderbuches „Der rote Wolf“ wird sich weder Klein noch Groß entziehen können!

Autorenportrait:
Friedrich Karl Waechter, geboren 1937 in Danzig, lebt seit 1962 in Frankfurt am Main. Er arbeitete zuerst als Grafiker, später für verschiedene satirische und andere Zeitschriften und Zeitungen. Heute arbeitet er nicht nur als Zeichner, sondern auch für Bühne und Film.

Der rote Wolf

F. K. Waechter
Der rote Wolf
Diogenes Verlag, Zürich
ISBN 3-257-00848-1
64 Seiten, durchgehend farbig illustriert, Hardcover gebunden, Format 22 x 27,5 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 14,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 26,90

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