Das Schutzengelbuch
Episoden und Illustrationen von Hans Traxler
(jaf).
Eigentlich sind Schutzengel irgendwie ganz menschlich. Jedenfalls wenn man sich
sie mit den Augen von Hans Traxler, Zeichner beim Satiremagazin „Titanic“,
sieht. Mit vielen liebevoll-spöttelnden, humorvollen Bildern und kurzen
Textpassagen in den meisten Fällen nehmen Zeichnung und Textzeile
eine Buchseite ein macht sich Hans Traxler daran, das geheimnisvolle
Phänomen der Schutzengel zu ergründen.
Eigentlich, so Hans Traxler, haben die Menschen ihnen viel zu verdanken. Sehr viel sogar, denn bevor es sie gab „waren die Menschen vom Aussterben bedroht. Manche fielen in Erdspalten, die sich plötzlich auftaten, andere wurden versehentlich von Einhörnern aufgespießt. (…) Die durchschnittliche Lebenserwartung eines neugeborenen Menschen war inzwischen auf zwölf Jahre gesunken.“ Doch eines Tages entschloss der liebe Gott, den Prototyp „Schutzengel“ auf den Weltmarkt zu bringen. Anfangs waren sie unerfahren, mitunter traten sogar „ideologische Probleme“ auf. „Als zum Beispiel im Jahre 216 v.Chr. bei Cannae Römer und Karthager zur Schlacht antraten, mussten sie erst mal stundenlang warten, bis die Schutzengel geklärt hatten, wer wen gegen wen beschützen dürfe.“ Nun denn. Schutzengel sind ja auch nur (so etwas ähnliches wie) Menschen. Und haben auch kleine Fehler: Sie gucken gerade Schuhe an, wenn ihr Protège von einem Ast erschlagen wird, machen Urlaub an der Côte d`Azur, während in heimischen Gefilde sich ältere Mitbürger bei winterlichem Glatteis die Oberschenkelhalsknochen brechen. Als „dümmster Schutzengel aller Zeiten“ profilierte sich jedoch „Manfred am 20. Juli 1944 beim Attentat auf Hitler in der ’Wolfsschanze’“. Leider hat er den Falschen beschützt.
Aber natürlich birgt der Schutzengelberuf auch Schwierigkeiten. Abgesehen von strukturellen Defiziten („Im Vergleich zu den Kronberger Villenvierteln hat die New Yorker Bronx eine um 97 Prozent geringere Schutzengeldichte“), gibt es mitunter „massive Glaubwürdigkeitsprobleme“, beispielsweise bei nicht aufzuhaltenden Schweinen auf dem Weg zur Wurstfabrik. Schwierigkeiten bereiten auch Sondereinsätze auf dem eiskalten Himalaya, am vor Untieren nur so wimmelnden Amazonas oder im Knabeninternat.
Dass die Schutzengel ihren Job trotz aller Widrigkeiten dennoch ziemlich gut bewältigen, dafür sprechen die augenzwinkernden „sechs wahren und persönlichen Schutzengelgeschichten“ des Autors: „1960 ging ich in der Bucht von Castiglioncello trotz Sturmwarnung ins Meer und schaffte es nicht zurück ans Ufer.“, erzählt Hans Traxler. „Zur Strafe ließen mich die drei Schutzengel der toskanischen Wasserwacht ganz schön viel Salzwasser schlucken, ehe sie die Karten beiseite legten“. Oder: Mit sieben Jahren „raste ich die völlig vereiste ’Todesbahn’ von S. bergab. Beim Stöckelbauern hatte sich der Apfelschimmel losgerissen und tobte im rechten Winkel auf die Rodelbahn zu. Mein Schutzengel sorgte dafür, dass zwischen beiden Ereignissen etwa 36 Stunden lagen“. So kann man’s auch sehen.
„Das Schutzengelbuch“ ist ein überaus charmantes und kurzweiliges Buch zum Verschenken an liebe, humorige Freunde und zum Nachdenken, ob Schutzengel nicht doch für mehr in unserem Leben verantwortlich sind als wir denken. Glück im Leben muss schließlich nicht selbstverständlich sein!
Autorenportrait:
Hans Traxler gehört zu den Mitbegründern der Neuen Frankfurter Schule
und den Satirezeitschriften „Pardon“ und „Titanic“.
Er zeichnet für verschiedene Magazine und hat zwei Dutzend Bücher,
wie den Bildband „Bildergedichte“,
veröffentlicht. Er lebt in Frankfurt und auf Reisen.
© Copyright by: Public Dialog Hamburg