Bühnenwelten
Werkstatt Bregenz – Bregenzer Festspiele von 1983 bis 2003
(tik).
Musiktheater einer anderen Dimension, so könnte man die Bregenzer Festspiele
am Bodensee nennen. Alles ist hier größer und spektakulärer,
egal ob es sich um den Leuchtturm aus „Der fliegende Holländer“,
das zu „Porgy and Bess“ nachgebildete Stück Autobahn oder das
haushohe Skelett aus „Ein Maskenball“ handelt. Solche Gigantik muss
erdacht werden, sie will wohl überlegt koordiniert und installiert sein,
denn nicht zuletzt muss das Inventar auf der Freilichtbühne auch noch dem
rauen Wetter zu Füßen der Alpen und dem feuchten Seewind trotzen
können. Wer sich dieser Aufgabe stellen will, braucht Mut, Können
und vor allem eine große Vision, die auch in schwierigen Situationen Kraft
gibt. Alfred Wopmann war über 20 Jahre hinweg Intendant der Bregenzer Festspiele,
er hat sie zu dem Spektakel gemacht, das sie heute sind. Anlässlich seines
Wegganges aus Bregenz hat Wolfgang Willaschek den Bildband „Bühnenwelten“
herausgegeben, in dem die Arbeit hinter den Festspielen mit zahlreichen Fotos
von Karl Foster beleuchtet wird.
Der umfangreiche Band gliedert sich in zwei Hauptteile, wovon der zweite den letzten zehn Stücken, die von Alfred Wopmann inszeniert wurden, gewidmet ist, angefangen bei „Die Zauberflöte“ von 1985/1986, bis hin zur aktuellen Produktion 2003/2004 „West Side Story“. Jeweils ein Kapitel begleitet eine Aufführung von der Idee bis zur bühnenfertigen Show. An interessanten Fotografien kann nachvollzogen werden, wie aus dem rohen Gerüst Stück für Stück ein atemberaubendes Bühnenbild entsteht. Ergänzend dazu finden sich zahlreiche Textausschnitte, in denen Regisseur, Schauspieler oder Intendant Alfred Wopmann selber erzählen, welche Vorstellungen und Wünsche sie veranlasst haben, sich den verschiedenen Projekten zu widmen. Die Kapitel, die auch mit technischen Details nicht sparen, lassen sich als interessante Hintergrundinformation zu einer gigantischen Bühnenshow lesen. Zugleich stellen sie aber auch eine ästhetisch schöne Zusammenfassung der Aufführungen dar, mit schönen Fotografien der großartigsten Szenen und persönlichen Stellungnahmen der Schauspieler.
Der erste Hauptteil ist noch einmal untergliedert in „Partner auf der Bühne“ und „Partner hinter den Kulissen“. Hier melden sich Wegbegleiter und Freunde Alfred Wopmanns zu Wort und erzählen detailliert über ihre ganz persönlichen Erfahrungen bei den Bregenzer Festspielen. Eine Vielzahl von Interviews und bislang unveröffentlichte Dokumente beleuchten die „Werkstatt Bregenz“. Im Anhang findet sich ein über 60 Seiten langes Gesamtverzeichnis aller Werke und Künstler von 1946 bis 2003.
„Bühnenwelten“ ist für alle Liebhaber von Oper und Theater, natürlich besonders für diejenigen der Bregenzer Festspiele, eine interessante und zugleich sehenswerte Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und von den großen Machern die ganz eigenen Visionen erzählt zu bekommen. Ein Bildband so opulent, eindrucksvoll und wunderschön wie die darin gezeigten Aufführungen!
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