Das große Sylt Buch
Das Standardwerk für alle Inselliebhaber
(mkb).
Sylt besticht mit Luxus, unbeschreiblichen Landschaften, kilometerlangen Dünen
und der vielgerühmten Gastronomie. Die Nordseeinsel birgt eine derbe Schönheit
in sich, die, früh von einer breiten Öffentlichkeit entdeckt, gleichzeitig
Segen und Fluch seiner Bewohner geworden ist. Der Fremdenverkehr hat Wohlstand
und Industrialisierung gebracht, während die Idylle der einstigen Fischerinsel
nach und nach daran zerbricht. Ruhelosigkeit, fragwürdige Architektur und
zerstörte Landschaften treiben bedenkliche Blüten. Jahr für Jahr
kriechen die Autokarawanen über Sylter Asphalt, tummelt sich verbranntes
Fleisch über kilometerlange Streifen weißen Sand, der zwischen Nordsee
und Dünen die Insel säumt. Und doch: Die Faszination Sylt lebt, die
Anziehungskraft der Insel wirkt fort. Herausgeber und Fotograf Hans Jessel offenbart
mit „Das große Sylt Buch“ nicht nur die Gegenwart, sondern
taucht mit dem Leser gemeinsam in deren Vergangenheit und deren Zukunftsvisionen
ein.
Die großformatigen Fotografien und eindrücklichen Reportagen zeichnen das Bild einer Insel, die weit mehr als Kur- und Urlaubsort ist. So blättert der Leser über schwarzweiß Aufnahmen der Jahrhundertwende, wo geschnürte Frauenkörper und Männer in Fracks über menschenleere Strände ziehen. Hans Jessel hangelt sich aus der Gegenwart zurück in die Vergangenheit. Gleich im Einstieg beschreibt er die Folgen des Jahrhundertsturms 1962, verliert sich in Träumereien und Zweifeln an der Richtigkeit der Tourismusexplosion und überlässt schließlich das Wort Anderen. Dem Fischer Jens Booysen zum Beispiel, geboren 1799, führt er uns 200 Jahre zurück. Ihm ist noch ein „Räthsel“, wie aus dem „Silt“ jemals ein „Sylt“ hatte werden können. Er schiebt den Dänen eine Teilverantwortung zu, deren Einfluss Sprache und Leben geprägt haben. Er beschreibt die Landwirtschaft, die Fischerei, Eckpfeiler für ein Überleben auf Sylt. Kaum mehr vorstellbar, springt doch heute den Besucher Luxus und Überfluss an, ist wenig von der einstigen Ursprünglichkeit übrig geblieben.
Henning Rinken, ein 1777 geborener Seemann, schildert den möglichen Verlauf einer Hochzeit, in welcher der Bräutigam das Leben in der Hochzeitsnacht hatte lassen müssen, und das nur, weil er schlichtend in einen Streit eingegriffen hatte. Der Leser erfährt, dass einst das „Weibervolk“ die Zweidrittelmehrheit gehalten hatte, dass die Damen „nicht selten bärtig“ gewesen und die Mannsbilder „zu jenen breiten, eckigen Gestalten mit eisernen Naturen“ gehörten. Verstohlene Blicke auf den heutigen Sylter zeigen, dass sein Profil über die Jahrhunderte unverändert geblieben ist. Vom rauen Umgang untereinander ist die derbe Freundlichkeit geblieben, die der Insel einen Teil ihres Charmes verleiht.
Ungemein unterhaltsam auch der literarische Kulturschock einer Amerikanerin, die auf der Insel einen Urlaub verbracht hatte. Beim Gang in die gemischte Sauna fügte sie sich verstört der allgemeinen Nacktheit und schwitzte mit Mann und Frau die Sanduhr ab. Eine Amerikanerin am FKK-Strand, eine Amerikanerin die sich fragt, wo der Frohmut dieses Volkes geblieben ist und statt Frohmut zu leben mit den Deutschen kurt. „Das war aber immer noch unendlich viel angenehmer als die nächste Kur, Kneipp genannt. Verwirrt wie immer fand ich mich in einem hellerleuchteten, gefliesten Raum splitternackt vor einem netten Mann, der meinen schlanken Körper ohne zu zögern mit heißem Wasser abspritzt. Als ich mich gerade daran gewöhnt hatte, verpasste er mir einen Stoß Eiswasser. Das legte umgehend mein Atmungssystem lahm und ließ meine Knie zittern.“
Hat der Leser „Das große Sylt Buch“ zugeklappt, ist Sylt in seinen Augen neu geboren. Die Gebäude haben jetzt Geschichte, Bausünden und Wunderwerke der Architektur ergeben Sinn. Den Dünen tritt man fortan mit Respekt entgegen, denn ihnen verdankt Sylt trockenes Land, sie bieten Schutz vor der hungrigen See. Hans Jessel hat ein Bewusstsein geweckt, das für Sylt und viele weitere Nordseeinseln gilt. „Wenn es künftig nur genug Menschen gäbe, deren Zuneigung zu ihrer kraftspendenden Insel sich nicht allein im Nehmen erschöpfen würde, sondern für die das Wort Liebe auch Geben bedeutet, müsste man sich um die Zukunft Sylts erheblich weniger Sorgen machen.“
„Das große Syltbuch“ ist eine Schatztruhe an Bildern, Geschichte, Reportagen, Kultur und dem Alltag auf Sylt. Mit diesem Standardwerk wird die Vielseitigkeit der Nordseeinsel deutlich, die nicht nur Syltliebhaber schätzen werden!
Herausgeberportrait:
Hans Jessel, geboren 1956 in Westerland, ist Diplom-Geograph und leidenschaftlicher
Insulaner. Er lebt als freiberuflicher Schriftsteller und Fotograf in Keitum
auf Sylt. Zahlreiche Ausstellungen, Foto- und Textveröffentlichungen.
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