Bleib bei mir, kleiner Wolf!
Ein Indianerjunge muss seinen Freund gehen lassen
(sl). Kii ist ein kleiner Indianerjunge, der jeden Tag mit seinem Pferd Schi-lii ausreitet. Eines Tages findet er ein völlig erschöpftes Wolfsjunges. Er nimmt es mit nach Hause und päppelt den Wolf, den er Yassi nennt, was in der Indianersprache „Kleiner“ heißt, liebevoll auf. Bald ist aus Yassi ein stattlicher Wolf geworden und eines Tages verschwindet er plötzlich. Kii sucht seinen Freund den ganzen Tag vergeblich. Abends taucht Yassi wieder auf er hat eine Ziege des Nachbarn gerissen. Kiis Vater stellt seinen Sohn vor die Wahl: Entweder Yassi wird angebunden oder er muss in ein anderes Tal gebracht werden, in dem keine Menschen leben. Doch Kii will sich nicht von seinem Freund trennen und Yassi lieber als Hütehund abrichten. Der Vater ermahnt ihn: „Ein Wolf ist kein Hund (…) Wölfe sind Jäger und keine Hüter der Schafe und Ziegen“. Schweren Herzens stimmt Kii schließlich zu und bringt den Wolf mit seinem Vater in das Tal, wo Yassi Anschluss an andere Wölfe findet.
Astrid Krömer hat die Geschichte „Bleib bei mir, kleiner Wolf!“ für Kinder ab drei Jahre mit schlichten Bildern illustriert, die genau die Farbtöne der Prärie Nordamerikas treffen. Die Mimik der Charaktere wurde dabei unglaublich gut hervorgehoben: Kii ist genau anzusehen, was er empfindet, als er seinen Freund Yassi ziehen lassen soll.
Autorin Käthe Recheis, die sich mit zahlreichen Indianergeschichten einen Namen gemacht hat, greift in dem Bilderbuch „Bleib bei mir, kleiner Wolf!“ eine Situation auf, mit der sich jedes Kind früher oder später auseinandersetzen muss: Trennungsschmerz. In einfühlsamen Worten erklärt sie dem kleinen Leser, dass es Situationen gibt, in denen es für alle Beteiligten besser ist, sich zu trennen. Gleichzeitig verdeutlicht Käthe Recheis aber auch, dass wilde Tiere eben keine Haustiere sind. Ihr Plädoyer für Respekt gegenüber anderen Lebewesen ist durchaus gelungen.
Ein wirklich schönes Bilderbuch, nicht nur für kleine Indianer!
Autorenportrait:
Käthe Recheis ist seit 1961 freie Schriftstellerin. Sie erhielt zahlreiche in- und ausländische Preise. Ihre Werke wurden in alle gängigen europäischen Sprachen sowie ins Japanische, Koreanische und Afrikaans übersetzt. Ein besonderer thematischer Schwerpunkt ihres Schaffens liegt im Engagement für Indianervölker. Im Bereich des Märchens, der Mythologie und des Phantastischen findet sich die Gestalt des Wolfes als zentrales Symbol in Käthe Recheis’ Werken. Ihre Liebe zu den Wölfen, die auf einen Wolfshund aus ihrer Kindheit zurückgeht, wurde durch die Beziehung zu den Indianern noch verstärkt. Von ihren indianischen Freunden erhielt Käthe Recheis den Ehrennamen „Molse Mawa“, Beschützerin des Wolfes.
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Käthe Recheis |
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