Der Chocolatier

Die Geschichte eines Schokoladenkünstlers aus Toronto

Der Chocolatier(twi). Unwiderstehlich, diese süße, manchmal zart-bittere Schokolade mit dem feinen Schmelz, als hätte man ein Stück Himmel im Mund. Fast schon sündig, diese reichhaltigen, cremigen Pralinenfüllungen mit dem unnachahmlichen Dekoren. Diese Versuchungen immer neuer Kreationen mit neuen Geschmacksexplosionen, alles zum Wohl und zur höheren Ehre der Schokolade, Geschenk der Götter, Trank der Götter und schon zu Zeiten der Azteken Zahlungsmittel und größter Schatz, nicht einmal Gold und Juwelen waren so hoch geschätzt und von solch’ kostbarem Wert, um das sogar Kriege geführt wurden.

Der Roman „Der Chocolatier“ von Philibert Schogt ist eine bittersüße Geschichte, bittersüß wie gute und hochfeine Schokolade, über den aussichtslosen Kampf eines kleinen Confiseriegeschäftes gegen einen Supermarktgiganten. Man merkt die Marktkenntnis des Autoren, der selbst jahrelang in Kanada gelebt hat. Gefreut hat mich insbesondere der Hinweis auf die Gespaltenheit der Kanadier, einesteils zu Amerika (US) gehören zu wollen und anderseits zu Europa (Frankreich). Dies schlägt sich melancholisch im Roman nieder.

Die Figur des Schokoladenhändlers „Daalder“ ist abstoßend und anziehend zugleich, ein Mann mit der Feinheit einer Elfe, wenn es um den Überzug einer Praline geht und dem Gemüt eines Bulldozers, wenn er Kritik äußert oder ihm etwas nicht passt. Die kleine Confiserie bekommt nach Jahren Konkurrenz aus den USA: Ein Supermarktgigant lässt sich ihm gegenüber nieder und kauft schließlich sogar das Haus, welches er nur gemietet hatte. Dann beginnt der Krieg: Junge wilde Schokoladenkünstler im Diensten des Supermarktes rauben und stehlen ihm seine Kundschaft. Die Juppies kaufen jetzt lieber beim Giganten ein, das Geschäft „Daalders“ geht dem Ruin entgegen, und doch gibt er den Kampf nicht auf aber es ist hoffnungslos.

Gerade dieser Kampf und die Tücken beider Seiten machen den Roman so vielschichtig. Selten habe ich mich von Anfang an in ein Buch so verliebt, denn es ist eine Hommage an die Schokolade und die Abgründe die sie mitbringen kann. Das Buch ist nicht nur Trostspender, es ist auch Terror und Vernichtung, es ist süße Versuchung und bittere Medizin.

„Der Chocolatier“ wurde aus dem Niederländischen von Barbara Heller übersetzt und ist eine Wonne, ein kleiner feiner Traum, besonders in ruhigen und dunklen Abendstunden am Kamin mit Rotwein, Espresso und einem Stückchen dunkler, herber Schokolade von allerhöchster Güte und Qualität. Allein schon die Einbandgestaltung mit Reliefartig hervortretenden Schokoladenstückchen-Umrandungen, ist gut gelungen und steigert noch die Vorfreude auf den Lesebeginn.

Die Geschichte endet letztlich unvermeidlich, dies ist schon am Anfang klar, aber den Weg den die Hauptfigur geht, macht das Buch so interessant: Es ist ein Aufbäumen, es ist Trauer, es ist List und Tücke und Resignation wie auch Erkenntnis. Man kann sich wunderbar in die Figuren hineinversetzen, welche mit so viel Liebe ausgestaltet sind, als wären sie aus Schokolade.

„Der Chocolatier“ – ein im wahrsten Sinne des Wortes „süßes“ und absolut lesenswertes Vergnügen!

Autorenportrait:
Philibert Schogt wurde 1960 in Amsterdam geboren. Im Alter von vier Jahren zog er mit seiner Familie in die USA und später nach Kanada. Mit 17 kehrte er in die Niederlande zurück, wo er an der Universität von Amsterdam Philosophie und Mathematik studierte und heute noch lebt. „Der Chocolatier“ ist sein zweiter Roman.

Der Chocolatier

Philibert Schogt
Der Chocolatier

Aus dem Niederländischen von Barbara Heller
List Verlag, München
ISBN 3-471-78764-X
368 Seiten, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Format 13,5 x 21,5 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 22.- (D) / € 22,70 (A) / sFr 37.-

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Der Chocolatier

Philibert Schogt
Der Chocolatier

Aus dem Niederländischen von Barbara Heller
List Verlag, Berlin
ISBN 3-548-60495-1
352 Seiten, Broschur.
Unverbindliche Preisangabe: € 8,95 (D) / € 9,20 (A) / sFr 16,50

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