Canis Der kleine weiße Wolf
Ein Märchen für Kinder und jung gebliebene Erwachsene
(ag). Mit dem Ende des Sommers begibt sich „Canis Der kleine weiße Wolf“ auf die Suche nach Freunden. In seinem Revier ist nämlich niemand, mit dem er zusammen auf die Jagd gehen oder kuscheln könnte. Doch ist es für ihn gar nicht so einfach, Gesellschaft zu finden, denn alle anderen scheinen große Angst vor ihm zu haben. Sobald Reh, Hase und Mensch sein Auftauchen bemerken, laufen sie weg, vergraben sich in Höhlen oder schießen sogar auf ihn. Der kleine weiße Wolf ist sehr verwirrt, da er sich nicht erklären kann, weshalb die anderen so ängstlich sind. Als er endlich auf andere Wölfe trifft, ist seine Freude nur von kurzer Dauer: Der große schwarze Leitwolf sieht in ihm einen Konkurrenten und möchte ihn nicht in sein Rudel aufnehmen. Schon will „Canis“ hoffnungslos weiterziehen, doch er überwindet seine Angst und lernt, um seinen Platz zu kämpfen.
Die liebevollen Aquarelle von Ulrike Wahl und Alexander Himmelspach illustrieren anschaulich die Erlebnisse des kleinen weißen Wolfes. Seine große Freude beim Vorfinden der Menschen wird hierbei ebenso treffend dargestellt, wie die verzweifelte Flucht vor deren Gewehrkugeln.
Einzig die Begleitinformationen für Erwachsene erweisen sich in diesem sonst sehr gelungenen Bilderbuch als störend. Die am Seitenrand in blauen Kästen stehenden Informationen erinnern an ein Sachbuch und wirken auf den zarten Aquarellen befremdend. Neben der Geschichte von „Canis“ sollte historisches Wissen über den Wolf vermittelt, sowie sein biologisches Verhalten erklärt werden. Dadurch verliert die Geschichte jedoch viel von ihrer poetischen Form und erhält stattdessen einen wissenschaftlichen Charakter.
Prof. Dr. Torsten Kirstges hat das „Märchen für Kinder und jung gebliebene Erwachsene“ vom kleinen, weißen Wolf für seine dreijährige Tochter Angela erfunden. Sie hatte abends oft Angst, dass sich ein böser Wolf bei ihr im Zimmer befände und konnte deswegen nicht einschlafen. Um die Bedrohung vom Bösen abzuwenden, erfand der Autor „Canis“ als freundlichen weißen Gesellen, der nur auf der Suche nach Freunden ist und keinem etwas zuleide tun könnte. Zunächst noch einsam und ängstlich, wird er im Laufe der Geschichte zum starken und selbstbewussten Wolf, der mit seinen Ängsten umzugehen weiß, sowie sich mit Einsicht und Stärke behaupten kann. Aus der kleinen privaten Geschichte ist mit der Zeit ein wunderschönes Buch für Klein und Groß geworden, dass einem auch dann noch Freude bereiten wird, wenn man schon lange keine Angst mehr davor hat, dass sich ein böser Wolf unter seinem Bett befindet!
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Prof. Dr. Torsten Kirstges |
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