Charles Lindbergh
Ein Idol des 20. Jahrhunderts
(bhs).
Amerika 1927: Nach einem 33-stündigen Alleinflug landet Charles Lindbergh
in Paris. Die Welt hielt den Atem an und erhob ihn zum Helden, liebte ihn fast
religiös und verdammte ihn für jede Äußerung, die sie nicht
hören wollte. Danach war nichts mehr wie früher, nicht für die
Menschheit, nicht für Charles Lindbergh.
Wie ein Roman geschrieben, stellt A. Scott Berg in seinem Buch „Charles Lindbergh – Ein Idol des 20. Jahrhunderts“, übersetzt aus dem Amerikanischen von Andrea Ott, den Menschen Charles Lindbergh in den Mittelpunkt: Ein zerbrechlicher Mensch, der Held war. Ein Mann, dessen Unerfüllt-Sein die Suche nach Abenteuer begründete, ein Philosoph auf der Suche nach der Wahrheit im Taumel eines Schicksals.
Der Flug nach Paris brachte eine Öffentlichkeit mit sich, die Charles Lindbergh nicht erahnen konnte. Von der Hochzeit mit der Diplomatentochter Anne Morrow bis hin zur Entführung seines Sohnes, die mit dem Tod des Kindes endete, Sympathie-Geständnissen für die Nationalsozialisten – alles wurde von der Presse und international kommentiert. Rückblicke auf die Ahnenleiste Charles Lindberghs, seine Kindheit als Nachkomme eines zerrissenen Elternhauses, Einwanderer aus Schweden, lassen die Entwicklung dieses Mannes vermuten und machen begreifbar, warum Charles Lindbergh später nur eines suchte: Ruhe und das Verständnis der Menschen, die merken sollten, welch trügerischen Irrtümern sie unterlegen waren – und noch heute sind.
Sein Leben, von A. Scott Berg einfühlsam beschrieben, ermutigt die Leser, Individualität zu bewahren, obgleich die Folgen einer solchen deutlich aufgezeigt werden. „Charles Lindbergh – Ein Idol des 20. Jahrhunderts“ macht genauso Gänsehaut, als das es motiviert, zeitlos zum Denken und In-Frage-Stellen anregt.
„Befangen in den Träumen von gestern, halten wir manchen Schritt in die Zukunft für einen unerfüllbaren Traum.“, schrieb Charles Lindbergh und zeigt mit diesem wie etlichen anderen Zitaten, die A. Scott Berg in seinem Buch anführt, was sich hinter dem Piloten verbarg: Ein Denker und Philosoph, ein Kritiker und Befürworter der Gesellschaft und Industrialisierung und letztlich ein Held, der Abschied von der Fliegerei nahm, um sich der Natur zu widmen, weil er darin den Sinn erkannte: Das Gleichgewicht zwischen technischem Fortschritt und Bewahrung der Umwelt, Raum und Zeit als Verbindung zwischen Himmel und Erde.
„Charles Lindbergh – Ein Idol des 20. Jahrhunderts“ ist keine klassische Biographie, sondern leichtfüßig wie atemberaubend geschrieben. Angereichert mit Fotographien, von Universitäten und US-Bundesstaatlichen Bibliotheken wie auch Familienangehörigen zur Verfügung gestellt, wird dieses Buch, für das A. Scott Berg zu Recht mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, zu einem geschichtlichen Ereignis, einem packenden Roman, der penibel und korrekt ein Idol darstellt, welches letztlich keines war, sondern etwas anderes: Charles Lindbergh war suchender Philosoph und ein wissender Abenteurer des Lebens.
Autorenportrait:
A. Scott Berg, Jahrgang 1950, studierte an der Princeton University und ist
als herausragender Biograph bekannt. Er erhielt mehrere Auszeichnungen. Für
seine „Charles Lindbergh“-Biographie wurde ihm der Pulitzer-Preis
verliehen. Er lebt in Los Angeles. Jüngst erschien seine Biographie über
„Katharine Hepburn“.
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