Das Buch zum Buch
Ein ABC der Leselust
(emk).
„Das Buch zum Buch“ – wer hier ein informatives Nachschlagewerk
zum Thema Buch erwartet, hat sich geirrt. Die alphabetische Anordnung und das
Griffregister am Rand der Seiten sind nur Tarnung. Rainer Moritz hat ein ziemlich
eigenwilliges ABC aus Feuilletons zusammengesellt, in dem unter Stichworten
wie „Messerprobe“, „Hornbach-Baumarkt“, „Dauerkrisen“
und „Bouillon“ seine sehr persönlichen Ein- und Ansichten zum
Thema Buch im weitesten Sinne und in Ich-Form nach zulesen sind.
So mokiert er sich unter dem Stichwort „Eselsohren“ über die unterschiedliche Handhabung eines Buches beim Lesen. Der Autor hasst auf den Rücken gelegte Bücher und Eselsohren, und das Schlimmste, was ihm passierte, ereignete sich in der Wartehalle eines Flughafens: „Neben mir saß eine nicht sofort verhaltensauffällige junge Frau, die ein Taschenbuch (...) las. Jede Seite, die sie hinter sich gebracht hatte, entfernte sie sofort. Blatt für Blatt riss sie heraus und erleichterte so ihr Fluggepäck. Ich wechselte umgehend den Platz.“
„Das Buch zum Buch“ ist eben kein Sachbuch, sondern ein höchst vergnüglich zu lesendes Sammelsurium von Notizen am Rande der Welt der Bücher, geschrieben von einem Fachmann, der es wissen muss. Rainer Moritz plaudert über Details von Buchmessen, über die Lesesucht schlechthin, über Balladen und Bestseller, über schreibendende Politiker und Schauspieler, über Kult- und Kindheitsbücher, über die Qual mit Loseblattsammlungen und das alles mit viel Humor. Ganz heimlich und zwischen den Zeilen ist daraus eine Stilkunde geworden und ein Beispiel für alle Schreiberlinge, was die intelligente Verwendung von Verben und Adjektiven betrifft.
Unter „(nicht) weggeworfene Bücher“ stellt der Autor die Frage, ob man ein Buch weg werfen dürfe – sein Buch jedenfalls nicht! „Das Buch zum Buch“ von Rainer Moritz ist zum immer wieder lesen, zum Schmunzeln, manchmal zum Totlachen und zum Verschenken bestens geeignet. „Wer doof ist, sollte keine Bücher schreiben“, steht unter „X-Beine“, mag Rainer Moritz X-Beine haben – er hat uns ein köstliches „Buch zum Buch“ beschert.
Autorenportrait:
Rainer Moritz ist 1958 in Heilbronn geboren. Er studierte in Tübingen Germanistik, Philosophie und Romanistik und promovierte mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit 1988. Er war Lektor bei verschiedenen wissenschaftlichen Verlagen und ist seit 1988 Leiter des Hoffmann & Campe Verlages in Hamburg. Er war Lehrbeauftragter an der Fachhochschule für Bibliothekswesen in Stuttgart und seit 1997 am Institut für Buchwissenschaft der Universität Erlangen.
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