Bruder Wolf
Das vergessene Versprechen
(ag). In den ausdrucksstarken Bildern von Naturfotograf und Autor Jim Brandenburg steht besonders der tiefe Einklang zwischen Tier und Natur im Vordergrund. Nicht nur der amerikanische Timber-Wolf wird hierbei in seiner ganzen Pracht festgehalten, sondern auch die unbeschreibbar weite Wildnis seines natürlichen Lebensraumes in Minnesota.
In poetischer Sprache beschreibt Jim Brandenburg in seinem Bildband „Bruder Wolf“ die Lebensgewohnheiten der Wölfe. Hierbei schildert er etwa das wunderbare Talent der Wölfe, in ganz verschiedenen Tonlagen zu heulen. Vor allem Menschen lassen sich durch diese Fähigkeit leicht täuschen und stellen sich, nachdem sie das Wolfsgeheul gehört haben, oftmals ein ganzes Rudel vor. In der harten Welt der Natur ist es für Tiere immer wichtig, größer und stärker zu erscheinen, als sie es in Wirklichkeit sind. So etwas allerdings nur durch die Stimme zu erreichen, ist nur eine der vielen Eigenarten, mit denen die Wölfe seit jeher ihre Umwelt beeindrucken.
Eine Legende der letzten Ureinwohner Minnesotas, beschreibt den Wolf als unseren Bruder, unseren Lehrer bei der Jagd und unseren Führer in den Himmel. Die Vermutung von Autor Jim Brandenburg, wonach der Mensch von seinem „Bruder Wolf“ viel über das Überleben in der Wildnis gelernt habe, wird durch diese Legende bestätigt. Immer wieder weist er in seinem beeindruckenden Buch auf die schon seit langem bestehenden Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Wolf hin: Sowohl menschliche Stämme wie auch Wolfsrudel bestehen vorwiegend aus Familiengruppen und verlassen sich hierbei auf eine starke, soziale Struktur, um ihr Gemeinschaftsleben und die Jagd zu bewältigen. Sie wählen beide Führer, die sich durch besondere Geschicklichkeit oder körperliche Überlegenheit auszeichnen und verstärken durch bestimmte Rituale ihr Zusammengehörigkeitsgefühl. Nicht umsonst hat der Mensch den Wolf immer als seinen stärksten Konkurrenten gesehen und sich jahrhunderte lang um dessen Ausrottung „bemüht“.
Jim Brandenburg stellt in seinem Bildband „Bruder Wolf“ die Ursprünge von Hass und Verfolgung eines Tieres dar, um das sich wie um kein anderes Mythen und Geschichten ranken. Bei der Beschreibung der Gemeinsamkeiten von Wolf und Mensch betont er, wie sehr sich die Wünsche und Bedürfnisse der beiden sich ähneln. Wie der Mensch, verlangt auch der Wolf Nahrung, Raum, Frieden, soziale Ordnung und eine gesunde Umwelt zum Leben. Doch der Wolf möchte auch noch etwas anderes, das uns nicht mehr überraschen dürfte: „,Bruder Wolf’ will allein gelassen werden.“
Fotografenportrait:
Jim Brandenburg, in Minnesota USA geboren, ist Preisträger vieler nationaler und internationaler Fotowettbewerbe. 1991 erhielt er den „World Achievement Award“ für seinen Einsatz der Naturfotografie, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Umwelt zu lenken. Wenn er nicht unterwegs ist, verbringt er seine Zeit in einem Studio in Minneapolis oder in den Nadelwäldern von Nordminnesota.
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Jim Brandenburg |
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